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Kölner Mentalität: Zwischen katholischem Liberalismus, Karneval und „Rheinländischem“ Hedonismus

Einführung: Lokale Identität in einer globalen Welt

Die Kölner Mentalität (Kölner Mentalität, in der lokalen Dialekt — „Kölsch Jeföhl“) ist ein einzigartiges Komplex von Werten, Einstellungen und Verhaltensmustern, das sich durch eine lange historische und soziokulturelle Entwicklung entwickelt hat. Diese Identität geht über einfaches städtisches Patriotismus hinaus und ist eine Art „bürgerliche Religion“, die auf einer spezifischen Kombination von katholischer Tradition, kommerziellem Geist und einem besonderen hedonistischen Verhältnis zum Leben basiert. Eine Analyse dieses Phänomens erfordert die Berücksichtigung solcher Faktoren wie der Status der freien Reichsstadt, die konfessionelle Zugehörigkeit und die kulturelle Autonomie innerhalb des Rheinlandes.

Historische Grundlagen: Freie Stadt, Handel und Katholizismus

  1. Freie Reichsstadt (bis 1794): Über Jahrhunderte war Köln einer der größten und reichsten freien Reichsstädte des Heiligen Römischen Reiches. Dies hat bei den Bürgern ein Gefühl der Unabhängigkeit, Selbstverwaltung und Würde sowie einen starken kommerziellen Geist (die Stadt war Mitglied der Hanse) gefördert. Die Macht des Erzbischofs, formell des Kurfürsten, wurde oft vom Rat der Stadt angefochten, was eine Tradition des Distanzierens von autoritärer Macht geschaffen hat.

  2. Katholischer Liberalismus: Im Gegensatz zum Süden Deutschlands (Bayern) oder dem protestantischen Norden hatte das Kölner Katholizismus historisch einen liberalen, inklusiven Charakter. Die Stadt wurde zum Zentrum des „katholischen Aufklärung“. Die Religion wurde hier nicht als System strenger Verbote, sondern als Teil der Kultur, des sozialen Lebens und des Festes wahrgenommen, was später in einem einzigartigen Synthese von Karneval und religiösen Traditionen zum Ausdruck kam.

  3. Rheinländischer Kosmopolitismus: Die Lage an der großen Fluss, die ehemals eine Handels- und Transportader war, machte Köln offenen Einflüssen aus Frankreich, den Niederlanden, Italien ausgesetzt. Dies hat ein tolerantes, offen für neue Weltanschauungen vermitteltes Weltbild geschaffen, das sich dem preußischen Militarismus und Puritanismus entgegenstellt.

Elemente des Mentalitäts

  1. „Laiwe“ („Liv“) und „Tolerant“ („Tolerant“): Dies sind zwei Eckpfeiler. „Laiwe“ (von französisch „la vie“ — Leben) bedeutet ein spezielles, freudiges, hedonistisches, aber nicht verantwortungsloses Verhältnis zum Leben. Die Fähigkeit, den Moment, das Gespräch, das Wein (Kölsch), die Musik zu genießen. „Tolerant“ ist nicht nur Toleranz, sondern aktives Akzeptieren der Vielfalt, sei es Nationalität oder Lebensstil. Der Karneval in Köln war historisch ein Raum für die Transgression sozialer Normen.

  2. Lokaler Patriotismus und Ironie („Kölnisch Wasser“): Kölner sind unglaublich stolz auf ihre Stadt, ihre 2000-jährige Geschichte, den Dom, das Bier „Kölsch“, den Dialekt und den Karneval. Diese Stolz ist jedoch unpatriotisch und wird oft durch Selfironie und einen leichten Skepsis gegenüber der Macht und der offiziellen Kultur ausgedrückt. Der Dialekt Kölsch ist ein wichtiger Identitätsmarker, ein Barrier für Fremde und ein Weg, um seine Zugehörigkeit hervorzuheben.

