Das Jammern von Kollegen, insbesondere im Kontext ihrer geringen Effizienz, stellt eine komplexe Problematik dar, die an der Schnittstelle der Soziopsychologie, des Managements und der Arbeitspsychologie liegt. Dies ist nicht nur ein lästiger Faktor, sondern ein Symptom systematischer Dysfunktionen in der Organisation oder anpassungsunfähiger Coping-Strategien spezifischer Mitarbeiter. Eine effektive Bekämpfung dieses Phänomens erfordert nicht das Unterdrücken, sondern die Analyse der Ursachen und systematische Maßnahmen.
In der wissenschaftlichen Literatur wird das Jammern (complaining, chronische Negativität) oft als Form der sozialen Ansteckung (emotionale Contagion) und passiv-aggressives Verhalten betrachtet. Seine wesentlichen Risiken:
Senkung der Gruppenleistung. Studien zeigen, dass ein einziger „toxischer“ Mitarbeiter (dauerhafter Jammern) die Produktivität der gesamten Mannschaft um 30-40% senken kann, indem er Kollegen ablenkt und eine Atmosphäre des Pessimismus schafft.
Emotionale Erschöpfung der Zuhörer (Effekt des „emotionalen Vampirismus“). Das ständige Eintauchen in einen negativen Narrativ erfordert kognitive und emotionale Ressourcen zur Unterdrückung oder Verarbeitung.
Entstehung einer „Kultur der Opfer“. Das Jammern ist oft mit einem externen Locus of Control (der Überzeugung, dass alles von äußeren Kräften abhängt) verbunden. Dieses Denken ist ansteckend und untergräbt die Proaktivität und Verantwortung in der Gruppe.
Blockade der Rückmeldung. Kritik in der Küche ersetzt konstruktive Rückmeldung an die Führungskräfte und entzieht dem System die Möglichkeit, reale Probleme zu beheben.
Bevor man „bekämpft“, muss man die Wurzeln des Verhaltens verstehen. Sie können unterschiedlich sein:
Individuelle psychologische Faktoren:
Niedrige emotionale Kompetenz: Unfähigkeit, seine Emotionen zu erkennen und zu regulieren, was zu einem Ausbruch in Form von Beschwerden führt.
Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zugehörigkeit: Das Jammern als inadäquater Weg, um Verbindung zu Kollegen herzustellen, eine Illusion von Nähe durch gemeinsames Unzufriedenheit zu schaffen.
Verlernte Ohnmacht: Vorheriger negativer Erfahrung, der den Menschen in der Begründung der Ohnmacht überzeugt hat, aktive Maßnahmen zu ergreifen.
Organisatorisch-führungliche (wesentliche) Faktoren:
Gerechtigkeit und Transparenz: Reale oder perceived (perzipierte) Ungerechtigkeiten im Aufgabenverteilung, Belohnungen und Möglichkeiten.
Fehlen von Rückmeldung und Anerkennung. Der Mitarbeiter versteht nicht, wie sein Beitrag bewertet wird, und fühlt sich nicht wertvoll.
Rollenkonflikt/Unklarheit: Unklarheit in Bezug auf Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungsbereiche erzeugt Angst, die sich in Beschwerden äußert.
Niedriger Kontroll- / Autonomiegrad: Unmöglichkeit, den Prozess seiner Arbeit zu beeinflussen — ein mächtiger Generator von Frustration und passivem Protest.
Wenn du kein Vorgesetzter bist, dein Ziel ist es nicht, deinen Kollegen umzuerziehen, sondern deine Produktivität und deine psychische Gesundheit zu schützen.
Die Etablierung verhaltensbezogener Grenzen (der wichtigste Schritt). Werd nicht zu einem „freien Ohr“. Verwende Techniken:
Taktische Unterbrechung: „Ich höre, dass das dich stört. Welche Lösung siehst du?“ / „Das ist ein wichtiger Punkt. Hast du das mit unserem Chef besprochen?“. Dies verschiebt den Dialog von der emotionalen Ebene auf die objektive.
Visuelle und zeitliche Signale: Trage Ohrhörer (auch ohne Musik), sage offen: „Entschuldigung, ich habe einen Deadliner, ich kann mich jetzt nicht ablenken lassen“.
Steuerbare Mitwirkung: Begrenze die Zeit für das Zuhören („Ich habe 5 Minuten“). Nach Ablauf der Zeit beende den Dialog höflich, aber bestimmt.
Technik der „zerrissenen Schallaufnahme“. Tauche nicht in das Gespräch ein, nicken nicht aus Höflichkeit. Wiederhole neutrale Sätze ruhig: „Ich verstehe, dass das eine schwierige Situation ist“.
Energieumlenkung (Reframing). Versuche (einmal, ohne Dringlichkeit), eine Alternative anzubieten: „Ja, das Problem gibt es. Lassen wir gemeinsam überlegen, wie wir das in unserem Kompetenzbereich beheben können? Möchtest du ein schriftliches Vorschlag für den Chef machen?“. Oft zieht der Jammern zurück, da sein Ziel nicht die Lösung, sondern die emotionale Entladung ist.
