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Winterschriften Mozarts: zwischen sakraler Auftragsarbeit und persönlicher Frömmigkeit

Einführung: Kirchenmusik in der Aufklärung

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791), als Musiker am Hof des Salzburger Erzherzogs Hieronymus Colloredo (bis 1781), schuf einen bedeutenden Korpus geistlicher Musik, ein Teil davon ist direkt mit dem Weihnachtszyklus verbunden. Diese Werke sind nicht im modernen Sinne "festschmückend"; sie stellen liturgische Musik dar, die für bestimmte kirchliche Gottesdienste vom Advent bis zur Epiphanie geschaffen wurde. Ihre Analyse ermöglicht es, nicht nur die Musikästhetik des späten Barock und des frühen Klassizismus, sondern auch den Platz des Komponisten im System der kirchlich-hofischen Aufträge sowie seine persönlich, tief individuell verstandene Deutung der sakralen Texte wiederzuerstellen.

"Krönungsmesse" KV 317: Messe für die Pastoren-Nachtmesse

Obwohl die berühmte "Kronungsmesse" in D-Dur (KV 317, 1779) keinen direkten Weihnachtsnamen hat, verbindet die musikwissenschaftliche Tradition und der historische Kontext ihrer Entstehung sie fest mit dem Fest. Laut Forschungen könnte sie für die Pastorenmesse (Pastoralmesse) im Salzburger Dom anlässlich der Krönung der Gottesmutter oder für Weihnachten geschrieben worden sein. Ihre Musik enthält pastorale, "pastorale" Intonationen, die an die Szene des Kanzelschmucks der Hirten erinnern. Besonders auffällig ist dies im Sanctus und Agnus Dei, wo die solistische Violine eine Atmosphäre lyrischer Kontemplation und heiterer Freude schafft. Diese Messe ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Mozart im Rahmen des strengen liturgischen Genres eine unglaubliche Ausdrucksfähigkeit erreicht, indem er Majestät (in den feierlichen Chor-Kyrie und Gloria) mit kammerlicher, fast intimer Lyrik verbindet.

Litaneien und Vesper: Musik für den liturgischen Zyklus

Mozart schuf eine Reihe von Werken für die Gottesdienste, die dem Weihnachtsfest vorausgehen und es umgeben:

Litaniae Lauretanae KV 195 (186d) (1774). Die Litanie ist ein Gebetsgesang mit Aufzählung der Epitaphe der Jungfrau Maria. Mozart, ein 18-jähriger Junge, nähert sich dem Text mit erstaunlicher Reife. Der Teil "Sancta Maria" stellt eine zarte, betende Siciliana dar, und das abschließende "Agnus Dei" ist von bescheidener, eindringlicher Trauer erfüllt, die spätere Meisterwerke vorauszudeuten. Dieses Werk klang in den Vorweihnachtstagen.

Vesperae KV 321 (1779), bekannt als "Vesperae Salzburgische". Geschrieben für die Adventssonntagsvesper. Ihr abschließendes "Magnificat" ist ein virtuoses, fast opernhaft dramaturgisch aufgeladenes Hymnus, voller Kontraste und dynamischer Stimmungsänderungen, von der feierlichen Chorale bis zu jubelnden Solopassagen. Dies ist Musik von spannungsvollem und fröhlichem Warten.

Ein bemerkenswerter Fakt: Der Erzbischof Colloredo, ein Reformer im Geist der Aufklärung, verlangte von der Kirchenmusik eine relative Kürze und Klarheit, ohne übertriebene polyphonen Komplexität. Mozart, der diese Beschränkungen leidete, erreichte dennoch unter den vorgeschriebenen Bedingungen höchste künstlerische Ergebnisse, indem er die klare klassische Form mit tiefstem Gefühl durchdringt.

