Die Bestimmung des Alters folkloristischer und mythologischer Figuren wie des Weihnachtsmanns und Santas ist eine komplexe methodologische Aufgabe. Ihr moderner Ausdruck ist das Ergebnis eines jahrhundertealten Synkretismus von archaischen Glaubensvorstellungen, agiografischen (Lebensgeschichten) Geschichten, kommerzieller Werbung und staatlicher Kulturpolitik. Daher sollte das Alter dieser Helden nicht als biologische oder historische Daten betrachtet werden, sondern als Chronologie der Überlagerung von Bedeutungen und Bildern, jeder von denen seine eigene zeitliche Bezogenheit hat.
1. Kern des Vorbilds: Heiliger Nikolaus von Myra (ca. 270–343 n. Chr.).
Dies ist die historische und sakrale Grundlage. Nikolaus, Erzbischof der Stadt Myra in Lykien (Kleinasien), wird im Christentum als Wunderbarer und Schützer der Kinder, der Seefahrer und der Unschuldigen verehrt. Aus seinem Leben stammt der zentrale Stoff der geheimen Hilfe — das Hineinwerfen von Beuteln mit Gold in das Haus eines verarmten Bürgers zur Mitgift für seine Töchter. Dieser Akt legte die Tradition des geheimen Geschenkggebens in der Nacht zugrunde. Somit ist das Alter des sakralen Prototyps etwa 1700 Jahre.
2. Folkloristische Transformation in Europa (Mittelalter – 17. Jahrhundert).
In den Niederlanden führte der Cult von Sinterklaas (Sinterklaas, abgeleitet von Sint-Nicolaas) im 16.–17. Jahrhundert zum Bild des bärtigen alten Mannes in Bischofskleidung (Mütze, Stab), der auf einem weißen Pferd reitet und von einem Sklaven (Schwarzer Peter) begleitet wird. Er kam aus Spanien (Symbolisierung fremder Länder) und ließ Geschenke für die Kinder in der Nacht vor dem 6. Dezember zurück. Hier ist das Alter des Bildes als Volksfestcharakter etwa 400–500 Jahre alt.
3. Amerikanische Metamorphose und Entstehung des modernen Santas (19. Jahrhundert).
Ein Schlüsselabschnitt der Gestaltung des uns bekannten Santas fand in den USA statt:
1809: Washington Irving beschrieb Sinterklaas in der «Geschichte von New York» als übergewichtigen niederländischen Pfeifenraucher, der in der Luft auf einem Wagen reitet.
1823: Ein anonymes Gedicht «Besuch des Heiligen Nikolaus» (häufig dem Clement Clarke Moore zugeschrieben) gab zum ersten Mal eine detaillierte Beschreibung: «rundlich, fröhlich, ein kleiner Elch» mit weißem Bart, winzige Wagen, gezogen von acht Elchen, Herabstieg durch den Kamin. Das Alter dieses literarischen Kanons beträgt genau 200 Jahre.
1863: Der Zeichner Thomas Nast visualisierte Santa Claus in der Karikatur als bärtigen Mann in einem Halstuch, verziert mit Sternen und Streifen (patriotischer Motiv der Bürgerkrieg in den USA). Nast «setzte» ihn auf dem Nordpol. Dieses visuelle Bild hat 160 Jahre.
1931–1964: Das Unternehmen «Coca-Cola» startete eine umfassende Werbekampagne, deren Illustrator der Illustrator Haddon Sundblom war. Er festigte das Kanon: ein freundlicher, roter alter Mann in einer roten Jacke mit weißer Abtrennung (Markenfarben des Unternehmens), schwarzer Gürtel und Schuhen. Dieses kommerziell standardisierte Bild, das etwa 90 Jahre alt ist, verdrängte andere Versionen und wurde zum globalen Standard.
Schlussfolgerung zu Santa Claus: Sein moderner Alter als Massenkulturphänomen beträgt weniger als 100 Jahre, trotz seiner 1700-jährigen Wurzeln.
1. Archaische Grundlage: Geist des Frosts (heidnische Epoche).
În slawischer Mythologie gab es Figuren, die den Frost und den Winter verkörperten: Morozko, Studenetz, Treskun, Zюзя. Dies waren keine Wohltäter, sondern harte, ambivalente Naturgeister, die besänftigt werden mussten, um den Ernte nicht zu zerstören. Ihr «Alter» geht in die Tiefe der heidnischen Glaubensvorstellungen zurück, mehr als 1000 Jahre.
