Die Wallfahrt in die Heiligen Lande zu den Orten der Geburt Jesu Christi ist einer der ältesten und bedeutendsten Phänomene in der Geschichte der christlichen Spiritualität. Ihre Evolution spiegelt Veränderungen im Theologen, der Geopolitik und den sozial-kulturellen Praktiken wider.
Das systematische Wallfahrtswesen beginnt nach der Legalisierung des Christentums im 4. Jahrhundert. Kaiser Konstantin der Große und seine Mutter Helena initiierten den Bau von Basiliken an den Schlüsselorten der Evangelien. Die erste Basilika in Bethlehem (Basilika der Geburt Christi) wurde 339 geweiht. Dies verwandelte die Wallfahrt von einem privaten Unterfangen in einen öffentlichen Akt, der von der Kaiserin unterstützt wurde. Eine der ersten detaillierten Beschreibungen solcher Reisen ist das "Itinerarium Burdigalense" eines anonymen Autors aus Bordeaux (333 n. Chr.), das Stationen und Entfernungen angibt.
Interessanterweise spielte das weibliche Wallfahrt eine enorme Rolle. Das Wallfahrtswesen der edlen römischen Frau Egeria (Sylvia Aquitana) am Ende des 4. Jahrhunderts, beschrieben im "Itinerarium Egeriae", enthält Details der Gottesdienste in Bethlehem am Heiligen Abend, was ein wertvoller Quelltext zur Liturgik ist.
Im Mittelalter wurde das Wallfahrtswesen massiv, trotz der riesigen Risiken. Der Weg aus Europa dauerte Monate, die Pilger waren Krankheiten, Raub und Willkür der lokalen Behörden ausgesetzt. Nach der Eroberung Palästinas durch die Muslime (7. Jahrhundert) wurde der Zugang zu den Heiligtümern reguliert und manchmal eingeschränkt, aber selten vollständig unterbrochen — das war für die Behörden wirtschaftlich vorteilhaft. In Bethlehem wurde ein wichtiger Episod, als die Franziskaner im 14. Jahrhundert vom Sultan das Recht erhielten, in der Basilika des Heiligen Abends Gottesdienste zu feiern, was ihre Präsenz festigte.
Ein besonderer Status hatten die "Ablassbriefe" (Indulgenzen), die den Pilgern für das Besuchen der Heiligtümer versprochen wurden. In Bethlehem erhielt ein Pilger ein vollständiges Ablass. Dies förderte den Zustrom der Menschen, trotz aller Schwierigkeiten.
Der 19. Jahrhundert brachte grundlegende Veränderungen:
Wissenschaftlicher Interesse. Die Veröffentlichung detaillierter Berichte (wie "Reise in den Osten" von A.S. Nоров) kombinierte sich mit Archäologie und Geographie.
Infrastruktur. Mit der Eröffnung des Sueskanals (1869) und der Entwicklung der Dampfschifffahrt wurde der Weg auf Wochen verkürzt. Es appeared die ersten Reiseführer (z.B. Karl Baedeker) und organisierte Touren.
Geopolitik. Die Verstärkung des Einflusses europäischer Mächte (insbesondere Russlands) in der osmanischen Türkei führte zu einem massiven Bau von Klöstern, Krankenhäusern und Infrastruktur für Pilger. Russische Pilger, oft einfache Bauern, zogen tausendfach nach Jerusalem und Bethlehem über Odessa.
Heute ist die Wallfahrt nach Bethlehem ein komplexer Synthese:
Religiöser Tourismus: Organisierte Gruppen kombinieren das Gebet an der silbernen Stern in der Höhle der Geburt mit dem Besuch von Museen und Geschäften mit Perlmutter.
Politischer Kontext: Bethlehem befindet sich seit 1995 unter der Verwaltung der palästinensischen Autonomie. Pilger gelangen dort aus Jerusalem durch den israelischen Kontrollpunkt im Trennungswall, was der Reise eine besondere, manchmal beunruhigende Dimension hinzufügt.
Ökumenische Dimension: Die Basilika des Heiligen Abends ist ein gemeinsames Eigentum (condominium) der drei Kirchen: der griechisch-orthodoxen, der armenischen und der katholischen (des Ordens der Franziskaner). Ein strenger Reglementarismus der Gottesdienste und das Recht auf Reinigung (berühmte "Unberührbare Treppe" an der Fassade, die seit 1852 nicht mehr gereinigt wird als Symbol des Status quo) zeigen den brüchigen interkonfessionellen Ausgleich.
Alternative Praktiken: Neben Bethlehem besuchen Pilger das "Feld der Hirten" (Bait Sahur), wo nach Überlieferung der Engel den Hirten verkündete, und den Milchgrotten. Es wächst das Interesse am "Weg von Josef und Maria" von Nazareth nach Bethlehem, der als Fußweg für das Nachdenken interpretiert wird.
Trotz der Verfügbarkeit virtueller Touren bleibt das physische Wallfahrt ein einzigartiges Erlebnis. Es ist eine "incarnierte" Praxis, bei der die Müdigkeit des Weges, die multinationale Masse vor den Krippen, der Duft von Weihrauch und die Geräusche der Gebete in verschiedenen Sprachen den Effekt der Gemeinschaft nicht nur der heiligen Geschichte, sondern auch des lebendigen, vielfältigen christlichen Gemeinwesens schaffen. Die Wallfahrt heute ist eine Brücke zwischen der alten Religion und der modernen Welt, eine persönliche Antwort auf das Evangelium: "Geht hin und seht" (Joh. 1:39).
Auf diese Weise ist die Geschichte der Wallfahrt nach Bethlehem ein Spiegel der Geschichte des Christentums selbst: von den heldenhaften individuellen Taten der frühen Epochen über die kollektive Identität des Mittelalters bis zum komplexen Phänomen der Gegenwart, in dem geistige Bestrebungen mit politischen Realitäten und der Logistik der globalen Welt verschlungen sind. Aber seine Mitte — das Streben nach einem Treffen mit dem Geheimnis der Inkarnation — bleibt über 17 Jahrhunderte unverändert.
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