Die Geschichte der Rechte des Kindes spiegelt die Evolution der Vorstellungen vom Kindesalter und der Rolle des Kindes in der Gesellschaft wider. Bis ins 20. Jahrhundert wurden Kinder im rechtlichen Bereich hauptsächlich als Objekte betrachtet — entweder der elterlichen Macht (römische patria potestas) oder der staatlichen Fürsorge und Wohltätigkeit. Die Gegenwart ist durch den Übergang zur Konzeption des Kindes als Rechtssubjekt gekennzeichnet, das über eigene, unveräußerliche Freiheiten und Interessen verfügt, die der Staat schützen muss. Dies ist ein grundlegender Wechsel von «Recht auf das Kind» zu «Rechten des Kindes».
Die moderne Konzeption der Rechte des Kindes hat sich durch mehrere Schlüsselprozesse entwickelt:
Industrielle Revolution und Beginn der gesetzlichen Schutzmaßnahmen: Die breite Nutzung der Kinderarbeit in Fabriken im 18. und 19. Jahrhundert führte zu den ersten Gesetzen zur Beschränkung der Arbeitszeit und des Arbeitsalters von Kindern (z.B. die englischen Fabrikgesetze von 1802 und 1833). Dies war der erste Schritt zur Anerkennung der Verletzbarkeit des Kindes und der Verantwortung des Staates.
Bewegung zur Rettung der Kinder und Jugendgerichtshof: Am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstand in den USA und Europa die Bewegung der «child savers», die sich gegen Vernachlässigung und Misshandlung kämpfte. Ein wichtiges rechtliches Neuerung war die Schaffung des ersten Jugendgerichts in Chicago (1899), das auf der Idee der Rehabilitation und nicht der Strafe basierte.
Erklärung der Rechte des Kindes von 1924 (Genfer Erklärung): Verabschiedet von der Liga der Nationen auf Initiative von Eglantyne Jebb, der Gründerin von Save the Children, formulierte sie zum ersten Mal fünf Prinzipien der internationalen Fürsorge für Kinder. Dies war jedoch ein moralischer und nicht rechtlich bindender Dokument.
Schlüssigkeitsfact: Im Jahr 1919 wurde bei der Gründung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) eine ihrer ersten Konventionen die Konvention Nr. 5 über den Mindestalter für die Aufnahme von Arbeit in der Industrie (1919), die das Alter von 14 Jahren festlegte. Dies zeigte, dass der Schutz der Kinder Teil der globalen sozialen Politik wurde.
Verabschiedet von der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 20. November 1989, das Übereinkommen über die Rechte des Kindes (UN-KRK) wurde zum am schnellsten und breitester ratifizierten internationalen Vertrag in der Geschichte (es wurde von allen UN-Mitgliedstaaten, mit Ausnahme der USA, ratifiziert). Dies ist kein Deklaration, sondern ein rechtlich bindendes Instrument, das auf vier grundlegenden Prinzipien basiert:
Keine Diskriminierung (Artikel 2).
Beste Sicherstellung der Interessen des Kindes (Artikel 3) — ein Prinzip, das bei allen Maßnahmen in Bezug auf Kinder Vorrang haben muss.
Recht auf Leben, Überleben und Entwicklung (Artikel 6).
Respektierung der Ansichten des Kindes (Artikel 12) — das Recht des Kindes, seine Meinung frei zu äußern zu Fragen, die es betreffen, und gehört zu werden. Dies ist ein Eckpfeiler der Idee des Kindes als Rechtssubjekt.
Das Übereinkommen vereint drei Gruppen von Rechten:
Rechte zur Sicherstellung (Recht auf Namen, Staatsbürgerschaft, Bildung, Gesundheitswesen).
Rechte zum Schutz (vor Misshandlung, Ausbeutung, Entführung).
Rechte zur Teilnahme (Freiheit des Geistes, der Religion, der Religion, Zugang zu Informationen, Teilnahme am öffentlichen Leben).
Beispiel der Umsetzung: Norwegen hat seit den 1980er Jahren den Grundsatz des Artikels 12 systematisch durch das Institut des Kinderombudsmanns (Barneombudet) und obligatorische Verfahren der «Kindesanhörung» in Familiengerichten, Schulen und Gemeinden umgesetzt.
