Die Auswirkungen der Bergumgebung auf die Gesundheit des Menschen sind ein komplexes und mehrdeutiges Phänomen, das an der Schnittstelle von Physiologie, Ökologie und Medizin liegt. Es wird durch zwei Schlüsselfaktoren bestimmt: Hypoxie (dem Rückgang des partialen Druckes von Sauerstoff mit der Höhe) und einem speziellen Komplex natürlicher Bedingungen (Insolation, Luftreinheit, Landschaft). Der Effekt kann sowohl therapeutisch als auch pathologisch sein, abhängig von der Höhe, der Expositionszeit und den individuellen Eigenschaften des Körpers.
Bei dem Aufstieg in die Höhe stellt sich der Körper einer Herausforderung: Der Sauerstoffgehalt in der Luft sinkt, obwohl das prozentuale Verhältnis konstant bleibt (~21%). Die Reaktion des Körpers verläuft in mehreren Stufen:
Akute Reaktion (erste Stunden–Tage): Beschleunigung der Atmung (Hyperventilation) und der Herzschläge zur Kompensation der Hypoxie. Dies kann mit Symptomen der akuten Bergkrankheit (ABK) einhergehen: Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlaflosigkeit, Schwäche.
Akklimatisierung (Tage–Wochen): Enthält ein Komplex langfristiger Anpassungen:
Erhöhung der Erythropoetin-Produktion durch die Nieren → Zunahme der Produktion roter Blutkörperchen (Erythrozyten) und des Hämoglobins zur Verbesserung der Sauerstoffverträglichkeit (Polycythaemie).
Erhöhung der Kapillardichte in den Geweben.
Veränderungen auf zellulärer Ebene: Zunahme der Mitochondrien und Enzyme, die am aeroben Atmung beteiligt sind.
Erhöhung der Lungenkapazität.
Interessanter Fakt: Völker, die seit Jahrhunderten in den Gebirgen wohnen (Tibeter, Quechua, Sherpas), besitzen einzigartige genetische Anpassungen. Bei den Tibetern wurde beispielsweise ein Variant des Gens EPAS1 entdeckt, der die Reaktion auf Hypoxie reguliert, den übermäßigen Anstieg des Hämoglobins verhindert und das Risiko von Komplikationen, die mit erhöhter Blutviskosität verbunden sind, senkt.
Moderate Höhe (800–2500 Meter über dem Meeresspiegel) unter der Voraussetzung einer richtigen Akklimatisierung kann positive Auswirkungen haben:
Karдиopulmonale Systeme: Eine moderate Hypoxie wirkt wie eine natürliche Trainingseinheit, verbessert die Effizienz der Arbeit des Herzens und der Lungen, erhöht die Kapillarisierung des Myokards. Dieser Prinzip liegt der Hypoxietraining zugrunde, das von Sportlern zur Steigerung der Ausdauer verwendet wird.
Immunsystem: Studien deuten auf einen modulierenden Effekt hin. Eine moderate Hypoxie kann einige Elemente des Immunsystems stimulieren, aber es gibt Daten über eine verringerte Häufigkeit bestimmter autoimmuner Erkrankungen bei Bewohnern der Gebirge.
Metabolismus und Gewicht: Hypoxie kann die Insulinsensitivität erhöhen und den Metabolismus beschleunigen, was zu einer moderaten Gewichtsabnahme führt.
Psychische Gesundheit: Die Kombination aus sauberem Luft, niedrigem Allergenlevel, der Ästhetik des Landschafts und körperlicher Aktivität fördert die Verringerung von Stress, Angst und Symptomen der Depression. Die Höhe fördert auch die Produktion des neurotrophischen Faktors des Gehirns (BDNF), der für kognitive Funktionen wichtig ist.
Hauterkrankungen: Eine Verringerung der Anzahl der Hautmilben, erhöhte UV-Strahlung (die strenge Schutzmaßnahmen erfordert) und niedrige Luftfeuchtigkeit können positiv auf den Zustand bei Psoriasis und atopischem Dermatitis wirken.
Beispiel: Bekannte Gebirgsklimakurorte wie Davos (Schweiz, ~1560 m) oder Kисловодск (Russland, ~800-1000 m) haben historisch gesehen als Heilungszentren entwickelt, vor allem für Patienten mit Tuberkulose (dank der sauberen, dünnere Luft) und Atemwegserkrankungen.
Die Auswirkungen der Höhe (über 2500 m) können lebensbedrohlich sein:
Bergkrankheiten:
Akute Bergkrankheit (ABK) – die häufigste, aber normalerweise selbstbegrenzende Form.
High-Altitude Pulmonary Edema (HAPE) – ein nicht-kardiogener Ödem aufgrund eines Spasms der Lungenarterien als Reaktion auf Hypoxie. Lebensbedrohlich, erfordert sofortige Abstieg.
High-Altitude Cerebral Edema (HACE) – die schwerste Form, verbunden mit Ödemen der Gehirnsubstanz. Auch lebensbedrohlich.
Chronische Bergkrankheit (Krankheit von Moncke): Entsteht bei einigen Menschen, die lange auf großer Höhe leben, aufgrund einer übermäßigen Polycythaemie. Das Blut wird zu dicht, was zu Herzinsuffizienz, neurologischen Störungen führt und einen Abstieg auf die Ebene erfordert.
Andere Risiken: Erhöhtes UV-Strahlung erhöht das Risiko der Entwicklung von Katarakt, Pterigion und Hautkrebs. Mögliche Exazerbationen bestimmter kardiovaskulärer Erkrankungen aufgrund der erhöhten Belastung der rechten Herzhöfe.
Die moderne Medizin betrachtet den Bergklima als einen mächtigen, aber dosierten und kontrollierten Faktor. Ein neues Bereich entwickelt sich – präventive und therapeutische Hypoxitherapie (intervallartige Hypoxietraining), bei der Patienten Sauerstoff mit reduziertem Sauerstoffgehalt zyklisch, in sicheren Bedingungen, zur Stimulation der Anpassungsmechanismen ohne Risiken, die mit dem realen Aufstieg in die Berge verbunden sind, atmen.
Wichtige Empfehlungen für sicheres Aufenthalt in den Bergen:
Langsame Höhenzunahme (nicht mehr als 300-500 m pro Tag über 2500 m).
Adäquate Hydration zur Verringerung der Blutviskosität.
Vermeidung von Alkohol und Sedativa.
Kenntnis der Symptome der Bergkrankheiten und Bereitschaft zum Notabstieg.
Berge sind nicht nur ein geografischer Landschaft, sondern eine mächtige natürliche Labor, die die Grenzen der menschlichen Physiologie testet. Ihr Einfluss auf die Gesundheit ist nichtlinear und dosierungsabhängig. Eine moderate Höhe kann, bei einem klugen Ansatz, ein wirksames Mittel zur Stärkung des kardiorespiratorischen Systems, der Rehabilitation und der Verbesserung des psychischen Zustands sein. Das Hochgebirge bleibt jedoch eine feindliche Umgebung, die Respekt, Vorbereitung und tiefes Verständnis der Anpassungsprozesse erfordert. Die Erforschung der Mechanismen, die es den indigenen Völkern ermöglicht haben, in diesen Bedingungen zu gedeihen, gibt der Wissenschaft wertvolle Einblicke in die Reserven und Plasticität des menschlichen Körpers.
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