Der Heiligen Abend in afrikanischen Ländern südlich der Sahara ist ein beeindruckendes Beispiel für kulturellen Synkretismus, wo christliche Traditionen, eingeführt von Kolonialherren und Missionaren, mit lokalen afrikanischen Glaubensvorstellungen, dem kollektiven Lebensstil und den Realitäten des tropischen Klimas verschmolzen sind. Im Gegensatz zum nördlichen Winterweihnachten ist der afrikanische Heiligen Abend (meist am 24. Dezember, seltener am 6. Januar in Ländern mit dem Einfluss der koptischen oder äthiopischen Kirche) ein sommerlicher oder trockener saisonaler Festtag, whose Semantik von der Überwindung des Winters zu einem Fest des Lebens, der Einheit und der Dankbarkeit für den Ernteerfolg abweicht. Sein Studium erfordert die Berücksichtigung der ethnischen Vielfalt, des urbanen Niveaus und des dominierenden christlichen Konfessionsprofils.
Die religiöse Komponente bleibt zentral, aber erhält ein afrikanisches Klangbild.
Kirchliche Gottesdienste: Am Abend des 24. Dezember füllen sich die Kirchen (katholische, protestantische, afrikanische unabhängige Kirchen) bis zum Abreißen. Die Mittnachtsgottesdienst (Mittnachtsgottesdienst) ist das zentrale Ereignis. Allerdings werden Predigten und Gesänge oft in lokalen Sprachen gehalten, und die Musik wird von afrikanischen Rhythmen und Instrumenten (Trommeln, Tamtams, Kalimba) begleitet. In einigen Gemeinschaften wird das rückwärtige «Taufen» von Kindern praktiziert, die im Laufe des Jahres geboren wurden.
Strassenprozessionen und Weihnachtslieder: In Städten und Dörfern sind Straßenprozessionen von Gläubigen verbreitet, die mit Liedern und Laternen die Bezirke umrunden und die gute Nachricht verkünden. Dies ist ein Echo sowohl christlicher Traditionen als auch lokaler kollektiver Rituale. In Südafrika sind «Carol by Candlelight» — öffentliche Versammlungen bei Kerzenschein draußen, wo sowohl traditionelle europäische Gesänge als auch afrikanische geistliche Lieder (z.B. südafrikanische «Makhalipile») gesungen.
Beispiel: In Äthiopien, wo Weihnachten (Genna) am 7. Januar nach dem julianischen Kalender gefeiert wird, ist der Heiligen Abend (6. Januar) ein Tag des strengen Fastens. Die Gläubigen tragen traditionelle weiße Kleidung («shamma») und gehen zur nächtlichen Liturgie, die mehrere Stunden dauert. Der zentrale Element ist das Umzug mit dem Tabot (Kopie des Schatzes des Bundes) um die Kirche unter rhythmischen Gesängen und Trommelklängen.
Im Gegensatz zur westlichen Modell des intimen familiären Kreises hat der afrikanische Heiligen Abend oft einen ausgeprägt communitären (kommunalen) Charakter.
Erweiterte Familie und Nachbarn: Der Festtag ist ein Grund, die gesamte erweiterte Familie (Clan) zu treffen, deren Mitglieder möglicherweise in die Städte gezogen sind, um zu arbeiten. Die Vorbereitung des Essens und der Dekoration wird ein kollektives Werk der Frauen. Die Türen der Häuser sind für Nachbarn und sogar Fremde geöffnet, was den Prinzip «ubuntu» (Philosophie der Wechselwirkung und Menschlichkeit in Südafrika) widerspiegelt: «Ich bin, weil wir sind».
Geschenkeaustausch und Hilfe für Bedürftige: Geschenke werden nicht nur Kindern, sondern auch älteren Verwandten und Nachbarn gegeben. Besondere Aufmerksamkeit wird der Hilfe für die Armen und Waisen der Gemeinschaft gewidmet — ihnen werden Essen und Kleidung gebracht, was als Erfüllung des christlichen Gebots der Barmherzigkeit angesehen wird. In Ghana sind zum Beispiel «Weihnachtskörbe» mit grundlegenden Produkten für die Verteilung beliebt.
Das festliche Abendessen spiegelt die lokale Küche und das Reichtum der sommerlichen Saison wider. Auf dem Tisch gibt es fast nie Truthahn oder Weihnachtspudding.
Fleisch als Hauptgericht: Der Hauptdelikatesse ist Fleisch (Schafsfleisch, Schafe, Huhn, Rindfleisch), oft gegrillt oder gedünstet in scharfen Soßen. In Ostafrika (Kenia, Tansania) ist das Njama Choma (gegrilltes Fleisch) beliebt.
