Die Verbindung zwischen Klima und religiösen Vorstellungen ist eine der ältesten und grundlegendsten. Klimatische Erscheinungen wie Regen, Dürre, Donner, Überschwemmungen und die Jahreszeiten waren für den alten Menschen direkte Manifestationen göttlicher Willkür. So entwickelte sich die Religion als System der Interpretation und Verwaltung der Beziehungen zu mächtigen natürlichen Kräften, von denen das Überleben abhing. Das Klima ist nicht nur Hintergrund, sondern aktiver Teilnehmer des sakralen Dialogs, der Pantheons, Rituale, Ethik und Eschatologie formt.
Klimatische Bedingungen bestimmten direkt, welche Götter verehrt wurden und wie sie dargestellt wurden.
Agrarische Zivilisationen (Mesopotamien, Ägypten, Kanaan): In Regionen, wo das Leben von der Flut der Flüsse oder den rechtzeitigen Regenfällen abhing, wurden die Götter der Fruchtbarkeit, des Wassers und der sterbenden/erneuernden Natur zentral. Der sumerische Tamuz, der ägyptische Osiris, der phönizische Baal starben (symbolisierten die Dürre oder den Winter) und wurden wiederauferstanden (mit dem Eintreffen des Regens oder der Flut). Ihre Ehefrauen (Inanna/Isthar, Isis, Anat) als Göttinnen der Erde und der Fruchtbarkeit suchten und brachten sie zurück, was die verzweifelte Hoffnung auf die Zyklizität der Natur widerspiegelte. Die Rituale, oft orgiastisch, sollten magisch das Fruchtbarkeit der Erde stimulieren.
Wüstenvölker (antikes Griechenland, Iran): Hier, wo das Wasser knapp war und die Gewitter ein mächtiges und beängstigendes Phänomen waren, wurde der Donnergott zum obersten Gott: der griechische Zeus, der indoeuropäische Perun, der hethitische Teshub. Er beherrschte den Regen als Gnade und den Donner als Zorn.
Nomadenvölker der Steppen: Bei ihnen, in den Bedingungen des offenen, grenzenlosen Raums und der Abhängigkeit vom Zustand der Weiden, entwickelte sich ein monothelistischer oder genetheistischer Kult des Himmels als oberster, oft anonymes Göttliches (Tengri bei den Türken und Mongolen). Das Klima formte hier nicht den Gott als Wettermanager, sondern ein abstraktes oberstes Prinzip, das Ordnung und Schicksal verkörperte.
Interessanter Fakt: Archäologen und Klimatologen haben eine Korrelation zwischen großen Klimakatastrophen und Ausbrüchen religiöser Aktivität oder Änderungen von Kulten entdeckt. Zum Beispiel könnte das Ausbruch des Vulkans auf der Insel Thira (Santorini) im 17. Jahrhundert v. Chr., der ein Tsunami und eine «vulkanische Winter» verursachte, das Vorbild für den Mythos von Atlantis und die religiösen Krisen in Minoen Kreta und Ägypten geworden sein. Und eine lange Dürre um 2200 v. Chr. könnte zum Zusammenbruch des Alten Reiches in Ägypten und der Akkadischen Provinz in Mesopotamien beigetragen haben, was in den Mythen vom «göttlichen Zorn» widerspiegelt.
Die religiöse Praxis war im Wesentlichen eine Doktrin der Klimaverwaltung.
Mолитвы о дожде (и его прекращении) присутствуют практически во всех аграрных культурах. В иудаизме, например, дождь в Земле Израиля direkt mit der Frömmigkeit des Volkes verbunden war, und Dürre mit Sünden. Вставка о дожде (тафилат ха-гешем) и росе (тал) в ежедневную молитву — прямое включение климатического фактора в литургию.
Жертвоприношения, особенно кровавые, часто интерпретировались как «подкормка» божества для поддержания миропорядка, включающего и благоприятную погоду. Ацтекские жертвы богам солнца и дождя — крайний пример такой логики.
Календарные праздники почти всегда были привязаны к ключевым точкам сельскохозяйственного года (солнцестояния, равноденствия) и имели целью обеспечить переход природы в следующую фазу. Христианское Рождество, совмещенное с зимним солнцестоянием, Пасха — с весенним равноденствием и пробуждением природы.
Natürliche Katastrophen stellen die Religionen vor die schwerste Frage: Wenn Gott (oder die Götter) gut und allmächtig sind, warum duldet er Leiden von Unschuldigen durch Dürre oder Überflutung? Die Antworten formten das core religiösen Weltbildes.
