Erzählungen von Mönchen, die Wochen oder sogar Monate ohne Nahrung auskommen, haben seit Jahrhunderten das Vorstellungsvermögen von Wissenschaftlern und Laien beschäftigt. Für einige ist dies ein Ausdruck der höchsten geistigen Kraft, für andere eine Rätsel der menschlichen Physiologie. Dennoch ist das Phänomen des langfristigen Fastens in religiösen Praktiken keine Legende, sondern eine Realität mit sowohl geistigen als auch biologischen Grundlagen.
In vielen Religionen wird Fasten und Hungern als Weg zur Reinigung von Körper und Geist betrachtet. Im Buddhismus, Hinduismus, Christentum und Taoismus dient das Selbstbeschränkung als Instrument der Meditation und Konzentration. Mönche des alten Tibets, christliche Asketen der ägyptischen Wüste und indische Yogi haben seit Jahrhunderten das Fasten praktiziert, den Körper in einen Zustand zu bringen, der nahe am Kryobios ist.
Einige Quellen beschreiben Mönche, die in der Lage sind, ohne Nahrung Dutzende von Tagen auszukommen, indem sie, so sagen sie, nur «Prana» — die Energie der Atmung und des Sonnenlichts — zu sich nehmen. Moderne Wissenschaft bestätigt nicht die Existenz eines solchen Mechanismus, aber die physiologischen Aspekte des langfristigen Fastens erklären dennoch, warum der Körper unter bestimmten Bedingungen lange ohne Nahrung auskommen kann.
Wenn ein Mensch aufhört zu essen, schaltet sein Körper sukzessive auf mehrere Energiequellen um. Zunächst werden die Reserven an Glukose im Blut und in der Leber verwendet. Dann wird die Lipolyse aktiviert — die Zersetzung von Fetten — was die Muskeln und inneren Organe mit Energie versorgt. Anschließend geht der Körper in einen Sparmodus über: Die Körpertemperatur sinkt, der Stoffwechsel verlangsamt sich, die Aktivität nimmt ab.
Mönche, die sich auf das langfristige Fasten konzentrieren, kombinieren dies oft mit tiefer Meditation. In einem meditativen Zustand wird die Atmung seltener, der Herzschlag verlangsamt sich, und die Energieverbrauch des Körpers sinkt um mehrere Male. Auf diese Weise können Reserven an Fett und Wasser für einen erstaunlich langen Zeitraum ausreichen.
Moderna Studien zeigen, dass meditative Praktiken tatsächlich auf die Physiologie einwirken können. Elektroenzephalographische Beobachtungen zeigen, dass bei Mönchen, die in tiefer Meditation sind, Alpha- und Theta-Wellen im Gehirn aktiviert werden, die für Zustände der Ruhe und des Erholens charakteristisch sind. Der Körper scheint in diesem Zustand «neu zu starten», den Stresslevel zu senken und den Kalorienbedarf zu reduzieren.
Darüber hinaus ist bekannt, dass während langer Praktiken in den Bergklöstern Mönchen oft an niedrigem Sauerstoffgehalt und Kälte angepasst werden müssen. Der Körper lernt, Energie effizienter zu nutzen. Solche Anpassungen erinnern an die Reaktionen von Tieren, die in den Winterschlaf fallen, wenn der Stoffwechsel auf ein Minimum fällt.
Ein nicht weniger wichtiger Faktor ist die psychologische Komponente. Mönche, die sich freiwillig dem Fasten unterwerfen, betrachten es nicht als Leid, sondern als Weg zur geistigen Freiheit. Der Verzicht auf Nahrung wird zu einem Akt der inneren Befreiung vom materiellen Welt. Die Verringerung der Angst, das Fehlen von Stress und die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu kontrollieren, tragen dazu bei, dass das Gefühl des Hungers nicht mehr so intensiv wahrgenommen wird.
In einem Zustand tiefer Konzentration nimmt die Aktivität im Gehirn, die für Hunger-Signale verantwortlich ist, ab. Dies erklärt, warum das langfristige Fasten nicht nur physisch, sondern auch psychologisch möglich ist. Einige Mönche behaupten, dass das Gefühl des körperlichen Bedürfnisses vollständig verschwindet, wenn sie ein besonderes geistiges Zustand erreichen — sie fühlen sich «geistig satt», was die Bedürfnisse des Körpers ersetzt.
Trotzdem bleiben die Behauptungen über die Möglichkeit, monatelang ohne Nahrung auszukommen, umstritten. Wissenschaftliche Beobachtungen von so genannten «Prana-Essern» oder «Bretariern» zeigen oft, dass das vollständige Fehlen von Nahrung und Wasser schnell zu Dehydrierung und Erschöpfung führt. Bekannte Fälle langfristigen Fastens werden wahrscheinlich durch die Kombination von Meditation, minimalem Wasserkonsum, dem Abbau des Stoffwechsels und der außergewöhnlichen körperlichen Vorbereitung erklärt.
Dennoch zeigt das Phänomen des Mönchsfastens, wie flexibel der menschliche Körper ist. Er ist in der Lage, seine Energiesysteme umzustellen und extreme Bedingungen zu ertragen, wenn die Psyche stabil bleibt.
Wissenschaftler wenden sich zunehmend dem Erlebnis von Mönchen und Asketen zu, um zu untersuchen, wie langes Fasten auf die Gesundheit wirkt. Es wurde entdeckt, dass kurze Fastenzeiten Zellreparaturprozesse aktivieren, Entzündungen senken und zu einem längeren Leben beitragen. Einige Forscher vermuten, dass das meditative Zustand diese Effekte verstärkt, indem der Stresshormonspiegel gesenkt und das Immunsystem verbessert wird.
In Perspektive könnten ähnliche Studien zu der Entwicklung therapeutischer Methoden führen, die auf kontrolliertem Fasten und der Kontrolle des psychischen Zustands basieren.
Die Fähigkeit der Mönche, lange Zeit ohne Nahrung auszukommen, ist kein Wunder, sondern das Ergebnis einer außergewöhnlichen Disziplin, spiritueller Konzentration und physiologischer Anpassung. Ihre Praxis zeigt, wie eng Körper und Bewusstsein miteinander verbunden sind. Tiefe Meditation, das Verlangsamen des Stoffwechsels und die Kontrolle der inneren Zustände ermöglichen es dem menschlichen Körper, sich den Grenzen des Möglichen anzunähern.
Das Phänomen des Mönchsfastens erinnert daran, dass der Mensch nicht nur die äußere Welt verändern kann, sondern auch seine eigene Biologie steuern kann. Obwohl das absolute Verneinen des Bedürfnisses nach Nahrung noch immer über dem Rahmen der Wissenschaft bleibt, öffnet das Streben nach Harmonie von Geist und Körper neue Horizonte für das Verständnis der menschlichen Natur.
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