Seit mehr als 30 Jahren nach der Annahme des UN-KRK hat sich der Kontext geändert und neue Herausforderungen hervorgebracht:
Digitale Umgebung: Die Rechte des Kindes stehen vor neuen Risiken (Cybermobbing, grooming, Ausbeutung personenbezogener Daten) und Möglichkeiten. Die Antwort war die Entstehung der Konzeption der digitalen Rechte der Kinder. Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes veröffentlichte 2021 die allgemeine Erwägung Nr. 25, die die Anwendung des UN-KRK im digitalen Raum konkretisiert.
Klimawandel: Kinder werden als am stärksten gefährdete Gruppe durch die Folgen des Klimakrisis (Unterernährung, Krankheiten, psychische Traumata) anerkannt. Dies führte zur Bewegung für Klimagerechtigkeit für Kinder und zu den ersten strategischen Gerichtsverfahren, in denen Kinder (z.B. im Fall «Kinder gegen Klimakrise» vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte) von Staaten verlangen, ihre Verpflichtungen zur Schutz ihrer Zukunft zu erfüllen.
Migration und Flüchtlinge: Millionen von Kindern weltweit befinden sich in einer Situation zwangsweiser Migration. Das Übereinkommen verlangt von Staaten, die Schutz von Kindern-Flüchtlingen und Migranten unabhängig von ihrem Status zu gewährleisten, was oft in Konflikt mit der Migrationspolitik steht.
Interessanter Fact: Im Jahr 2020 reichte die 16-jährige Aktivistin Susanne Pristl aus Österreich eine Beschwerde beim UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes gegen fünf Länder (Argentinien, Brasilien, Frankreich, Deutschland, Türkei) wegen Untätigkeit im Bereich des Klimawandels ein, behauptend, dass dies ihre Rechte auf Leben, Gesundheit und Kultur verletze. Obwohl der Ausschuss aus verfahrenstechnischen Gründen keine Verletzung anerkannte, erklärte er zum ersten Mal klar, dass ein Staat für Klimaschäden haften kann, die Kindern außerhalb seiner Grenzen zugefügt werden, wenn er ein großer Emittent ist.
Die Umsetzung der Rechte des Kindes stößt auf Kritik:
Kultureller Relativismus: Die Universalität der Rechte des Kindes wird von einigen Staaten und Kulturen angezweifelt, die den Vorrang traditioneller familiärer Werte und elterlicher Rechte beanspruchen.
Überopferung vs. Autonomie: Der Ausgleich zwischen dem Schutz des Kindes und der Achtung seiner wachsenden Autonomie bleibt Gegenstand von Streitigkeiten. Die Konzeption des «Rechts auf Risiko» in der Entwicklung des Kindes steht manchmal im Widerspruch zum Sicherheitsprinzip.
Institutionelle Probleme: In vielen Ländern bleibt das System zum Schutz der Kinder karrieristisch und institutionell (Heime), nicht auf die Unterstützung der Familie ausgerichtet, was dem Geist der Konvention widerspricht.
Die Geschichte der Rechte des Kindes zeigt beeindruckenden Fortschritt: Von völligem Rechtlosigkeit bis zur Anerkennung auf höchstem internationalem Niveau. Das Übereinkommen von 1989 hat einen universellen Standard gesetzt. Allerdings zeigt die Gegenwart, dass die formelle Festlegung der Rechte nicht ausreichend ist.
Die Zukunft der Rechte des Kindes liegt in der Realisierung des Rechts auf Teilnahme. Dies bedeutet nicht nur Konsultationen mit Kindern, sondern die Einbeziehung von Kindern in Entscheidungsprozesse in der Familie, Schule, Stadt und auf globaler Ebene zu Fragen, die sie betreffen — von der Gestaltung des Schulhofes bis zur Klimapolitik. Die Ära, in der Erwachsene für Kinder entscheiden, geht in die Geschichte. Die neue Paradigma erfordert, dass Erwachsene gemeinsam mit Kindern entscheiden, ihre Kompetenz und ihren einzigartigen Blickwinkel auf die Welt anerkennend. Die Rechte des Kindes werden nicht mehr nur als Schutzmaßnahmen, sondern als Instrument zur Schaffung eines inklusiveren, gerechteren und nachhaltigeren Gesellschaft für alle.
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