Der menschliche Körper hält unabhängig von den äußeren Bedingungen eine konstante Innentemperatur von etwa 36,6–37,0 °C aufrecht, das heißt, er ist warmblütig. Dies wird durch ein komplexes Thermoregulationssystem erreicht, dessen Schlüsselelement der Wärmeaustausch mit der Umgebung ist. Günstige Temperatur- und Feuchtigkeitsparameter sind keine universellen Zahlen, sondern ein dynamischer Bereich, in dem das Thermoregulationssystem effizient arbeitet, ohne das Herz-Kreislauf- und Atmungssystem übermäßig zu belasten und ein subjektives Komfortgefühl zu gewährleisten. Diese Parameter unterscheiden sich im Sommer und Winter aufgrund unterschiedlicher Kleidung, Aktivität und Akklimatisierung des Körpers.
Die Wärmeabgabe erfolgt über vier Hauptwege:
Konvektion (etwa 30 %) – Wärmeübertragung an die Luft, die die Haut umströmt.
Strahlung (etwa 45 %) – Abgabe von Infrarotstrahlung.
Verdunstung (etwa 20 %) – Schweißabgabe.
Wärmeleitung (geringfügig) – Kontakt mit kühleren Gegenständen.
Die Luftfeuchtigkeit beeinflusst die Effektivität der verdunstenden Kühlung entscheidend. Bei hoher Luftfeuchtigkeit verdunstet der Schweiß nicht, sondern läuft von der Haut ab, ohne seine kühlende Funktion zu erfüllen, was zu Überhitzung führt. Bei sehr niedriger Luftfeuchtigkeit kommt es zu übermäßiger Verdunstung von Feuchtigkeit aus Schleimhäuten und Haut, was Trockenheit und Unbehagen verursacht.
In der warmen Jahreszeit, wenn der Körper darauf eingestellt ist, überschüssige Wärme abzugeben, verschieben sich die optimalen Parameter.
Lufttemperatur: Für Ruhephasen in leichter Kleidung (Shorts, T-Shirt) liegt der optimale Bereich bei 23–26 °C. In diesem Intervall erfolgt die Thermoregulation hauptsächlich durch Konvektion und Strahlung, ohne aktive Schweißbildung. Bei körperlicher Aktivität sinkt die optimale Temperatur (20–23 °C), um die erhöhte Wärmeproduktion auszugleichen.
Relative Luftfeuchtigkeit: Ein Schlüsselparameter. Der optimale Bereich liegt bei 40–60 %. Bei diesen Werten erfolgt die Schweißverdunstung effektiv.
Über 70 %: Selbst bei Temperaturen von 26–27 °C entsteht ein Gefühl von Schwüle und Überhitzung, da der Schweiß nicht verdunstet. Der von Meteorologen verwendete Temperatur-Feuchtigkeits-Index (Heat Index) zeigt, dass bei 85 % Luftfeuchtigkeit und 30 °C die subjektive Wahrnehmung einer „trockenen“ Hitze von 38 °C entspricht.
Unter 30 %: Die Luft wird als trocken empfunden, die Dehydration beschleunigt sich, die Schleimhäute der Atemwege trocknen aus, was das Risiko von Atemwegsinfektionen erhöht.
Beispiel für Anpassung: In der traditionellen Architektur heißer und feuchter Länder (z. B. Südostasien) werden Häuser auf Pfählen gebaut, um eine Durchlüftung für maximale Konvektion zu gewährleisten. In trockenen heißen Regionen (Naher Osten) werden dicke Lehmwände und Innenhöfe mit Brunnen verwendet, die die Luft durch Wasserverdunstung kühlen und lokal die Luftfeuchtigkeit auf komfortable Werte erhöhen.
Interessante Tatsache: Die Effektivität der Klimatisierung wird nicht nur anhand der Temperatur, sondern auch der Luftfeuchtigkeit bewertet. Moderne Systeme „entfeuchten“ die Luft, indem sie überschüssige Feuchtigkeit an kalten Verdampfern kondensieren. Eine übermäßige Entfeuchtung (unter 40 %) im Raum ist jedoch ebenfalls schädlich. Deshalb ist die „gefühlte Temperatur“, die Temperatur und Feuchtigkeit berücksichtigt, ein genaueres Maß für Komfort.
Im Winter, besonders in kaltem Klima mit Heizperiode, verfolgt der Körper das entgegengesetzte Ziel – Wärme zu bewahren. Dabei wird die Luft in beheizten Räumen extrem trocken.
Raumtemperatur:
Wohnräume: 20–22 °C. Dies ist der von der WHO empfohlene Bereich für gesunde Erwachsene. Bei dieser Temperatur gleicht sich die Wärmeabgabe in üblicher Hauskleidung (lange Hosen, Pullover) mit der Wärmeproduktion in Ruhe aus.