Hauptbeilagen: Sie spielen die Rolle von lokalen Getreidesorten und stärkehaltigen Produkten: Fufu (aus Maniok, Yam oder Banane) in Westafrika, Sadza/Pap (Kukuruzbrei) in Südafrika, Ugali (aus Maismehl) in Ostafrika, Reis Jolof mit Gemüse.
Saisonale Getränke und Desserts: Kühle Getränke aus lokalen Früchten (Tamara, Ingwer, Hibiskus) werden zubereitet. In Südafrika wird «malo-mogelo» getrunken — ein alkoholfreies gasiertes Getränk, ähnlich wie «Soda Crème». Desserts sind frische Früchte (Mango, Wassermelon) oder Süßigkeiten wie «koeksister» (gebackenes Teig, frittiert im Fett) in Südafrika.
Interessanter Fakt: In einigen Regionen Nigerias wird traditionell «Yoruba Rice» mit einer großen Menge an Pfeffer, Tomaten, Zwiebeln und Gewürzen zubereitet, das mit Huhn oder Schafsfleisch serviert wird. Dieses Gericht wurde zum Symbol des festlichen Reichtums.
Die Weihnachtsdekoration wird kreativ an die lokalen Bedingungen und Ressourcen angepasst.
«Weihnachtsbaum»: Anstatt von Tannen oder Fichten wird das, was unter der Hand wächst, verwendet: Palmenzweige, Zedern, Mangobäume oder sogar künstliche Konstruktionen, die mit selbstgemachten Spielzeugen, Bändern und bunten Papiergirlanden geschmückt sind. In den Städten werden auch importierte Plastikbäume verkauft.
Crèches (Krippen): Sie sind sehr beliebt. Die Figuren des Heiligen Familiens sind oft in afrikanischer Gestalt dargestellt und in einen typischen afrikanischen Landschaft (Hütte, Palmen, lokale Tiere) gestellt.
Feuer und Kerzen: In Zeiten häufiger Stromausfälle werden Lichterketten und Kerzen besonders geschätzt, die eine Atmosphäre der Wunder schaffen. In ländlichen Gebieten kann das Hauptlicht die Feuersbrünste sein.
Das Feiern des Heiligen Abends in Afrika erfolgt vor dem Hintergrund ernster sozioökonomischer Kontraste.
Massive interne Migration: Wie in anderen Regionen der Welt ist der Heiligen Abend die Zeit des massiven Rückzugs der Stadtbewohner in ihre Heimatdörfer, was eine enorme Belastung für das Transportwesen verursacht.
Kommerzialisierung: In großen Städten (Lagos, Johannesburg, Nairobi) nimmt das kommerzielle Weihnachten mit Werbung, dem Kauf teurer Geschenke und Besuchen in Einkaufszentren zu, was mit der gemeindeförmigen Modell konkurriert.
Sicherheit: In Regionen mit instabiler Lage können massive nächtliche Versammlungen mit Risiken verbunden sein, was manchmal die Behörden dazu veranlasst, die Durchführung öffentlicher Veranstaltungen zu begrenzen.
Der Heiligen Abend in Afrika ist also weniger eine Wiedergabe des europäischen Kanons als eine tiefgreifende Afrikanisierung. Es ist ein Fest, wo:
Das christliche Botschaft in lokalen musikalischen, tänzerischen und gemeinschaftlichen Formen Gestalt annimmt.
Der Akzent wird von dem intimen familiären Abendessen auf das breite gemeinschaftliche Festmahl und die gegenseitige Hilfe verschoben.
Die Symbole (Baum, Krippe) werden kreativ neu interpretiert mit Hilfe lokaler Materialien und Bildern.
Das Fest wird zu einem Ausdruck der Freude am Leben, der Dankbarkeit für den Ernteerfolg und der Einheit in Zeiten oft schwieriger Existenz.
Es ist ein Weihnachten unter der sengenden Sonne, wo anstelle der Stille und des Schnees der Klang der Trommeln, laute Straßen und der Geruch von gebratenem Fleisch zu hören sind. Es erinnert daran, dass die universelle Botschaft von Hoffnung und Geburt überraschend widerstandsfähige und fröhliche Formen der Verkörperung in jeder Ecke der Erde finden kann, die nicht fremd, sondern organisch in die lokale Kultur integriert wird, die soziale Beziehungen und den Glauben an ein besseres Morgen stärkt.
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