Bär und Honig. Diese beiden Wörter sind im Bewusstsein eines jeden Menschen fester verbunden als Öl und Brot. Sobald man das Wort «Bär» hört, stellt man sich sofort den krummläufigen, der seine Pfote in die Höhle mit den wilden Bienen steckt, vor. Woher kommt dieser Stereotyp? Sind die braunen Herrscher des Waldes wirklich so neugierig auf das süße Leckerei? Oder ist das nur eine weitere Legende, die Menschen erfunden haben, um die verwüsteten Böschungen zu erklären? Lassen Sie uns tiefer graben — in die tiefste Schwäche der kulinarischen Bär.
Die Geschichte von «Masha und der Bär» hat hier nichts zu tun. Schon in der Antike bemerkten Jäger und Forstleute: Der Bär verwüstet die Bienenkisten der Wildbienen. Mit großem Vergnügen isst er sowohl die Insekten als auch ihre Larven und natürlich die goldigen Waben. Honig ist eine kalorische Bombe. Er ist voller Fruchtzucker und Glukose, die schnell verarbeitet werden. Für ein Tier, das vor dem Winterschlaf Dutzende von Kilogramm Fett anfetten muss, ist diese Entdeckung ein Festmahl. Daher hat sich der Ruf des «Süßlings» gefestigt.
Im Gegensatz zu den Cartoons sucht der Bär nicht nach einem Schälchen mit der Aufschrift «Honig». Er vertraut auf seinen Geruchssinn. Das Riechvermögen des Braunen ist sieben Mal schärfer als das des Hundes. Er spürt ein doppelstöckiges Holz mit dem Bienenstock für ein halbes Kilometer. Dann geht es an die Kraft: Das Tier reißt die faulende Holzhaut, so als ob es Karton wäre. Die Bienen verteidigen ihr Gut natürlich, aber ihre Stacheln durchdringen fast nicht die dicke Haut und das dichte Fell. Nur in die Nase oder auf die Lippen — dann schreit der Bär und schlägt mit dem Kopf, aber er gibt die Beute nicht auf.
Wenn man sich das Ernährungsbedürfnis des Bären ansieht, ist Honig nicht das Hauptgericht, sondern eher ein Dessert. Die Grundlage bilden pflanzliche Lebensmittel: Wurzeln, Nüsse, Eicheln, Beeren. Im Frühling, nach dem Ausgang aus der Höhle, frisst der hungrige Bär Ameisen, Fäulnis, kann auf Säugetiere angreifen. Aber sobald die wilden Beeren reif sind — Brombeeren, Heidelbeeren, Preiselbeeren — wechselt der Bär auf sie. Sie sind auch süß und leichter zu bekommen als Waben mit einem wütenden Bienenvolk. Daher ist Honig eher Fast Food für den Bären: sehr lecker, aber nicht jeden Tag.
Das Ausdruck «Bär und Honig» hat sich tief in die Sprichwörter eingegraben. «Nicht alles ist für den Katzenfisch, wird auch für den Bär Honig sein» — das ist über das, dass starke auch Schwächen haben. In den russischen Volksmärchen geht der Bär oft auf den Duft des Honigs und gerät in die Falle. In den Mythen der Komi-Permjak wird der krummläufige sogar als Gott, als Hüter des Bienenkultivierens, betrachtet. In Europa werden die Bären übrigens auch mit Süßigkeiten in Verbindung gebracht: Genug, um an den plüschigen Winnie-the-Pooh zu denken, der nach dem Bienenstock springt und dann auf einem blauen Ball schwebt.
Der bekannteste Propagandist der Liebe des Bären zum Honig ist natürlich der englische Plüschbär. Sein Satz «Kann jemand anderes an etwas anderes denken, wenn in deinem Bauch etwas knurrt?» ist zur Klassik geworden. Der sowjetische «Winnie-the-Pooh» (der Film von Hitruk) hat das Thema auch nicht ausgeklammert: Der Held mit dem Ball geht zum Bienenstock, denkt, dass Wolken Bienen wären. Und im echten Film, zum Beispiel im Film «Bär» von Jean-Jacques Annaud, wird nicht nur die Tragödie des Überlebens, sondern auch die Szene des Honigessens gezeigt: Der kahlköpfige Riese leckt sich die Pfote süß.
Für den Bär ist der Gang nach dem Honig ein Risiko. Stiche der Bienen in das Gesicht können Schwellungen verursachen, die Augen verdecken, sogar zum Erstickung führen, wenn die Insekten in den Mund gelangen. Es gibt Fälle, in denen Tiere an anaphylaktischem Schock gestorben sind. Außerdem siedeln sich wilde Bienen hoch an, in den Höhlen alter Bäume. Um das Leckerei zu erreichen, muss der Bär eine große Höhe erreichen oder ein Baum umstürzen. Beim Sturz kann er sich ein Bein brechen. Daher ist das süße Leben oft mit Risiken verbunden.
Heute wird es immer weniger wilde Bienen, während die Bären immer häufiger zu den Bienenstöcken kommen. Der Duft von Honig und Wachs zieht sie Kilometerweit an. Für den Imker ist das Treffen mit dem krummläufigen eine Katastrophe. Ein Einzeltier kann in einer Nacht Dutzend Bienenstöcke umkippen, Rahmen brechen, Honig und Larven fressen. Die Menschen stellen Elektrozäune auf, schütteln Pfeifen, aber einige Bären werden zu echten Rückfälligen. Sie werden gefangen und in abgelegte Wälder umgesiedelt, manchmal sogar geschossen. So wird die Liebe zum Süßen zur Todesursache.
Bär und Honig sind nicht nur ein Klischee. Es ist eine evolutionäre Strategie, die riskante Jagd nach schneller Energie, ein würziger Stück der wilden Natur. Solange es auf dem Planeten Wälder und Bienen gibt, wird der krummläufige Räuber Düppen aufbrechen, die nach Honig riechen. Und wir werden das mit einer Mischung aus Schrecken und Bewunderung betrachten.
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