Außerdem scheinen Fußball und Religion zwei verschiedene Welten zu sein. Einerseits ist es eine Welt der Leidenschaft, Millionen von Fans, dem Rauschen der Tribünen und des sportlichen Kampfes. Andererseits ist es eine Welt der Stille, des Gebets, der Kontemplation und der Suche nach dem Ewigen. Aber wenn man genauer hinschaut, stellt man fest, dass sie viel mehr gemeinsam haben, als man denken würde. Fußball ist lange nicht mehr nur ein Spiel. Für viele hat er eine neue Religion geworden — mit ihren Heiligen (Stadien), Priestern (Trainer und Schiedsrichtern), Ritualen (Spiele) und sogar Märtyrern (Spielern, die alles auf dem Feld geben). Gleichzeitig üben traditionelle Religionen — Christentum, Islam, Buddhismus, Judentum — eine starke Auswirkung auf den Fußball aus, von der Verhaltensweise der Spieler bis hin zu den Schicksalen ganzer Vereine und gar nationaler Mannschaften.
Sociologen und Kulturwissenschaftler haben lange bemerkt: Fußball erfüllt die gleichen Funktionen wie Religion. Er gibt dem Menschen das Gefühl der Gemeinschaft, der Zugehörigkeit zu etwas Größerem als sich selbst. Er bietet seine Rituale — das Auslaufen der Mannschaften, Hymnen, Traditionen der Fans. Er hat seine Propheten (große Spieler), seine Schriften (Geschichte des Vereins) und seine Gebote (Treue zum Verein bis zum Ende). Wenn Tausende von Menschen die gleichen Worte auf dem Stadion skandieren, entsteht das kollektive Einigung, das religiöse Denker als «Kollektivität» bezeichnen.
In diesem Sinne sind Fußballfans nicht nur Fans, sondern Gläubige. Ihre «Kirchen» sind die Stadien, in die sie kommen, um den Katharsis zu erleben. Ihre «Feste» sind die Duelle und Endspiele. Ihre «Heiligen» sind die Spieler, die sich selbst für den Sieg opferten. Nicht umsonst sprechen viele Fans von der «Fußballglaube» mit der gleichen Leidenschaft, mit der Gläubige von Gott sprechen. Und diese Leidenschaft, wie jede religiöse, ist in der Lage, sowohl zu vereinen als auch zu spalten.
Die christliche Tradition hat tief in die Fußballkultur eingedrungen. Besonders auffällig ist dies in den Ländern Lateinamerikas und Südosteuropas, wo Katholizismus und Fußball die zwei größten Leidenschaften des Volkes sind. Viele Spieler beten vor dem Spiel, küssen Amulette oder heben die Augen zum Himmel. Das ist nicht nur eine Tradition — es ist ein Ausdruck tiefer persönlicher Glaube. Zum Beispiel widmen brasilianische Fußballer oft Tore Gott, und auf ihren Trikots sind Zitate aus der Bibel zu sehen.
Christentum beeinflusst den Fußball jedoch nicht nur durch die persönliche Frömmigkeit der Spieler. Es formt die Ethik des Spiels. «Ehrliche Spiele» sind im Grunde christliche Gebote, die auf das Fußballfeld übertragen wurden. Die Vergebung des Gegners, die Achtung für die Schiedsrichter, die Demut in der Победе und die Würde in der Niederlage haben christliche Wurzeln. Bekannte Fälle, in denen Spieler öffentlich um Vergebung für Fehler baten oder sogar von einem Sieg absahen, wenn dieser auf unfaire Weise erreicht wurde. Das ist nicht nur Sport — es ist eine moralische Wahl.
In einigen Ländern gibt es Mannschaften, die in kirchlichen Gemeinden oder Klöstern entstanden sind. Zum Beispiel tragen viele Vereine in Italien und Spanien Namen von Heiligen. Und obwohl dies heute eher Geschichte ist, lebt der Geist der christlichen Ethik im Fußball fort, erinnert daran, dass das Spiel nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Weg ist.
Islam ist die zweite einflussreichste Religion im Weltfußball. Viele Stars wie Zinedine Zidane, Karim Benzema, Mohamed Salah bekennen sich öffentlich zum Islam und verbergen ihre Glaube nicht. Für sie ist Fußball nicht im Widerspruch zur Religion, sondern ein Weg zur Verherrlichung Allahs. Salah zum Beispiel widmet oft Tore dem Gebet, und sein typisches Feiern — der Bodenknien — ist zu seiner Visitenkarte geworden.
Islam bringt in den Fußball strenge Disziplin und den Regime ein. Viele muslimische Spieler fasten während des Ramadan, was eine besondere Herangehensweise an das Training und die Erholung erfordert. Einige Vereine beschäftigen spezialisierte Ernährungsberater und geistliche Berater, um den Spielern zu helfen, das Fasten und den professionellen Sport zu kombinieren. Es ist interessant zu beachten, dass der Fußball in einigen muslimischen Ländern eine Plattform für interkonfessionellen Dialog wird: Mannschaften aus verschiedenen Ländern treffen sich auf dem Feld und zeigen, dass Sport stärker als politische und religiöse Differenzen sein kann.