  3. „Nicht-preußisch“ und anti-autoritär: Das historische Widerstehen gegen die preußische Verwaltung (nach 1815) hat einen tiefen Eindruck hinterlassen. Der Kölner Mentalität ist ein Verzicht auf Militarismus, Konvention, übertriebene Disziplin und Hierarchie. Wertschätzt werden Direktheit, Humor, menschliche Kommunikation ohne Zeremonien. Der bekannte Spruch „Et hätt noch immer jot jejange“ („Es wäre immer noch gut gegangen“) spiegelt das skeptische Verhältnis zu übertriebenem Planen und Panikmache wider.

  4. Der Karneval als sozialer Institution: Karneval (Fasteleer) ist nicht nur ein Fest, sondern ein wesentlicher Mechanismus zur Reproduktion des Mentalitäts. An diesen „fünf Wahnsinnstagen“ (von Weiberfastnacht bis Rosenmontag) werden Hierarchien aufgehoben, Kritik an der Macht („Büttenrede“) wird obligatorisch, und das karnevalische „Wahnsinn“ („Narrheit“) wird gefördert. Dies ist ein institutionalisierter Ausbruch des Paares, der die soziale Kohäsion und die lokale Identität stärkt. Wer den Karneval nicht versteht, versteht nicht Köln.

Moderne Manifestationen und Beispiele

  1. Tägliche Kommunikation: Kommunikation in Kneipen („Kneipen“) bei einer Tasse „Kölsch“, wo alle an langen Gemeinschaftstischen sitzen, ist das Modell der Kölner Sozialeability. Ein Gespräch mit einem Fremden ohne Formalitäten ist die Norm.

  2. Verhältnis zum Dom: Die Kölner nennen den Dom liebevoll-kurz „Der Dom“ und empfangen ihn nicht als kalten Denkmale, sondern als Teil der alltäglichen Landschaft und „seines“ Raumes. Sein Bau wurde durch Volkszuschüsse finanziert, was das Gefühl der kollektiven Eigentümerschaft verstärkt.

  3. Kulturelle Szene: Die Stadt unterstützt den Ruf als Zentrum moderner Kunst, Musicals, Komödie. Hier befindet sich der Fernsehsender WDR, die Zentrale vieler Shows. Dies spiegelt den Wert von Verkehr, Kreativität und Offenheit für neue Formen wider.

  4. Politik: Eine sozial-liberale Position, Unterstützung für Parteien wie Die Grünen und SPD, aktive Verteidigung der Rechte der Minderheiten. Die ehemalige Bürgermeisterin Henriette Reker (unabhängige Kandidatin) ist die Inkarnation der Kölner Werte: Offenheit, Toleranz und Praktikabilität.

Konflikt und Kritik

Das Mentalität ist nicht frei von Widersprüchen. Die Ereignisse der Silvesternacht 2015/16 auf dem Domplatz haben den Ideal der Toleranz in Frage gestellt und eine schmerzhafte Reflexion über die Grenzen der Offenheit ausgelöst. Auch der „kölsche“ Patriotismus grenzt manchmal an Parlamentarismus und Misstrauen gegenüber „Fremden“ (hier sind sogar Deutsche aus anderen Bundesländern „Zuajezogene“).

Schluss: Mentalität als Strategie des Lebens

Die Kölner Mentalität ist nicht nur eine Sammlung von Merkmalen, sondern eine gesamte Existenzstrategie in einer großen Stadt, die durch Geschichte geformt wurde. Dies ist eine Strategie, die auf:

  • Hedonismus mit menschlichem Gesicht (Laiwe),

  • Toleranz als Grundlage des sozialen Friedens,

  • Ironie als Schutz vor Ideologien,

  • Lokale Identität als Zuflucht in einer globalisierten Welt.

Es ermöglicht, tief verwurzelte historische Wurzeln mit modernem Kosmopolitismus zu kombinieren, die katholische Tradition mit liberalen Werten, die Liebe zum Fest mit der alltäglichen Arbeitsfähigkeit. In diesem Sinne ist „Kölsch Jeföhl“ ein rheinländischer Stil des Lebens, der die Stadt nicht nur zu einem Wohnort, sondern zu einem großen, lauten, gastfreundlichen und leicht verrückten Gemeinschaft macht, wo „es immer noch gut geht“. Dieser Mentalität ist der wichtigste immaterielle Vermögenswert Kölns, der ihn nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa einzigartig macht.
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