Bauwesen in den Gebirgsregionen ist nicht nur das Errichten von Gebäuden auf schwierigem Gelände, sondern die Schaffung einer künstlichen Umgebung, die in der Lage ist, einem einzigartigen Komplex extremen Faktoren standzuhalten: Hypobarie (abgesenkter Druck), Hypoxie, seismische Aktivität, extreme Temperaturschwankungen, starke Winde, Lawinengefahr und Schlammlawinen, sowie ultraviolette Insolation. Die Bergarchitektur ist ein beeindruckendes Beispiel für die biokulturelle Anpassung, bei der jahrhundertealte empirische Erfahrungen mit modernen Ingenieurlösungen kombiniert werden. Ihre Besonderheiten können nach den Schlüsselherausforderungen systematisiert werden.
Schroffe Hanglagen und instabile Böden bestimmen spezifische Ansätze für die Planung und den Fundamentbau.
Terassierung und Stützwände: Das Ausgleichen von Bauplätzen durch die Schaffung künstlicher Terrassen mit starken Stützwänden aus lokalem Stein ist historisch der Hauptansatz.
Bohrpfosten- und Pfahlgründungen: Sie werden verwendet, um den Kontakt mit dem beweglichen Boden zu minimieren und Frosthebung zu verhindern. In der traditionellen Architektur (z.B. Häuser in den alpinen Regionen) wurde oft der «ständerische Fachwerk» (Fachwerk) angewendet, bei dem die Hauptlast auf dem hölzernen Gerüst liegt, und das Raum zwischen den Balken mit einem leichten Material (Lehm, Stein) gefüllt wird.
Seismische Festigkeit: In seismisch gefährdeten Bergregionen (Kaukasus, Zentralasien, Anden) wurden historisch:
Wooden «Verbindungen» und flexible Verbindungen in der Steinmauer.
Leichte Dächer (Holz, Bambus) zur Verringerung der Masseninertia.
Kompakte, symmetrische Formen (Kubus, Zylinder), die horizontalen Lasten standhalten. Moderne Bauweise verwendet Betonstahlbetonisoliervorlagen und Rahmen.
Thermische Isolierung und Inertivität: Das Streben, Wärme zu erhalten und die Temperatur innen zu stabilisieren, führt zur Schaffung massiver Umfassungsstrukturen. In den Alpen und auf dem Kaukasus sind dies dicke Bretter oder Mauern mit einer Stärke von bis zu einem Meter. In den hochgelegenen Gebieten des Tibets und der Anden sind Lehmziegel (Adobas) oder gepresster Lehm (Saman), die eine hohe Wärmespeicherkapazität aufweisen, moderner Analogon sind mehrschichtige wärmeisolierende Sandwich-Platten.
Aerodynamik und Windschutz: Häuser werden oft in der Längsrichtung entlang des Hangs und in der Stirnrichtung zu den dominierenden Winden ausgerichtet. Die Dächer werden flach oder sogar flach gehalten, um den Abgang zu vermeiden. In besonders windigen Gebieten werden bodennahe, flüssige Formen, die in das Relief eingepasst sind, angewendet.
Die Dachdecke als multifunktionales Element: Auf dem Kaukasus und in den Alpen waren historisch flache, steinige oder hölzerne Dachdecken verbreitet, auf die Gras gelegt wurde, um zu isolieren. In den Himalaya und auf dem Tibet werden flache Lehmziegeldeckeln verwendet, um den Ernteertrag zu trocknen, Brennstoff (Kiak) zu lagern und als zusätzlicher Wohnraum zu dienen. Die steilen geneigten Dachdecken in den Alpen, die mit schwerer Schindel oder Stein bedeckt sind, sind zum schnellen Abgang des Schnees bestimmt, aber haben auch ein System zur Aufbewahrung des Schnees (Schneezwischenhalte), um eine plötzliche Lawine zu verhindern.
Die Knappheit und der hohe Preis von Ressourcen in den Bergen bilden den Prinzip des geschlossenen Zyklus.
Passiver Sonnenschutz: Die Ausrichtung großer Fensterelemente nach Süden (im nördlichen Halbkreis) zum Erfassen des niedrigen Winterwetters. Schwere Wände und Böden (Stein, Lehm) speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts ab (Wände von Trombe-Michel — frühes Vorbild).
