Die Verbindung von Tanz und Winter ist eine der ältesten und grundlegendsten in der Kulturgeschichte. Hier tritt der Tanz nicht als Vergnügen auf, sondern als komplexer, adaptiver, ritueller und expressiver Antwort des menschlichen Körpers auf die Herausforderungen der kalten Jahreszeit. Vom archaischen Brauch, der darauf abzielte, die Natur zu beeinflussen, bis hin zum klassischen Ballett und modernen Performances hat der Winter-Tanz von einem magischen Gesten zu einer künstlerischen Metapher evolviert, seine tiefgreifende Verbindung zu den Naturzyklen behalten.
1. Rituale zur Herausforderung und Vertreibung des Winters.
In präindustriellen Gesellschaften war der Tanz ein Instrument symbolischen Einflusses auf die natürlichen Zyklen. Die Winter-Sonnenwende und die Weihnachtszeit wurden mit rituellen Tänzen gefeiert, die oft einen karnevallischen, umgekehrten Charakter hatten.
Slawische Traditionen: Die Umzüge um das Kaminfeuer an Kоляду, die Verkleideten in umgekehrten Schals, die unterhaltsamen Tänze ("водили козу", "медведя") hatten das Ziel, die ruhende Natur zu erwecken, "zu erwecken", sicherzustellen, dass die Sonne zurückkehrt und die Fruchtbarkeit wiederkommt. Die Bewegungen waren lauthals, stampfend, mit Sprüngen — um die Erde zu schmelzen.
Traditionen der nördlichen Völker (saami, chukchi, eskimos): Die Tänze imitierten oft die Bewegungen von Tieren (elk, bär, fischotter), von deren erfolgreicher Jagd das Überleben der Gemeinschaft im Winter abhing. Diese Tänze waren eine Form der magischen Vorbereitung auf die Jagd, eine Übung der Geschicklichkeit und ein Weg, Glück von Geistern zu erbitten.
2. Tanz als Möglichkeit, sich zu wärmen und den Geist zu erhalten.
Unter den Bedingungen der langen Polarnächt und der strengen Kälte hatte der kollektive Tanz eine rein physiologische und psychologische Funktion: die Intensivierung des Blutkreislaufs, die Schaffung eines gemeinsamen energetischen und emotionalen Aufschwungs, der Kampf gegen die Winterdepression und Apathie. Zum Beispiel waren die traditionellen Kaddilien und Polkas auf den russischen Besprechungen (Weihnachtsabenden) nicht nur Unterhaltung, sondern auch ein Mittel, um Wärme und Energie in der unbeheizten Hütte zu erhalten.
1. Klassisches Ballett: Die Wintermärchen und die Metaphysik des Eises.
Der Balletttheater hat kanonische, idealisierte Bilder des Winters geschaffen, ihn in eine visuell-plastische Metapher verwandelt.
「Щелкунчик」von P.I. Tschaikowsky (Choreografie von L. Ivanov, M. Petipa): Der zweite Akt des Balletts ist der Apotheose der Wintermärchen. «Der Walzer der Schneeflocken» ist das Beispiel für die Darstellung des Schneesturms durch Tanz. Der Korpsball in weißen Tutus, der sich mit komplexen, kreuzenden Linien bewegt, mit fallenden Schneeflocken der Bühne, plastisch überträgt den Wirbel, die Leichtigkeit, das Kreisen. Der Tanz ist hier eine belebte Strophe.
「Winter」im Ballett「Jahreszeiten」(nach Musik von A. Vivaldi/G. Balanchine): Balanchine visualisierte den Frost in seiner neoklassischen Inszenierung durch scharfe, "scharfe" Bewegungen, scharfe Posen, gedämpfte und schnelle Pausen der Tänzer, die in blauen Kostümen gekleidet sind.
Figuren von Snegurotschka, der Schneekönigin, dem Frost: Diese Charaktere besitzen eine besondere, "eisige" Pластика — verlängerte, verlängerte Linien des Körpers, langsame, flüssige Bewegungen, Drehungen, die das Bild einer zarten, kalten und edlen Schönheit schaffen.
2. Moderne Choreografie und Performance: Dekonstruktion des Mythos.
Choreografen des 20. und 21. Jahrhunderts interpretieren das Thema, indem sie sich von der Märchenhaftigkeit entfernen.