"Orfaniche" Motetten und unvollendetes Weihnachtslied "Laudate Dominum"

Abweichende Aufmerksamkeit verdienen die kleinen Motetten auf lateinische Psalmtexte:

"Exsultate, jubilate" KV 165 (158a) (1773). Obwohl dieser berühmte Motet für den Osterzeitraum geschrieben wurde, ist seine abschließende Halleluja, die zur Visitenkarte des fröhlichen Triumphs geworden ist, absolut universell und wird oft in Weihnachtsprogrammen als Symbol der allgemeinen Lobpreisung aufgeführt.

Mozart begann auch, "Laudate Dominum" (aus der Vesper KV 339, 1780) zu schreiben — einer der vollkommensten seiner geistlichen Werke. Seine einfühlsame, nachdenkliche Melodie für Sopran, die in einen chorischen Halleluja übergeht, verkörpert die Idee der persönlichen, verborgenen Glauben, die mit dem universellen Triumph verschmilzt. Dieses Werk hat sich in den Weihnachtsrepertoire eingeschlichen.

Kammerliche und weltliche Reflektionen: Musik für das Fest

Es gibt keine direkten "Weihnachts" instrumentalen Werke Mozarts, aber einige Werke sind mit der winterlichen Zeit und dem häuslichen Musikmachen in den adeligen Salons verbunden:

Die drei "Winter" Konzerte für Violin und Orchester (KV 216, 218, 219) aus dem Jahr 1775, die, obwohl sie nicht programmatisch sind, durch ihre elegante, manchmal schneeweiß klare Lyrik mit der Festatmosphäre harmonieren.

Deutsche Tänze (Teutsche) und Menuette, die bei den Weihnachtsbällen gespielt werden konnten.

Aber das Hauptereignis des "sitzlichen" Weihnachtsfestes kann das Finale der Oper "Don Giovanni" (1787) sein. Ironischerweise fand die Uraufführung in Prag am 29. Oktober statt, aber in Wien wurde die Oper am 7. Dezember 1787 erstmals aufgeführt. Auf diese Weise erklang der großartige Schluss mit der Erscheinung des Kommandanten und dem Fall des Helden erstmals in den Vorweihnachtstagen, schuf einen mächtigen Kontrapunkt zur Thematik der Vergeltung und des moralischen Entscheidens.

Schluss: Menschheit in Klang

Die Weihnachtswerke Mozarts sind keine Musik über den Weihnachtsbaum und die Geschenke. Dies ist eine tiefere theologische und humanistische Äußerung über die Inkarnation, die Hoffnung und die menschliche Freude vor dem göttlichen Angesicht. In ihnen zeigt sich Mozart, der oft mit den kirchlichen Behörden konfliktierte, als Musiker einer ehrlichen und komplexen Religion. Seine Musik für Weihnachten ist frei von süßlichen Sentimentalität; sie kombiniert:

Feierliche Herrlichkeit (wie in den Chorälen der Messen), die den kosmischen Umfang des Ereignisses widerspiegelt.

Pastorale Einfachheit und Zärtlichkeit (Hirtenmotive), die die Menschlichkeit des Neugeborenen anzeigt.

Individuelle, intime Andacht (in Solo-Arien und Motetten), die einen vertrauensvollen Dialog der Seele mit Gott ausdrückt.

Überwältigende, zündende Freude (Abschluss-Hallelujas), die den Sieg des Lichts symbolisiert.

Durch das Perfektion der klassischen Form, durch das melodische Talent, das unübertroffen ist, konnte Mozart die Essenz des Festes ausdrücken: die Begegnung des Ewigen und des Zeitlichen, des Göttlichen und des Menschlichen. Seine Musik für Weihnachten ist keine Illustration für das Ereignis, sondern seine sakrale klangliche Realisierung, wo die Hoffnung nicht mehr eine Emotion, sondern die Architektur der Harmonie wird, und die Freude die Struktur der musikalischenPhrase. Es erinnert daran, dass das Fest nicht auf dem Alltag, sondern auf dem Geheimnis basiert, und Mozart war einer der greatesten musikalischen Deutern dieser Geheimnisse.


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