Verwendung lokaler Materialien: Stein, Holz, Lehm, Bambus. Dies verringert die Transportkosten und stellt eine perfekte Integration in das Landschaftsgefüge sicher.
Kompaktes Planungsdesign: Häuser werden oft mit minimalem Außenwandfläche gebaut, um die Wärmeverluste zu verringern. Wohn- und Wirtschaftsgebäude werden unter einem Dach zusammengefasst (Typ «alpines Schloss», wo das Wohnen, das Stall und das Stroh unter einem Dach sind).
Lawinenabwehr: Häuser werden entweder außerhalb von Lawinenkammern (hinter natürlichen Barrieren — Felsspitzen, Wald) gebaut oder mit Lawinenabwehranlagen ausgestattet: geleiteten Dämme, keilförmigen Wänden, entlastenden Terrassen auf dem Dach.
Maßnahmen zur Bekämpfung von Schlammlawinen: Ableitkanäle, Schlammlagern, Stärkung des Flussbettes oberhalb der Hanglage.
Berücksichtigung der Insolation und des Ultraviolets: Die Verwendung von Materialien und Beschichtungen, die widerstandsfähig gegen UV-Strahlung sind, da die Intensität des Ultraviolets in den Bergen erheblich höher ist.
Heute ist das Bergbauwesen ein Synthese von Traditionen und High-Tech:
Modulare und zusammenbaubare Konstruktionen: Erlauben die Minimierung von Arbeiten auf schwierigem Gelände.
Windkraftanlagen und Solarmodule: Für die autarke Energieversorgung.
Wärmewiederverwendungssysteme und intelligente Mikroklimasysteme.
Geotextil und Erdverbesserung für die Stabilisierung von Hanglagen.
Steinige Städte: Der Gipfel der Anpassung können Siedlungen sein, die direkt in Felsen gehauen wurden (z.B. das Dorf Vardzia in Georgien oder die alten Städte der Kapadokier), wo der Fels sowohl als Fundament als auch als Wand und natürlicher Isolator diente.
「Fliegende」Häuser der Sherpas: In den hochgelegenen Dörfern Nepals werden Häuser oft auf Hängen mit einer Neigung von mehr als 30° gebaut. Ihre Stabilität wird durch tief in den Boden eingebaute Pfähle und eine genaue Berechnung des Schwerpunkts gewährleistet.
Schweizerische Chalets mit «Schwanzpartie»: Das traditionelle alpine Chalet hat den charakteristischen breiten Dachausstoß (Karnis), der die Wände und den Fundament vor Regen und Schnee schützt und ein geschütztes Raum unter dem Haus schafft.
Kaukasische Dolmen: Antike Steinschützen, die aus massiven Platten errichtet wurden, zeigen archaische, aber effektive Methoden der Arbeit mit Stein und Relief, die Schutz und Langlebigkeit gewährleisteten.
Die Besonderheiten des Bauwesens in den Bergen sind ein Spiegelbild des Dialogs zwischen harten physischen Einschränkungen und menschlicher Erfindungsgabe. Jeder Detail — von der Ausrichtung des Hauses bis zur Dachform — ist eine Antwort auf einen spezifischen Herausforderung der Umgebung. Diese Architektur lehrt die Prinzipien der Stabilität, Ressourceneffizienz und Harmonie mit dem Landschaft.
Heutige Ingenieure, die in den Bergen arbeiten, wenden sich immer häufiger diesem Erfahrungswissen zu, verstehen, dass man sich mit der Natur nicht frontal bekämpfen kann, sondern einen klugen Kompromiss finden kann. Die Zukunft des Bergbaus liegt nicht in der heroischen Eroberung der Natur durch Beton und Stahl, sondern in der Entwicklung einer adaptiven, «intelligenten» Architektur, die wie ihre traditionellen Prototypen empfindlich auf die kleinsten Veränderungen des Windes, der Sonne und des Schnees reagiert, Sicherheit und Komfort in den schärfsten Bedingungen auf der Erde sicherzustellen. Auf diese Weise ist das Berghaus nicht nur ein Unterschlupf, sondern ein komplexer Überlebensmechanismus, der in Stein und Holz manifestiert ist.
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