Fußballer und Journalist. Auf dem Feld diktiert der Erste die Regeln. Vor dem Mikrofon — der Zweite. Ihr Zusammenwirken wird nicht nur durch Arbeitsverträge und Ligareglemente, sondern auch durch ungeschriebene Gesetze geregelt, die manchmal wichtiger sind als offizielle Dokumente. Direkter Stream, gemischte Zone, exklusives Interview — jeder Schritt birgt die Gefahr eines Skandals. Gibt es klare Regeln für dieses Spiel? Ja, und sie sind härter, als sie scheinen.
Auf dem Niveau der UEFA und FIFA gelten Mediengesetze. Der Spieler ist verpflichtet, Pressetermine vor den Spielen der Champions League und der Weltmeisterschaft zu besuchen. Ein Verweigerung droht mit einer Geldstrafe (bis zu 50.000 Euro) und sogar mit einer Sperre. In den Verträgen der Vereine sind obligatorische Interviews für offizielle Partner (Sky, BT Sport, DAZN, «Match TV») festgelegt. Der Journalist muss die «Sicherheitszone» einhalten — nicht das Aufwärmen stören, nicht während des Spiels ablenken. Fragen zu Politik, Religion und Privatleben sind ohne Zustimmung des Spielers verboten. Diese Regeln werden jedoch oft verletzt, und dann tritt der ungeschriebene Kodex in Kraft.
Die gemischte Zone (mixed zone) ist ein Korridor, wo die Spieler nach dem Spiel durchgehen. Die Journalisten stehen in Reihen und rufen Fragen aus. Regel: Der Spieler ist nicht verpflichtet zu halten. Er kann vorbeigehen, wenn er wütend ist oder Stille wahren will. Wenn er aber hält, muss er Antworten an alle akkreditierten Medien geben, nicht nur an ausgewählte. «Aus der Menge herausziehen» ist verboten. Auch sind Provokationsfragen während des Vorbeigehens verboten — für das kann der Journalist seine Akkreditierung verlieren. Infantino und Séferin überwachen persönlich, dass die gemischte Zone nicht in ein Durcheinander verwandelt wird.
Der ungeschriebene Kodex verbietet es den Journalisten, nach Verletzungen (solange der Spieler nicht selbst spricht) zu fragen, nach Konflikten in der Kabine (das ist privat), nach Transfergerüchten (wenn es keine offizielle Bestätigung gibt). Die Privatleben ist tabu. Als ein Reporter Messi nach seiner Frau gefragt hat, nachdem er das Finale verloren hatte, ging der Argentinier ohne Antwort weg. Ein weiteres Verbot ist, Fotos oder Videos zu veröffentlichen, die in der Kabine ohne Zustimmung aufgenommen wurden (sogar mit dem Telefon des Spielers), auch wenn es sich um ein Bild des Spielers selbst handelt. Für Verstöße wird die schwarze Liste des Clubs erstellt.
Ein Fußballer hat das Recht, ein exklusives Interview mit einer einzigen Zeitung zu geben. Aber dabei muss er den Pressesprecher des Clubs informieren, um Lecks zu vermeiden. Es gibt auch «Embargos»: Material darf nicht vor einer bestimmten Zeit veröffentlicht werden (z.B. bis zum Endpfiff). Ein Verstoß gegen das Embargo droht mit dem Entzug der Akkreditierung. Ein berühmter Fall: Im Jahr 2024 veröffentlichte ein Journalist von The Athletic ein Interview mit einem Spieler von Chelsea eine Stunde vor dem Spiel, das Taktik enthüllte. Der Verein reichte Klage ein, und der Reporter verlor seine Arbeit.
Im Internet stoßen Fußballer und Journalisten bereits ohne Vermittler zusammen. Spieler können Journalisten blockieren, wütende Posts schreiben, sie als «Clickbait-Jäger» zu bezeichnen. Journalisten können geschlossene Profile zitieren, Screenshots von Stories machen. Es gibt hier kein offizielles Reglement, aber es gibt einen ethischen Kodex: z.B. keine Verwendung von Fotos von Kindern des Spielers ohne Zustimmung. Viele Vereine haben 2026 in die Verträge einen Punkt aufgenommen: «Der Spieler darf keine akkreditierten Journalisten öffentlich beleidigen». Für Verstöße droht eine Geldstrafe.
Ein Spieler, der einen Journalisten geschlagen hat (es gab Fälle), erhält von der FIFA eine Sperre von 10 Spielen plus ein Strafverfahren. Ein Journalist, der ohne Zustimmung in die Kabine eingedrungen ist, verliert seine Akkreditierung für ein Jahr. Die häufigsten Sanktionen sind Geldstrafen (5-100.000 Euro), öffentliche Entschuldigungen, Verbot des Zugangs zum Presszentrum. 2026 führte die UEFA ein System von «Gelben Karten» für Journalisten ein: drei Gelbe — Verlust der Akkreditierung für die Saison.
Auf der Pressekonferenz muss sich der Journalist vorstellen und das Medium nennen. Es ist verboten, zwei Fragen hintereinander zu stellen (es muss anderen das Wort gegeben werden). Fragen zu Geld, Transfers und Privatleben gelten als unangebracht. Der Spieler hat das Recht, nicht zu antworten und den Moderator bitten, die Frage auszuschließen. Die Spieler dürfen keine unangemessene Sprache verwenden, bedrohen, das Zimmer vor dem Ende verlassen. Für Unflatterung droht von der Liga eine Geldstrafe.
Erinnern wir uns daran, wie Ronaldo 2022 den Telefon eines Fans-Journalisten (nicht akkreditiert) zerschlug — die Polizei erstattete Anzeige. Oder wie Zlatan Ibrahimovic auf einer Pressekonferenz einem Journalisten sagte: «Gehe und lerne, Fragen zu stellen». Oder wie Lionel Messi 10 Minuten stumm vor dem Reporter saß, der nach der Politik gefragt hatte. Journalisten sind auch nicht heilige Kühe: 2025 hat ein Journalist aus Marseille ein Interview mit einem Spieler von PSG gefälscht, indem er seine eigenen Sätze hinzufügte. Der Verein reichte Klage ein und gewann das Verfahren.
Seit 2026 werden «neuronale Interviews» in Mode gebracht — Antworten generiert der AI auf Basis früherer Äußerungen des Spielers. Die Journalisten sind empört: «Das ist nicht fair!». Live-Streams in TikTok verdrängen traditionelle Pressekonferenzen. Fußballer werden selbst zu Bloggern, ohne Journalisten zu umgehen. Die Regeln der Interaktion könnten bald veraltet sein. Aber solange sie existieren, werden sie unter der Drohung von Millionenstrafen und einer beschädigten Reputation befolgt.
Fußballer und Journalist sind Partner, die gezwungen sind, ein Tango zu tanzen, auch wenn sie sich gegenseitig auf die Füße treten. Die Regeln dieses Tanzes sind in den Reglementen niedergeschrieben, aber sie leben im Respekt. Und wer diesen Respekt verliert, hat bis zum Schluss verloren.
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