Senkung der emotionalen Ansteckung. Distanziere dich bewusst emotional. Wiederhole innerlich: „Das sind seine Emotionen, seine Wahl. Ich kann wählen, mich nicht anzuschließen“. Übe kognitive Neubewertung aus — betrachte Beschwerden als Symptom einer systemischen Problem, nicht als persönliche Angriff.
Der Vorgesetzte muss nicht mit Macht handeln, sondern als Diagnostiker und Architekt der Arbeitsumgebung handeln.
Erkennung der根本 Ursachen. Führe ein individuelles Gespräch mit dem Mitarbeiter durch. Verwende das Methoden des forschungsinterviews: „Ich habe bemerkt, dass dir vieles nicht gefällt. Hilf mir zu verstehen, wo das Problem liegt? Was genau hindert dich daran, effizient und mit Freude zu arbeiten?“. Ziel ist es nicht, sich zu entschuldigen, sondern zuzuhören.
Clarity und Gerechtigkeit. Beseitige organisatorische Ursachen: Klarstellung der KPI, der Verantwortungsbereiche, Einführung transparenter Bewertungs- und Belohnungsprozesse.
Einführung konstruktiver Kommunikationskanäle. Schaffe regelmäßig Formate, in denen Probleme geäußert werden können, mit verpflichtender Rückmeldung am Ende: „Was wurde in der letzten Woche zu deinem Vorschlag unternommen?“. Das verwandelt das Jammern in ein Arbeitsinstrument.
Konkretisierung der Rückmeldung. Wenn das Jammern fortgesetzt wird, ohne dass Maßnahmen ergriffen werden, gebe direkte, verhaltensorientierte Rückmeldung: „Wenn du dreimal am Tag deinen Kollegen erzählst, wie schlecht alles ist, ohne Lösungen anzubieten, senkt das die Motivation der Mannschaft. Ich benötige, dass du entweder Probleme mir direkt im Format „Problem + mein Vorschlag“ ansprichst oder dich auf Lösungen in deinem Verantwortungsbereich konzentrierst. Lassen wir gemeinsam besprechen, was du konkret in diesem Projekt tun kannst?“.
Kultur der „Lösungen, nicht Probleme“. Führe eine Regel auf den Meetings ein: „Wenn du über ein Problem sprichst, schlage mindestens eine Lösung vor“. Dies schafft eine proaktive Umgebung.
Wenn das Verhalten destruktiv und chronisch ist und dem Geschäft schadet, und alle Versuche, die Situation zu verbessern, gescheitert sind, wechselt die Frage von der psychologischen in die rechtliche und Personalabteilung:
Dokumentation. Feststellung spezifischer Fälle (Datum, Inhalt des Gespräches, Zeugen), wie das Verhalten die Arbeit der Mannschaft beeinflusst hat (Verzögerungen, Senkung des moralischen Klimas).
Offizielles Warnung durch HR oder den Chef über die Nichtkonformität mit der Unternehmenskultur und den Anforderungen der Position.
Einführung eines Kündigungsverfahrens aufgrund eines Verstoßes gegen die Arbeitsdisziplin oder die Nichterfüllung der dienstlichen Pflichten (im Rahmen des Arbeitsrechts Ihres Landes).
Wichtig: Dies ist die letzte Maßnahme und sollte die systematische Arbeit und nicht die emotionale Reaktion sein.
Die Bekämpfung des Jammerns ineffizienter Kollegen ist keine Kampagne gegen Einzelpersonen, sondern Arbeit zur Optimierung der sozialen Systeme der Mannschaft. Der wirksamste Ansatz ist präventiv: Schaffung einer Arbeitsumgebung, in der Klarheit, Gerechtigkeit, Rückmeldung und die Möglichkeit, den Prozess zu beeinflussen, gegeben sind. In einer solchen Umgebung gibt es dem Jammern keine Nährstoffbasis — die Energie der Mitarbeiter wird in konstruktive Bahnen gelenkt.
Der Schlüssel für den Kollegen ist die emotionale Hygiene und die Etablierung von Grenzen. Für den Vorgesetzten ist es der Professionalismus in der Diagnose und Lösung systematischer Konflikte. Denke daran, dass chronisches Jammern in erster Linie ein Signal organisatorischer Dysfunktion ist. Indem man das Signal entschlüsselt und seine Ursachen beseitigt, kann man nicht nur das Jammern stoppen, sondern die allgemeine Effizienz und Zufriedenheit der Arbeit in der Gruppe erheblich verbessern. Ignorieren der Problem führt nur zu einem Anstieg der Toxizität, zum Burnout der besten Mitarbeiter und zu direkten finanziellen Verlusten für das Unternehmen.
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