Es gibt Schauspielerinnen, die man sich durch ihre Rollen merkt. Es gibt diejenigen, die man sich durch ihre Schönheit merkt. Und es gibt Einzige, deren Bild bereits während des Lebens zu einem Mythos wird. Ornella Muti gehört zu den Letzteren. Ihre Augen sahen von Plakaten auf der ganzen Welt, ihr Name war ein Symbol des italienischen Films, und ihr Privatleben regte die Vorstellungskraft der Journalisten an. Aber hinter diesem Glanz, hinter Tausenden von Blitzlichtern und Champagnergläsern, verbirgt sich eine erstaunliche Geschichte — mit russischen Wurzeln, dramatischen Wendungen und einer unerschütterlichen Glaube am Leben. Erzählen wir von ihr so, wie sie ist: ohne Pathos, aber mit Respekt vor ihrem Weg.
Francesca Romana Rivelli (das wahre Name von Ornella Muti) wurde am 9. März 1955 in Rom geboren. Ihr Vater, ein Neapolitaner, war Journalist und Sänger, ihre Mutter, eine Estin, war als Kunstverwalterin tätig. Aber die Hauptgeheimnis ihres Ursprungs sind die russischen Wurzeln der väterlichen Linie. Der Urgroßvater von Ornella kam aus Rjasan, und wie sie selbst mehrmals zugab, gab diese Verbindung ihr immer ein Gefühl der inneren Kraft. In der Kindheit hörte Francesca russische Sprache zu Hause, sprach aber nicht darauf — sie nahm nur die Melodie, den Geruch und die Atmosphäre auf. Wie die Schauspielerin selbst zugibt: «Ich fühle mich auf einer tiefen Ebene mit Russland verbunden, das ist wie etwas genetisches». Später mündete dieses Gefühl in einer unglaublichen Beliebtheit in der UdSSR und in eine besondere Liebe zu Dostojewski und Tschechow.
Mit 14 Jahren gewann Ornella Muti den Schönheitswettbewerb «Miss Cinema», und das wurde der Anfang ihrer Filmkarriere. Sie war so jung, dass Regisseur Salvatore Samperi auf der Dreharbeiten von «Die glänzende Familie» zuerst nicht glaubte, dass sie erwachsene Rollen spielen kann. Aber genau diese kindliche Naivität in Kombination mit einem durchdringenden Blick wurde zu ihrem Visitenkarte. Bald schon drehte sie mit Marcello Mastroianni, Adriano Celentano, Richard Harris. Der wahre Ruhm kam 1976 mit dem Film «Die Züchtigung des unwilligen Pferdes», wo sie zusammen mit Celentano einen Duett schuf, der für Millionen von Zuschauern kultisch wurde.
In den 1980er Jahren erobert Ornella Muti Hollywood. Sie spielt mit Jack Nicholson, Marlon Brando, Arnold Schwarzenegger. Sie ist eine europäische Diva, die man auf den Titelseiten sehen will. Aber der Weg zum Gipfel war steinig: Sie lehnte Rollen als Statisten ab, kämpfte für das Recht, selbst Projekte auszuwählen und fürchtete sich nicht vor Konflikten mit Regisseuren. Ihr skandalöser Verzicht auf die Dreharbeiten an «Drei Musketiere» (wenn sie bereits die Rolle probte) — weil die Produzenten nicht warten wollten, bis sie sich mit den Dokumenten auseinandergesetzt hat — wurde zur Legende. «Ich bin keine Maschine, ich kann nicht überbeansprucht werden, ich will mein eigenes Leben führen», erklärte sie.
Aber dahinter stand auch eine Tragödie: Ihr Ehe mit dem italienischen Produzenten Luciano Franco war spannungsgeladen. Die Geburt ihrer Tochter Natasha und ihres Sohnes Andrea rettete die Union nicht. Später heiratete sie noch dreimal — den Regisseur Federico Facciunetti und den plastischen Chirurgen. Heute ist sie allein und spricht darüber ohne Bedauern: «Ich habe gelernt, glücklich alleine zu sein, und das hat mir gezeigt, dass ich mir selbst vertrauen kann, nicht anderen».
