Die Idee, dass jede zwei Menschen auf der Erde durch nur wenige soziale Verbindungen miteinander verbunden sind, ist als Sechshändigkeitstheorie bekannt. Dies ist eine in der Massenkultur tief verwurzelte Konzeption, die auf einer soliden wissenschaftlichen Grundlage und einer langen Geschichte der Forschung basiert. Ihr Fundament wurde nicht von Soziologen, sondern vom ungarischen Schriftsteller Friedrich Karinthy gelegt, der 1929 in der Geschichte «Die Glieder der Kette» die Annahme äußerte, dass jede zwei Menschen auf dem Planeten durch eine Kette von nicht mehr als fünf Vermittlern verbunden sind. Diese künstlerische Hypothese inspirierte später Wissenschaftler zu umfangreichen Experimenten.
Die erste empirische Überprüfung der Theorie erfolgte 1967 durch den amerikanischen Psychologen Stanley Milgram. In seinem berühmten Experiment wurden Bewohnern der amerikanischen Stadt Omaha Zettel mit dem Wunsch verschickt, sie an einen bestimmten Börsenmakler in Boston weiterzuleiten. Der Absender konnte den Umschlag nur durch seinen persönlichen Bekannten weiterleiten, der, wie er dachte, «näher» an das Ziel war. Nur ein geringes Anzahl von Briefen erreichte den Endempfänger, aber das zentrale Ergebnis war die durchschnittliche Anzahl der Überweisungen — sie betrug etwa fünf bis sechs. Dieser Erfahrung wurde das berühmte Sprichwort «sechs Grad der Trennung» entlehnt, obwohl die Methodik Milgrams später mehrfach wegen möglicher statistischer Fehler und der Unrepräsentativität der Stichprobe kritisiert wurde.
Mit dem Aufkommen des Internets und der sozialen Netzwerke hatten Wissenschaftler die einzigartige Möglichkeit, die Hypothese auf riesigen Mengen realer Daten zu überprüfen. Forscher von Microsoft analysierten 2008 mehr als 250 Milliarden Instantnachrichten, die zwischen 240 Millionen Nutzern übermittelt wurden, und stellten fest, dass das durchschnittliche Abstand zwischen jedem zwei Nutzern ihrer Dienstleistung 6,6 Schritte beträgt. Ein ähnliches Forschungsprojekt, durchgeführt auf Daten der sozialen Netzwerkplattform Facebook, zeigte noch engere Verbindungen: Im Jahr 2016 betrug die durchschnittliche Distanz zwischen Nutzern nur 3,57 Schritte. Diese Zahlen zeigen, dass digitale Plattformen, die als globaler sozialer Katalysator fungieren, die klassische Theorie nicht bestätigt, sondern eher widerlegt haben, indem sie gezeigt haben, dass die Welt noch «kleiner» geworden ist, als angenommen.
Trotz überzeugender Beweise stößt die Sechshändigkeitstheorie auf ernsthafte Kritik. Das Hauptlimit liegt darin, dass sie die Möglichkeit der Verbindung misst, nicht jedoch ihre Wahrscheinlichkeit oder Qualität. Soziale Netzwerke sind heterogen: Sie bestehen aus engen Clustern (Familien, Arbeitskollektive), die durch schwache, aber zahlreichere Verbindungen zwischen Bekannten verbunden sind. Diese «schwachen Verbindungen» sind, wie der Soziologe Mark Granovetter gezeigt hat, oft Brücken zwischen isolierten Gemeinschaften. Es gibt jedoch auch wirklich isolierte Gruppen — Stämme im Amazonas-Regenwald oder Bewohner abgelegener arktischer Siedlungen, deren Einbindung in das globale Netzwerk eine viel größere Anzahl von Vermittlern erfordert, wenn es überhaupt möglich ist.
Das philosophische Bedeutung der Theorie geht weit über die Soziologie hinaus. Sie bietet eine mächtige Metapher für die Einheit der Menschheit, die eine unsichtbare Spinne visualisiert, die alle Menschen, unabhängig von ihrer Kultur, Nationalität oder sozialen Status, verbindet. Diese Idee inspirierte zu der Schaffung zahlreicher künstlerischer Werke, dem bekanntesten ist das Theaterstück von John Guare «Sechs Grad der Trennung» und der gleichnamige Film. Die Konzeption liegt auch der populären Spiel «Sechs Händeschütteln bis zu Kevin Bacon» zugrunde, bei dem Spieler versuchen, jeden Hollywood-Star mit Bacon über gemeinsame Filme zu verbinden. Auf diese Weise ist die Theorie aus einer wissenschaftlichen Hypothese zu einem kulturellen Phänomen geworden, das die grundlegende Wechselseitigkeit des modernen Welts vermittelt.
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