Schlafzimmer: 18–20 °C. Niedrigere Temperaturen fördern die Melatoninproduktion und einen tieferen Schlaf, da der Körper nachts seine Innentemperatur natürlich etwas senkt.
Kinderzimmer: 20–22 °C für Säuglinge, die ihre Temperatur schwerer regulieren können, und 18–20 °C für Kinder über einem Jahr.
Relative Luftfeuchtigkeit im Raum: 40–60 % bleibt auch im Winter der optimale Bereich, ist aber schwer zu erreichen.
Realität der Heizperiode: Die Luftfeuchtigkeit in Wohnungen fällt oft auf 15–25 %. Das trocknet die Schleimhäute (Nase, Rachen, Augen) aus, vermindert deren Barrierefunktion, macht die Haut trocken und erhöht die statische Elektrizität. Trockene Luft wird subjektiv als kälter empfunden, da die Verdunstung von Feuchtigkeit von der Haut verstärkt wird.
Lösung: Unbedingt Luftbefeuchter verwenden oder alternative Methoden (Wasserbehälter auf Heizkörpern, feuchte Handtücher, Zimmerpflanzen). Lüften im Winter senkt zwar die Temperatur, erhöht aber kaum die Luftfeuchtigkeit, da kalte Außenluft wenig Wasserdampf enthält.
Praxisbeispiel: In finnischen und schwedischen Häusern, die für ihre Energieeffizienz bekannt sind, wird großer Wert auf eine Zu- und Abluftanlage mit Wärme- und Feuchterückgewinnung gelegt. Dies ermöglicht es, bis zu 90 % der Wärme zu behalten und die Luftfeuchtigkeit auch im strengen Winter auf einem komfortablen Niveau (40–50 %) zu halten, ohne dass die Fenster „beschlagen“ oder es stickig wird.
Günstige Außenparameter hängen von der Akklimatisierung ab. Ein Bewohner Sibiriens fühlt sich bei −10 °C bei trockener, windstiller Witterung dank adaptiver Reaktionen (Verengung der peripheren Gefäße, Erhöhung des Grundumsatzes) wohl. Für einen Bewohner von Sotschi wäre dies extreme Kälte. Wind (Windchill-Effekt) erhöht die Wärmeabgabe durch Konvektion stark und verschiebt das subjektive Komfortgefühl zu höheren Temperaturen.
Überhitzung (Hyperthermie): Tritt auf, wenn die Körpertemperatur über 38 °C steigt. Bei Kombination aus hoher Temperatur (über 32 °C) und hoher Luftfeuchtigkeit (über 70 %) steigt das Risiko eines Hitzschlags stark an. Besonders gefährdet sind Kinder und ältere Menschen, deren Thermoregulationssystem weniger effektiv ist.
Unterkühlung (Hypothermie): Beginnt, wenn die Innentemperatur unter 35 °C sinkt. Feuchtigkeit verschärft die Situation, da nasse Kleidung ihre Wärmeisolierung verliert und den Wärmeverlust stark erhöht.
Im Sommer: Klimaanlage verwenden, um 24–26 °C und 40–50 % Luftfeuchtigkeit zu halten. Nachts und morgens intensiv lüften. Kleidung aus natürlichen, hygroskopischen Stoffen (Baumwolle, Leinen) tragen, die die Verdunstung nicht behindern.
Im Winter drinnen: Temperatur mit Thermostat kontrollieren, nicht überheizen (nicht über 23 °C). Luftbefeuchter unbedingt verwenden, um 40–50 % Luftfeuchtigkeit zu erhalten. Kurzes, aber intensives Lüften.
Draußen: Dem Wetter entsprechend kleiden, dabei Feuchtigkeit und Wind berücksichtigen. Feuchte Kälte erfordert stärkere Wärmedämmung als trockene Kälte. Bei Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit körperliche Aktivität möglichst reduzieren und Wasserzufuhr erhöhen.
Günstige Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen für den Menschen sind keine statischen Zahlen, sondern eine Zone physiologischer und psychologischer Optimalität, abhängig von Saison, Aktivität, Kleidung und individueller Anpassung. Das Schlüsselprinzip ist Balance. Im Sommer wird dieses Gleichgewicht durch effektive Verdunstung erreicht, im Winter durch Erhalt von Wärme und Feuchtigkeit im Körper und im Wohnumfeld. Das Verständnis dieser Mechanismen ermöglicht nicht nur komfortables Leben, sondern reduziert auch die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems, unterstützt die lokale Immunität der Schleimhäute und erhöht die allgemeine Widerstandsfähigkeit des Körpers gegenüber Umweltstressoren. Letztlich ist die Schaffung eines richtigen Mikroklimas eine Investition in Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zu jeder Jahreszeit.
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