Islam betont auch die Bedeutung der Brüderlichkeit und der Gleichheit. Im Fußball zeigt sich dies in dem Teamgeist, bei dem alle Spieler, unabhängig von ihrer Herkunft, auf eine gemeinsame Ziel arbeiten. Das ist im Einklang mit dem islamischen Ideal der Ummah — einer einheitlichen Gemeinschaft der Gläubigen. Daher ist für viele muslimische Spieler Fußball nicht nur Arbeit, sondern Dienst.
Die Verbindung zwischen Judentum und Fußball ist weniger offensichtlich, aber sie existiert. In Israel ist Fußball eine nationale Leidenschaft und eng mit der jüdischen Identität verwoben. Vereine wie Maccabi Tel Aviv sind historisch mit dem Zionistenbewegung verbunden und symbolisieren das Wiederaufleben des jüdischen Staates. In Europa haben jüdische Gemeinschaften oft ihre eigenen Fußballvereine geschaffen, um sich selbst zu organisieren und vor Antisemitismus zu schützen.
Es gibt Beispiele in der Geschichte, bei denen Fußball für jüdische Gemeinschaften ein Weg des Überlebens in Zeiten der Verfolgung wurde. Spieler wie der berühmte Torwart von Ajax, Adolf van der Vart, retteten Menschen in den Kriegsjahren, indem sie ihren sportlichen Status nutzten. Und nach dem Krieg halfen Fußball in Europa jüdischen Familien, sich zu erholen und ihr Selbstwertgefühl zurückzugewinnen.
Judentum bringt auch seine Rituale in den Fußball ein: die Einhaltung des Sabbats, des Koshers und anderer Gebote erfordert von jüdischen Spielern ein spezielles Zeitplan und Ernährung. Dies schafft zusätzliche Herausforderungen, stärkt jedoch die Verbindung zwischen Religion und Sport, macht sie unauflöslich.
In asiatischen Ländern, insbesondere in Thailand, Japan und Korea, beeinflusst der Buddhismus den Fußball durch die Philosophie des Bewusstseins und des Gleichgewichts. Buddhistische Mönche segnen oft Mannschaften vor Spielen, und Spieler praktizieren Meditation, um die Konzentration und Stressbewältigung zu verbessern. In einigen Vereinen werden buddhistische Lehren zur Arbeit mit dem psychischen Zustand der Spieler verwendet, um ihnen zu helfen, in kritischen Situationen ruhig zu bleiben.
Buddhismus lehrt, Verluste mit Stolz zu akzeptieren und sich nicht an Ergebnissen zu hängen. Dies hilft Spielern, nicht auszubrechen und die Liebe zum Spiel zu behalten, auch wenn alles nach Plan läuft. In einer Welt, in der Fußball oft zum Geschäft und zur Politik wird, erinnert der buddhistische Ansatz daran, dass das Spiel vor allem Freude und ein Weg zur Selbsterkenntnis ist.
Leider kann Religion nicht nur eine verbindende, sondern auch eine spaltende Kraft sein. Der bekannteste Beispiel sind die Fußballderbys zwischen Katholiken und Protestanten in Schottland («Celtic» und «Rangers»), die lange über den Sport hinausgehen und eine Plattform für die Ausdrucksform jahrhundertealter religiöser und politischer Konflikte geworden sind. Ähnliche Konflikte gibt es auch in anderen Ländern — zum Beispiel in Spanien («Barcelona» und «Real»), wo das Gegensatz zwischen Katalanen und Spaniern auch einen religiösen Akzent hat.
Aber in den letzten Jahren arbeiten Fußballorganisationen aktiv daran, religiöse Intoleranz von den Stadien zu entfernen. Anti-Diskriminierungskodizes werden eingeführt, Bildungsprogramme für Fans durchgeführt. Obwohl das Problem besteht, ist der faktische Erkennung seiner Existenz ein Schritt vorwärts.
Religion beeinflusst auch das Spielplanung. In Ländern mit starken religiösen Traditionen werden Spiele nicht an Tagen großer Feste — Weihnachten, Ostern, Ramadan, Jom Kippur — durchgeführt. Dies erfordert eine Abstimmung zwischen den Ligen und religiösen Organisationen. Allerdings führt dies manchmal zu Konflikten: zum Beispiel, wenn Spiele zu Zeiten der Gebet oder des Fastens angesetzt werden. Muslime müssen manchmal zwischen der Teilnahme an einem Spiel und der Einhaltung religiöser Verpflichtungen wählen.
Es gibt aber auch positive Beispiele. In den letzten Jahren werden spezielle Spiele anlässlich religiöser Feste durchgeführt, die für die gesamte Gemeinschaft zu einem Ereignis werden. Diese Spiele fördern den interreligiösen Dialog und zeigen, dass Fußball ein Ort der Begegnung und nicht der Teilung sein kann.
Religion und Fußball sind zwei mächtige Strömungen, die die menschliche Kultur prägen. Sie können konkurrieren, aber sie können auch einander ergänzen. Im besten Fall macht Religion den Fußball menschlicher, erinnert an Werte wie Gerechtigkeit, Mitgefühl und Brüderlichkeit. Und Fußball gibt der Religion Raum, wo diese Werte praktiziert werden können — auf den Stadien, in den Umkleideräumen, in den Herzen von Millionen. Und wenn wir sehen, wie Spieler nach einem Tor beten oder wie Fans verschiedener Religionen einander unterstützen, verstehen wir: Religion und Fußball sind nicht Feinde, sondern Verbündete in der gemeinsamen Aufgabe — der Aufgabe, Menschen zu sein.
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