Strafe für Sünden: Der am häufigsten gegebene Antwort. Der Weltuntergang im sumerisch-akkadischen Epos von Gilgamesh und in der Bibel wird als Strafe für das moralische Verfall des Menschengeschlechts angerufen. Diese rückgratige Kausalität (Ursache des Unglücks — in der Vergangenheit, dies ist die Vergeltung) wurde ein mächtiges Instrument der sozialen Kontrolle und des Stärkens der Moral.
Prüfung des Glaubens: Die Geschichte von Job im Alten Testament bietet eine komplexere Modell: Leiden — nicht Strafe, sondern Prüfung, gesandt von Satan mit dem Willen Gottes. Dies verschiebt den Akzent von der kollektiven Schuld auf die individuelle Standhaftigkeit.
Zyklizität und Gleichgewicht: In östlichen Religionen (Induismus, Buddhismus, Taoismus) werden Katastrophen oft in kosmische Zyklen (юги, кальпы) eingebettet oder als Manifestation des natürlichen dynamischen Gleichgewichts des Yin und Yang wahrgenommen. Sie sind weniger personalisiert und mehr «natürlich».
Heute durchläuft die Verbindung zwischen Klima und Religion eine radikale Transformation. Früher erklärte die Religion das Klima, jetzt muss sie auf den Krisis reagieren, deren Ursache der Mensch selbst ist.
«Grüne» Theologie und Ökologische Ethik: In allen Weltreligionen entstehen Bewegungen für die Neubewertung traditioneller Texte in einem öko-theologischen Sinne. Christliche Theologen sprechen von dem «Bund mit der Schöpfung» und der Stewardship (Verwaltung, nicht Besitz) der Erde (Gen 2:15). Im Islam entwickelt sich die Konzeption des Kalifen (des Amtes des Menschen auf der Erde). Der Buddhismus und der Hinduismus betonen den Prinzip der Wechselseitigkeit des Seins (пратитья-самутпада, адвайта) und Ahimsa (Nicht-Vernichtung) gegenüber der Natur.
Religiöser Aktivismus: Die päpstliche Enzyklika «Laudato si’» (2015) von Papst Franziskus wurde zum Manifest des katholischen ökologischen Bewegung, direkt verknüpft die Schutz der Natur mit der sozialen Gerechtigkeit und dem Kampf gegen Armut. Religionsführer nehmen an Klimamärschen teil, führen ökologische Fragen in den Mittelpunkt der Predigt.
Eschatologie und Klimakatastrophe: Der Klimawandel bietet neue Nahrung für apokalyptische Erwartungen in einigen christlichen Kreisen (insbesondere evangelical). Allerdings sprechen heute häufiger nicht über göttliche Strafe, sondern über den selbstmörderischen Weg der Menschheit, von dem man sich erretten muss durch Buße und Änderung des Lebensstils.
Religion als Ressource der Stabilität: Traditionelle, oft religiös heilige Praktiken des maßvollen Konsums, der Fasten, der Wohltätigkeit und der lokalen Solidarität werden als Instrumente zur Schaffung eines nachhaltigen Gesellschafts vor den Klimakatastrophen neu bewertet.
Die Beziehungen zwischen Klima und Religion haben sich von direkter Verwaltung (Rituale zur Anrufung des Regens) über ethische Interpretation (Katastrophen als Strafe) bis zur modernen Verantwortung (Schutz der Schöpfung als religiöser Verpflichtung) entwickelt.
Heute steht die Religion am Scheideweg:
Auf der einen Seite kann sie den Klimaskeptizismus konservieren, sich auf die Weisheit Gottes oder den apokalyptischen Fatalismus stützen.
Auf der anderen Seite verfügt sie über einen kolossalen mobilisatorischen, ethischen und semantischen Potenzial für den ökologischen Wandel. Religionsgemeinschaften sind globale Netzwerke, die das Verhalten von Millionen von Menschen auf der Ebene der Werte und nicht nur der Pragmatik ändern können.
Der Klimakrisis kehrt die Religion in ihre Ursprünge zurück — zu Fragen über die Beziehungen zwischen dem Menschen, höheren Mächten und der natürlichen Welt, aber stellt diese Fragen mit einer beispiellosen Schärfe: nicht als Bittsteller um die Güte der Natur, sondern als Retter der Natur vor sich selbst. In diesem Kontext wird der theologische Such nach der «Ökologie des Geistes» und die Praxis der «grünen» Gemeinschaften zu einem der wichtigsten Fronten im Kampf für die Zukunft des Planeten.
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