2. Literarische Kristallisation (19. Jahrhundert).
Das Bild beginnt, sich zu mildern und die Züge eines magischen Wohltäters unter dem Einfluss der europäischen, insbesondere deutschen, Weihnachtstradition zu erhalten:
1840: W.F. Odoyevsky schuf in der Geschichte «Moroz Ivanovich» das Bild eines grauen alten Mannes, der in einem eisernen Haus lebt und einer arbeitsamen Mädchen belohnt.
Ende des 19. Jahrhunderts: Die Verbindung von Moroz mit dem Weihnachtsfest wird stabil. Er wird als alter Mann in einer weißen Jacke dargestellt, der Geschenke bringt. Diesem literarischen und lebensweltlichen Bild beträgt etwa 150 Jahre.
1930er Jahre: Nach der Revolution und dem Kampf gegen die Religion wurde das Weihnachtsfest und die Weihnachtskrippe verboten. 1935 rehabilitierte die sowjetische Macht das Fest, aber formulierte es in einen säkularen Neujahr. Der Weihnachtsmann wurde zu seinem Hauptsymbol, «Opa», dem Freund der Kinder, dem den christlichen Kontext genommen wurde. 1937 erschien er zum ersten Mal auf der ersten offiziellen Kremlweihnachtsfeier zusammen mit Snegurotschka (eine Figur aus dem Stück A.N. Ostrowski, aber nicht mit der westlichen Tradition verbunden). Sein Bild wurde visuell vereinheitlicht: lange blaue oder rote Jacken, abgefüttert mit weißem Fell, Stock, Schuhe/Boots, Beutel mit Geschenken. Das Alter des sowjetischen und späteren russischen Weihnachtsmanns beträgt etwa 85–90 Jahre.
Schlussfolgerung zu Weihnachtsmann: Sein Alter als guter Wohltäter beträgt nicht mehr als 150 Jahre, und als offizieller Symbol des Neujahrs weniger als 90 Jahre.
Aspekt Santa Claus Weihnachtsmann
Historisches Vorbild Heilig Nikolaus (4. Jahrhundert, 1700 Jahre) Geister des Frosts (Heidentum, >1000 Jahre)
Folkloristische Bildgestaltung Sinterklaas (XVI–XVII Jahrhundert, ~400 Jahre) Morozko im Folklore, aber ohne Wohltätigkeitsfunktion
Literarische Fixierung als Wohltäter «Besuch des Heiligen Nikolaus» (1823, 200 Jahre) Märchen Odoyevskys und andere (Mitte des 19. Jahrhunderts, ~150 Jahre)
Visueller und ideologischer Kanon Werbung von «Coca-Cola» (1931, ~90 Jahre) Sowjetische Propaganda (1935–1937, ~85 Jahre)
Begleiter Elfen, Mrs. Claus, Elche Enkelin Snegurotschka (einzigartige Eigenschaft)
Transport Wagen, gezogen von fliegenden Elchen Zu Fuß, auf einem Dreirad von Pferden oder «zauberhaft»
Residenz Nordpol (Kanada/Finnland) Grosser Ustyug (seit 1999, Marketingprojekt)
Allgemeine Schlussfolgerung: Beide Charaktere sind «späte Konstrukte», deren moderner Ausdruck fast gleichzeitig, in den 1930er Jahren des 20. Jahrhunderts, unter dem Einfluss mächtiger ideologischer und kommerzieller Kräfte entstand. Ihre «Altertum» ist Teil des Myths, ein notwendiger Attribut zur Legitimierung der Tradition. Santa Claus wurde zum Produkt der amerikanischen Massenkultur und des globalen Marketings, und der Weihnachtsmann zum Produkt der sowjetischen Kulturpolitik und der folgenden nationalen Identität. Ihr Alter in dem Sinne, wie wir sie heute kennen, wird nicht in Jahrzehnten, sondern in Jahrzehnten gemessen, was ein beeindruckendes Beispiel für das «Erfinden der Tradition» (nach E. Hobsbawm) in der modernen Ära ist.
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