Das Wort «Bastille» ist eng mit Geschichte, Revolution und der Pariser Platz verbunden. Aber in der Welt der Küche hat es eine ganz andere, nicht weniger faszinierende Bedeutung gewonnen. Hier ist «Bastille» sowohl der Name eines eleganten marokkanischen Kuchens, als auch eine Reihe von festlichen Desserts und Schildern von Bäckereien auf der ganzen Welt. Wie wurde die Festung, die zum Symbol der Freiheit wurde, zu einem kulinarischen Markenname — und warum bedeutet dasselbe Wort gleichzeitig einen würzigen Fleischkuchen und einen zarten Schokokeks?
Der bekannteste kulinarische «Bruder» der Bastille ist zweifellos der marokkanische Kuchen bastilla (pastilla, b’stilla, bastilla). Sein Name hat, wie seltsam es klingt, nichts mit der französischen Festung zu tun: Er stammt vom spanischen «pastilla» — «Lauflechtfalz» oder «Tablette». In der arabischen Sprache hat die Phoneme «p» in «b» übergegangen, und so wurde «paстилья» in «бастилью» verwandelt.
Dieses Gericht ist ein wahres Meisterwerk der nordafrikanischen Küche. Traditionell wurde die Bastille mit Tauben zubereitet, aber heute wird häufiger Huhn verwendet. Die Füllung aus Fleisch, karamellisierten Zwiebeln, geschlagenen Eiern, Mandeln und einer reichen Menge an Gewürzen — Zimt, Safran, Ingwer — wird in die feinsten Schichten von Teig varka (warka) gerollt. Der Kuchen wird mit Puderzucker und Zimt bestreut, was ein einzigartiges Zusammenspiel von Süßem und Salzigem ergibt. In Marokko ist die Bastille ein festliches Gericht, das bei Hochzeiten und großen Feierlichkeiten zubereitet wird.
Es ist bemerkenswert, dass in der russischen Sprache diesem Kuchen viele verschiedene Namen gegeben werden: bastilja, bstilla, pastilla, bastija. Aber wie man ihn auch nennen mag, die Essenz bleibt gleich: Das ist «Gottesessen», wie die Marokkaner sagen.
Am 14. Juli, dem Tag der Einnahme der Bastille, bereiten Franzosen und Liebhaber der französischen Kultur auf der ganzen Welt besondere Desserts zu. Sie haben historische Wurzeln nicht, aber haben sich zu einer modernen kulinarischen Tradition entwickelt — eine Art, «Vive la France!» durch Essen auszudrücken.
Ein der bekanntesten ist der «Gâteau Bastille» («Kuchen Bastille») des amerikanischen Konditors David Lebovitz, der viele Jahre in Paris gelebt hat. Es ist ein kleiner, ohne Mehl und Fett, Schokoladentorte mit Aprikosenwürfeln, die in Rum eingeweicht wurden. Lebovitz beschreibt ihn als etwas zwischen Mousse und Soufflé — ein leichtes, im Mund schmelzendes Leckerei. Der Name hat er nach eigenen Angaben nur zur Unterhaltung erfunden, aber das Rezept hat sich durchgesetzt und wurde kultisch.
Andere festive Desserts spielen oft mit den Farben der französischen Flagge: Blau, Weiß und Rot. Zum Beispiel der «Flaggencake» aus Teigwaren mit Pudding, verziert mit Brombeeren und Himbeeren. Oder Pfannkuchen mit Schlagsahne und denselben Beeren. Und auch die klassische Charlotte mit Beeren, der Tort «Riviera» mit Schokomeringue und Limonenguss, und sogar das «Eisstockel» in den Farben des Dreifarbenen.
Diese Desserts haben gemeinsam: Sie beanspruchen keine historische Genauigkeit, aber sie schaffen eine Festtagsstimmung, und machen den 14. Juli zu einem Tag, an dem man etwas besonders Gutes und Schönes essen kann.
Der Name «Bastille» war so faszinierend, dass er von Bäckereien und Konfiserien auf der ganzen Welt gerne verwendet wird. Im Pariser Stadtteil Bastille natürlich gibt es viele solcher Unternehmen. Zum Beispiel die Bäckerei Mon Pere Etait Boulanger in der Straße Lyon, die für ihre Croissants und Kuchen bekannt ist. Und die Boulangerie Bo in der rue de Charenton — eine weitere Anziehungspunkt für Liebhaber frischer Backwaren.
Aber «Bastille» hat weit über Paris hinausgegangen. In Singapur gibt es Bastille Bakery — eine französische Bäckerei im Viertel Joo Chiat, die von einem ehemaligen Küchenchef der Tiong Bahru Bakery gegründet wurde. Hier werden Eclairs mit Praliné, Zitronentarte und knusprige Croissants gebacken. Und in Miami, USA, gibt es Café Bastille — eine Bäckerei und ein Saftbar, wo traditionelle Croissants, Schokobrot und Palmié serviert werden.
Der Name «Bastille» in diesen Fällen funktioniert wie ein Markenname, der mit französischer Qualität, Gemütlichkeit und Eleganz verbunden ist. Er erinnert nicht an die Revolution — er erinnert an Croissants.
Besonders neben dem Kuchen und den Desserts tritt der Name Bastille in den unterschiedlichsten kulinarischen Kontexten auf. Zum Beispiel gibt es in Sankt Petersburg den Handelshaus «Bastille», der mit dem Vertrieb von Obst und Gemüse befasst ist. Und in Nischni Nowgorod gibt es die OOO «Bastille-Torg». Diese Unternehmen haben nichts mit der Küche im engeren Sinne zu tun, aber zeigen, wie weit sich dieser Name auf der ganzen Welt verbreitet hat.
Es gibt in Belgien eine vegane Bäckerei La Pâtisserie Vegan, die in kommerziellen Dokumenten als «BASTILLE Nicolas» geführt wird. Und im Internet finden sich Rezepte für «baстильские» Suppen und Snacks, die jedoch eher einer Mode als einer etablierten Tradition geschuldet sind.
Das Paradoxon ist, dass die Festung, die als Symbol der Tyrannei zerstört wurde, heute mit etwas Wärmem, Geschmacks und vereinnahmendem in Verbindung gebracht wird. Vielleicht liegt es daran, dass Essen immer um Leben geht, um Fest, um Freude. Und selbst das revolutionärste Name entwickelt mit der Zeit neue, friedliche Bedeutungen.
Die marokkanische Bastille erinnert an die jahrhundertealten kulturellen Verbindungen zwischen Nordafrika und Europa. Die Desserts zum Tag der Bastille — an das, wie Traditionen direkt vor unseren Augen geboren werden. Und Bäckereien mit diesem Namen — an das, dass guter Brot und Kuchen keine politischen Kontexte brauchen: Sie machen uns einfach glücklicher.
Also wenn du das Wort «Bastille» das nächste Mal hörst, denk nicht sofort an den Sturm von 1789. Vielleicht geht es um einen würzigen marokkanischen Kuchen, einen Schokokeks mit Aprikosen oder um einen Croissant aus einer gemütlichen Bäckerei in Singapur. Geschichte geht weiter — und sie ist sehr lecker.
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