Pina Bausch: In ihren Inszenierungen werden oft natürliche Materialien verwendet (einschließlich Eis und Wasser auf der Bühne). Ihr Tanz untersucht die Beziehungen zwischen Mensch und Element, die Verletzbarkeit des Körpers vor dem Frost, oft durch eine existentielle, nicht narrativische Perspektive.
Site-specific Performances: Tänzer führen Werke direkt auf winterlichen Landschaften aus — auf verschneiten Feldern, auf dem Eis gefrorener Seen (Projekte wie "Ice Dancing"). Hier tritt das Körper in einen direkten, ungetrübten Dialog mit dem Frost, und der Tanz wird zu einer Untersuchung des Balances, des Widerstands und der Interaktion mit der realen, nicht dekorativen Umgebung.
Country Dance und Square Dance in Nordamerika: Die Tänze auf den Versammlungen in den Scheunen und Gemeinschaftshäusern im Winter waren das zentrale gesellschaftliche Ereignis, das die Gemeinschaft in der Isolation des ländlichen Raums zusammenhielt.
Koreanischer Tänz mit Schirmen (Buchaechum): Obwohl nicht ausschließlich winterlich, wird er oft für den Schneefall und den Schneesturm verwendet, durch flüssige, wellenförmige Bewegungen großer bemalter Schirme, die im Raum fliegende Schneeflocken darstellen.
Russische Chöre und Tänze auf Maslenitsa: Der abschließende Winterzyklus wurde von den wildsten, unbeschwerten Tänzen begleitet, die das Abschiednehmen von der Kälte und den Ausbruch der für den Winter angehäuften Energie symbolisierten.
Drehen und Wirbel: Ein universeller Motiv, der den Schneesturm, fallende Schneeflocken, den wilden Haos überträgt. Es wird durch Drehungen, spiralförmigen Bewegungen auf der Bühne erreicht.
Zittern und Schütteln: Ein häufiger bildhafter Ausdruck — Tremolo (dünnes Schütteln) des Körpers, der Hände, um das Gefühl des Frostes zu übertragen.
Erstarren und Kristallisieren: Eine scharfe Unterbrechung in einer statischen, "gebrochenen" Pose, die das Erstarren oder die Einfrierung imitieren.
Gliding und Fallen: Bewegungen der Glissade (Schlitten), Fallen und Aufstehen, die das Gleiten auf dem Eis, den Verlust des Gleichgewichtes andeuten.
Sammeln, Wickeln: Gesten, als ob sie versucht würden, vor dem Frost zu fliehen, sich selbst um die Schultern zu schlingen — ein Zeichen der Verletzbarkeit.
Der Winter-Tanz, insbesondere in seiner folkloristischen Form, erfüllte und erfüllt noch immer wichtige Funktionen:
Erzeugung und Aufrechterhaltung von Wärme durch körperliche Aktivität.
Der Kampf gegen die saisonale Traurigkeit (Winterdepression) durch rhythmische, kollektive, fröhliche Handlungen.
Stärkung der sozialen Beziehungen in einer Zeit, in der die Gemeinschaft am stärksten isoliert und verletzlich war.
Symbolische Besetzung des feindlichen Raumes: Der Tanz markierte ein sicheres, menschliches Ort (Haus, Kreis) innerhalb des chaotischen kalten Welten.
Von den rituellen Sprüngen um das Feuer bis hin zu den virtuosen Pausen der Ballettschneeflocken bleibt der Tanz der direkteste, körperliche Weg, das Winter zu verstehen und zu erleben. Er transformiert das passive Leiden unter dem Frost in einen aktiven, sinnvollen Dialog damit.
Im Tanz erhält der Winter Fleisch und Rhythmus: Er kann wütend im Wirbel der Volks tanzen, elegant im Flug der Balletttänzerin, meditativ in den Bewegungen des Performers auf dem Eis. Dieser jahrtausendelange Dialog setzt sich fort, und heute, wie vor Tausenden von Jahren, ermöglicht der Tanz uns nicht nur, den Winter zu erleben, sondern ihn zu tanzen — den Herausforderung der Strophe in Kunst, kollektive Freude und tief persönliches Erlebnis der Verbindung zwischen Körper, Rhythmus und dem gefrorenen Welt. Der Winter-Tanz ist letztlich ein Fest des Lebens, das auch in den kältesten Zeiten des Jahres unerschütterlich pulsiert.
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