In der UdSSR war Ornella Muti eine Superstar. Ihre Filme «Die Züchtigung des unwilligen Pferdes», «Voll in Liebe verliebt», «Sir Robinson» sammelten Millionen von Zuschauern. Ihr Gesicht kannte jede Familie. 2014 kam sie zum ersten Mal nach Moskau zur Premiere des Films «Kristall» — und war von der Herzlichkeit des Empfangs überwältigt. «Ich fühlte mich nicht als Gast, sondern als meine». Sie kommunizierte viel mit russischen Regisseuren, nahm an Festivals teil. Sie blieb ihrem Prinzip treu: «Ich bin kein Politiker, ich bin ein Mensch und ein Künstler».
Ihre Liebe zu Russland erklärt Ornella Muti einfach: «Russische waren für mich immer ein Volk des Geistes. Sie leiden, leiden, aber sie verlieren nicht ihre innere Kraft. Das ist sehr nahe meinen inneren Gefühlen. Vielleicht ist das die gleiche rjasanski Blut». Sie gestand, dass sie «Der Idiot» von Dostojewski mehrmals gelesen hat und jedes Mal etwas Neues entdeckt: «Das ist nicht nur ein Roman, das ist ein Bekenntnis, das meiner eigenen Seele ähnlich ist».
In Interviews wiederholt Ornella Muti oft einen Satz: «Es spielt keine Rolle, wie oft du fällt, sondern wie oft du wieder aufsteht». Diese Philosophie hat durch ihre gesamte Lebenszeit hindurchgegangen — durch den Verlust der Eltern, durch Scheidungen, durch Konflikte mit Produzenten, durch schwierige Beziehungen zu Kindern (ihr Sohn Andrea starb 2015 an Krebs — eine Tragödie, nach der sie erst ein Jahr später wieder in die Öffentlichkeit trat). «Das Leben lehrt uns, stark zu sein, aber um das zu erreichen, müssen wir uns erst erlauben, schwach zu sein».
Sie verheimlicht nicht, dass sie die Dienste plastischer Chirurgen nutzt, aber sie hält die Schönheit nicht für das Wichtigste. «Ich will wertvoll altern, aber ich will nicht wie ein Puppenlook aussehen. Wichtig ist, den inneren Licht zu behalten». Sie spielt weiter, tritt auf der Theaterbühne auf, tourt durch die Welt. In ihren Plänen steht ein Dokumentarfilm über russische Schriftsteller und vielleicht ein Besuch in Rjasan, um die Grabstelle ihres Urgroßvaters zu finden. «Das ist meine Geschichte, und ich will ihren Kreis schließen».
Im Jahr 2026 wurde Ornella Muti 71 Jahre alt. Sie ist immer noch schön, obwohl ihre Schönheit jetzt eine andere ist — klug, ruhig, fast adelig. Sie spielt weiter in Italien, nimmt an Fernsehsendungen teil, schreibt Hörbücher. Ihr wichtigstes Projekt ist derzeit ihr eigenes Show «Una vita da diva» («Das Leben der Diva»), wo sie über das Kino hinter den Kulissen, über die Menschen erzählt, mit denen sie sich begegnet ist, und darüber, wie man sich in der Welt der Illusionen erhalten bleibt. Sie lehrt das Leben nicht, sie teilt einfach ihre Erfahrungen: «Ich bin kein Guru, ich bin einfach eine Frau, die einen langen Weg gegangen ist und sich nicht selbst verloren hat».
Ihre Pläne für die Zukunft sind nicht vage: Sie will Memoiren schreiben, aber nicht wie ein Sternenroman, sondern wie ein Bekenntnis darüber, was es bedeutet, eine Frau in einer Welt zu sein, die von dir erwartet, dass du immer perfekt bist. «Ich will, dass meine Geschichte anderen hilft, ihre Verletzlichkeit nicht zu fürchten». Sie sucht nicht nach Frieden, sie sucht nach neuen Bedeutungen. Und das ist vielleicht das Wichtigste in ihrem Leben — in Bewegung zu bleiben, nicht zu erstarren, nicht zu fürchten, den Kurs zu ändern. Genau das ist der Grund, warum sie bis heute interessant, relevant und lebendig ist — nicht als Ikone, sondern als Mensch.
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