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Tanz in der sowjetischen Kultur: zwischen Ideologie, Form und Freiheit

Tanz in der UdSSR ist ein einzigartiges Phänomen, das in einem spannungsreichen Feld zwischen staatlichem Auftrag, künstlerischer Suche und volkstümlicher Tradition existierte. Er war nicht nur eine Kunstform, sondern ein mächtiges ideologisches Werkzeug, ein Medium zur Erziehung des "neuen Menschen", ein Symbol des kollektiven Körpers der Nation. Seine Entwicklung spiegelt alle Widersprüche und Etappen der sowjetischen Geschichte wider.

Ära des revolutionären Avantgardes (1920er Jahre)

In den ersten Jahren nach der Revolution wurde der Tanz zu einem Labor für radikale Experimente. Ballettmeister-Neuerer, inspiriert von Ideen des "massiven Akts", versuchten, ein neues, kollektives Kunstwerk zu schaffen. Isaak Dunajewski und Viktorina Kriger inszenierten "Maschentänze" und Gymnastikparaden, und Kassian Golizowsky experimentierte mutig mit Pластика und Choreografie im Kammerballett, erforschend die körperliche Freiheit. Diese Erfahrungen wurden jedoch schnell als "bourgeois Formalismus" anerkannt.

Verfestigung des sozialistischen Realismus (1930-1950er)

Mit dem Festigung des Stalinschen Regimes wurde der Tanz unter harten ideologischen Kontrollen gestellt. Ballett wurde in eine repräsentative, monumentale Form verwandelt. Kanonische wurden Aufführungen, die nach dem Prinzip der "Konfliktlosigkeit" und des heroischen Pathos konstruiert wurden: "Roter Mac" (1927, später "Roter Blume") von Reinhold Glières — der erste "sowjetische Ballett" auf moderne Themen, "Feuer von Paris" (1932) und "Bachtschissaraiischer Brunnen" (1934) mit ihrer klaren Dramaturgie und technisch makellosen, aber psychologisch flachen Aufführung.

Parallel dazu fand die Institutionalisierung des volkstümlichen Tanzes statt. Im Jahr 1937 wurde der Ensemble Folklore der UdSSR unter der Leitung von Igor Moiseev gegründet. Sein Genie lag darin, authentische folkloristische Bewegungen in leuchtende, präzise, ideologisch überprüfte Bühnenkompositionen zu verwandeln ("Partisanen", "Tatarische Suite"). Tanz wurde zum Symbol der Freundschaft der Völker der UdSSR, aber er war gleichzeitig frei von echter Ritualität und Spontaneität.

Die Entspannung und die Suche nach neuer Pластики (1960-1970er)

Der Tod Stalins brachte relative Freiheit. In den Ballett kam eine neue Generation von Choreografen, die sich dem Psychologismus und aktuellen Themen zuwandten. Juri Grigorjewitsch schuf monumentale, aber dynamische Ballett-Epen wie "Spartak" (1968) von Chatsaturjan und "Iwan der Schreckliche" (1975) von Prokofjew, bei denen die Masse des Korps de ballet zur aktiven Kraft der Geschichte wurde. Gleichzeitig entstand der sowjetische Moderne — "moderne plastische Choreografie". Seine Pioniere waren Kassian Golizowsky (wieder in die Arbeit zurückgekehrt) und der junge Boris Eifman, whose productions ("Verrückter Tag", "Feenbrunnen") mit ihrer Expressivität und ungewöhnlichen Lexik die Behörden verunsicherten.

Eine besondere Seite war der alltägliche und populäre Tanz. Unter dem Klang von Jazz und später von Beat-Musik tanzten in Kulturhäusern und auf Jugendabenden Twister, Shake, Rock'n'Roll. Das war eine spontane, nicht formelle Form der Freiheit, die von den Komsomol-Wachleuten genau beobachtet wurde. Gleichzeitig dominierten auf der Bühne glänzende Duos wie Tatjana Leikina und German Makarov, deren Nummern Virtuosität des Balletts mit der Leichtigkeit der Unterhaltung kombinierten.

Spätsowjetische Periode: Underground und der Anfang des Zerfalls (1980er)

Bis zu den 1980er Jahren litt die offizielle Choreografie, despite the world-class stars (Natalia Bessmertnova, Mikhail Baryshnikov, who defected to the West), under a crisis. Der informelle Tanzkultur entwickelte sich jedoch rasant. In unterirdischen Studios und auf Wohnzimmerkonzerten studierten Jazz-Moderner, Kontempore, Contact Improvisation. In Leningrad schufen Alexander Kukin und seine "Unabhängige Gruppe" Performances, die weit von den Kanons abwichen. Der B-Boys, der aus dem Westen kam, wurde ein kultureller Schock und Symbol der neuen Generation, die außerhalb des Systems lebte.

Erbe und Paradoxien

Sowjetischer Tanz ist ein paradoxer Schmelztiegel:

Das höchste technische Können der klassischen Ballettschule, die Genies hervorbrachte, und die harte Zensur des Repertoires.

Das kollektive Körper der volkstümlichen Ensembles, die Einheit feierten, und der individuelle Aufstand der Dissidententänzer und unterirdischen Choreografen.

Die offizielle Monumentalität und die nicht offizielle, lebendige Pластиke der Küchentänze und Diskotheken.

Am Ende erwies sich der Tanz in der UdSSR nicht nur als Kunst, sondern als Schlachtfeld für das Recht des Körpers auf Ausdruck — von dem heroischen Gestus im Spektakel des Grossen Theaters bis zu den freien Bewegungen auf der unterirdischen Diskothek. Diese innere Auseinandersetzung und formed seine einzigartige, mächtige und widersprüchliche Erbe, das bis heute das choreografische Kunst auf dem postsowjetischen Raum beeinflusst.


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