Das Ereignis der Geburt Christi, wie in den Evangelien nach Matthäus und Lukas beschrieben, ist kein isolierter Episoden, sondern ein theologischer und narrativer Mittelpunkt, der die beiden Testamente in ein Ganzes verbindet. Für die ersten Christen, hauptsächlich Juden, bestand der Beweis dafür, dass Jesus von Nazareth der versprochene Messias (Christus) ist, darin, dass seine Lebensweise, insbesondere seine Geburt, mit den alttestamentlichen Prophezeiungen und Vorbildern (Typologie) übereinstimmt. Somit stellt Weihnacht einen Punkt der Erfüllung der langen göttlichen Geschichte der Rettung dar.
Das Alte Testament enthält eine Reihe von Prophezeiungen, die die Evangelisten und die frühe Kirche als direkte Anzeichen für die Geburt des Messias interpretierten.
Abstammung aus dem Geschlecht Davids. Eine zentrale Versprechen war die Abstammung des Messias vom König David (2 Könige 7:12-16, Jesaja 11:1). Das Evangelium nach Matthäus beginnt mit der Abstammung Jesu Christi, des Sohnes Davids (Matthäus 1:1), und Lukas beschreibt detailliert, wie Josef, der Verlobte Marias, aus dem Hause Davids stammte, was ihn rechtlich zu seinem Erben machte (Lukas 2:4). Der Engel nennt Jesus direkt denjenigen, der «auf den Thron Davids, des Vaters Seines, sitzen wird» (Lukas 1:32-33).
Ort der Geburt: Bethlehem. Der Prophet Michäa (Micha 5:2) gibt genau an, dass das kleine, von menschlicher Sicht aus unbedeutende Dorf Bethlehem als Geburtsort des zukünftigen Herrschers Israels bezeichnet wird. Dieses Prophezeiung wird durch die Geschichte der Volkszählung, die Josef und Maria nach Bethlehem brachte, zu einem erzählerischen Mittelpunkt (Lukas 2:1-7; Matthäus 2:1-6). Ein interessanter Fakt: In der jüdischen Tradition der Zeit Jesu war Bethlehem auch als «Stadt Davids» bekannt, was eine doppelte symbolische Verbindung schuf.
Unschuldige Jungfrau in ihrem Leib empfängt. Die Prophezeiung Jesaja (Jesaja 7:14), die dem König Achaz gegeben wurde, könnte im ursprünglichen Kontext eine naheliegende historische Bedeutung haben. Der Evangelist Matthäus (Matthäus 1:22-23), der sie im griechischen Übersetzung (Septuaginta) zitiert, wo das hebräische «almah» (junge Frau) als «parthenos» ( Jungfrau) übersetzt wird, sieht in ihr eine direkte Anweisung auf die Unschuldige Empfängnis Jesu durch den Heiligen Geist. Dies wurde zum Grundstein der Christologie und einer Schlüsselstelle der Verbindung der Testamente.
Neben den direkten Prophezeiungen gibt es im Alten Testament Ereignisse und Personen, die als Vorbilder (Typen) des zukünftigen Messias und seiner Mission betrachtet werden.
Adam als «Typ» Christi. Der Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer (5:12-21) zieht eine tiefe Parallelität: So wie durch den ersten Adam der Sünde und der Tod in die Welt gekommen sind, so sind durch den «zweiten Adam» — Jesus Christus — Gerechtigkeit und Leben in die Welt gekommen. So ist die Geburt, somit das Erscheinen eines neuen, gehorsamen Adams, der die Katastrophe, die durch den ersten verursacht wurde, korrigiert.
Isaak als Vorbild der Opferung. Die Geschichte des Opferung Isaaks (1. Mose 22) wird von christlichen Theologen als Vorbild der Opferung des göttlichen Sohnes gelesen. So wie Abraham seinen eigenen Sohn nicht gescheut hat, so hat Gott «Seinen einzigen Sohn» (Johannes 3:16) gegeben. Das Baum, das Isaak für die Opferung trug, wird mit dem Kreuz in Verbindung gebracht, und der Ov, der ihn ersetzte, — mit der Opferung selbst.
Exodus und Passah. Die Geburt Mose, der als Neugeborenes vor dem Tod gerettet wurde, und der folgende Exodus aus Ägypten sind ein mächtiges Vorbild der Rettung. Matthäus stellt speziell eine Parallele her: So wie der Pharao die Todesstrafe der jüdischen Neugeborenen suchte, so suchte Herodes das Leben des Neugeborenen Jesus; so wie die Familie Jakobs nach Ägypten floh, fand die Heilige Familie dort Unterschlupf (Matthäus 2:13-15 mit Zitat aus Hesekiel 11:1). Jesus wird zum neuen Mose, der zur wahren Freiheit führt.
Das Erscheinen der Herrlichkeit (Shechina). In der alttestamentlichen Schrift erschien die Herrlichkeit Gottes (Shechina) in der Schar und im Tempel. Im Neuen Testament wird diese Herrlichkeit in der Person Jesu verkörpert. Die Geschichte der Geburt ist voller ihrer Reflexionen: Das Licht der Weihnachtsstern (Matthäus 2:2), das die Hirten erleuchtete (Lukas 2:9). Johannes der Täufer zieht ein Fazit: «Und das Wort ward Fleisch und wohnete unter uns, voller Gnade und Wahrheit; und wir haben gesehen seine Herrlichkeit, die Herrlichkeit als Sohn vom Vater» (Johannes 1:14).
Opfergaben. Die Geschenke der Weisen (Gold, Weihrauch, Myrrhe), beschrieben bei Matthäus (Matthäus 2:11), haben ein tiefes symbolisches Bedeutung, das in das alttestamentliche Gottesdienst zurückgeht: Gold — dem König, Weihrauch — Gott (vgl. Jesaja 60:6), Myrrhe — zur Bestattung, was auf die zukünftige erlösende Opferung hinweist.
Somit ist die Geburt im neutestamentlichen Erzählung bewusst und detailliert in die Struktur des Alten Testaments eingefügt. Dies ist kein Bruch, sondern eine Erfüllung. Die Evangelisten, insbesondere Matthäus, verwenden ständig die Formel «da wird erfüllt, was gesagt worden ist durch den Herrn durch den Propheten» (etwa 10 Mal), um die Kontinuität des göttlichen Plans zu betonen. Die Geburt Jesu in Bethlehem von einer Jungfrau aus dem Geschlecht Davids ist der Punkt, an dem die alttestamentlichen Versprechen nicht mehr als Erwartung bleiben, sondern zur historischen Realität werden. Alle Vorbilder (Adam, Isaak, Mose, David) finden in ihm ihr Ende. Daher ist Weihnacht nicht nur der Anfang der evangelischen Geschichte, sondern auch die Kulmination eines jahrhundertelangen Dialogs zwischen Gott und der Menschheit, der in den Büchern des Alten Testaments festgehalten ist. Es zeigt die Einheit der Bibel, wo der Neue Bund das verborgene im Alten Bund enthüllt und der Alte den Lexikon und die Bilder für das Verständnis des Neuen gibt.
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