Das Philippov-Fasten (Rождеznenski) ist einer der vier langen Fasten in der orthodoxen Tradition, das von 28. November bis 6. Januar dauert. Aus medizinischer und nutritiologischer Sicht stellt es ein einzigartiges Beispiel für ein langes,zyklisch wiederholtes Nahrungsbeschränkung mit bestimmten qualitativen Merkmalen dar (Verzicht auf tierische Produkte, an bestimmten Tagen auf Fisch und Pflanzenöl). Die Untersuchung seines Einflusses auf den Körper während der Krankheit erfordert eine komplexe Analyse, die nicht nur die Biochemie der Ernährung, sondern auch die psychoneuroimmunologischen Aspekte des Glaubens und des Rituals berücksichtigt.
Energetischer Gleichgewicht und Protein: Das Hauptbeschränkung ist der Mangel an vollwertigem tierischem Protein, das alle essentiellen Aminosäuren enthält. Für einen gesunden Organismus kann ein kurzfristiger Mangel durch pflanzliche Kombinationen (Bohnen + Getreide) kompensiert werden. Allerdings steigt der Bedarf an Protein während der Krankheit erheblich an — es ist für die Synthese von Immunglobulinen, Antikörpern und der Reparatur von Geweben erforderlich. Ein langes Fasten mit einem unausgewogenen pflanzlichen Speiseplan kann die Genesung bei akuten Infektionen, Verletzungen und nach Operationen verlangsamen.
Fettlösliche Vitamine und Spurenelemente: Der Verzicht auf tierische Produkte schafft das Risiko eines Mangels an Vitamin B12 (kritisch für die Blutbildung und das Nervensystem), Eisen (in Häm-Form, besser resorbiert), Calcium und Vitamin D (insbesondere bei fehlendem Fisch und Milchprodukten). Dies kann Zustände verschlimmern, die mit Anämie, Osteoporose und immunologischer Dysfunktion verbunden sind.
Ballaststoffe und Mikrobiom: Der plötzliche Wechsel zu einer reichen Ballaststoffkost (Gemüse, Getreide, Bohnen) kann bei unvorbereiteten Menschen Dyspepsie verursachen (Blähungen, Gasbildung). Allerdings hat dies in der langfristigen Perspektive einen positiven Einfluss auf das Darmmikrobiom, was für das Immunsystem von Bedeutung ist. Aber bei akuten gastroenterologischen Erkrankungen (Gastritis, Kolitis, Pankreatitis) kann eine grobe pflanzliche Kost kontraindiziert sein.
"Fasten" Zucker und Kohlenhydrate: Das Risiko eines "fasten" Menüs ist das Verschieben in Richtung einfacher Kohlenhydrate (fasten Backwaren, Süßigkeiten auf Pflanzenöl, Nudeln). Dies kann Anstiege des Blutzuckerspiegels verursachen, was besonders ungünstig bei Diabetes und metabolischem Syndrom ist.
Der Einfluss des Fastens beschränkt sich nicht nur auf die Biochemie. Eine Schlüsselrolle spielt der psychologische Kontext.
Maßiger Stress als Training: Das Fasten kann als Form eines moderaten hormetischen Stresses (Hormesis) betrachtet werden. Ein kurzzeitiges Kalorienbeschränkung und die Änderung der Metabolischen Wege können zelluläre Mechanismen der Autophagie ("Reinigung" von beschädigten Komponenten) aktivieren und die Resistenz gegen oxidativen Stress erhöhen. Dies gilt jedoch nur für einen gesunden Organismus und bei der Vollständigkeit des pflanzlichen Speiseplans.
Ritus und Gefühl des Kontroll: Die Einhaltung des Fastens als eines sinnvollen Ritus kann ein psychologisches Vorteil geben — Gefühl des Kontroll über sein Leben, der Zugehörigkeit zur Tradition, was die existentielle Angst verringert. Im Kontext chronischer Krankheiten kann dies ein unterstützender Faktor sein. Allerdings, wenn das Fasten starken Stress, Schuldgefühle oder wird eine zwanghafte Idee verursacht, wird der Effekt negativ.
Placebo- und Nocebo-Effekte: Der Glaube an die heilende oder geistige Kraft des Fastens kann starke psychosomatische Reaktionen auslösen. Die Erwartung der Reinigung und des Gesundheitswesens kann subjektiv den Zustand verbessern (Placebo). Im Gegenteil, die Angst, den Fasten zu verletzen oder die Überzeugung von seiner Verpflichtung, selbst bei Krankheit, kann Symptome durch Mechanismen von Nocebo verschlimmern.
Die orthodoxe Kirche betrachtet den Fasten seit jeher nicht als Selbstzweck oder Strafe der Leibes, sondern als asketisches Mittel zur Heilung der Seele, das vernünftig sein sollte. Die kanonischen Regeln (z.B. in den Schriften der heiligen Väter widergespiegelt) verordnen ausdrücklich die Lockerung des Fastens für Kranke, Reisende, Ältere, Schwangere und Stillende.
Prinzip der "Oikonomie" (Ökonomie, Οἰκονομία): Dies ist ein Schlüsselkonzept, das es ermöglicht, von der Strenge der Regeln abzuweichen, um das Leben des Menschen zu retten. Die körperliche Gesundheit wird als Bedingung für das geistige Handeln angesehen.
Modernen Empfehlungen der Geistlichen: Die meisten Priester bestehen darauf, dass das Fasten während einer akuten Krankheit oder einer Verschlimmerung einer chronischen Krankheit unbedingt gemildert oder aufgehoben werden muss, entsprechend der göttlichen Segnung. Der Verzehr von Festmahl als Medizin ist erlaubt.
Somit, aus der kanonischen Perspektive, ist Krankheit eine respektvolle und ausreichende Grundlage für die Änderung des Fastenregimes. Die beharrliche Einhaltung des Fastens zum Nachteil der Gesundheit kann als Ausdruck von Stolz und Unvernunft angesehen werden.
Akute Infektionskrankheiten (ARI, Grippe, Pneumonie): Der Körper benötigt leicht verdauliche Proteine und Energie, um mit der Infektion zu kämpfen. Ein strenges Fasten ist nicht angebracht. Empfohlen wird: Hühnerbrühe (enthält Cystein, das den Schleim löst), gekochter Fisch, Eier in Scheiben, Milchprodukte.
Chronische Erkrankungen des Verdauungstrakts (Gastritis, Ulkus, Cholezystitis): Die grobe Zellulose roher Gemüse, Pilze, Bohnen kann eine Exazerbation verursachen. Das Fastenmenü muss angepasst werden: pürierte Suppen, gedünstete Gemüse, gekochte Getreide, Begrenzung von Bohnen.
Diabetes mellitus: Der Kontrolle der Kohlenhydrate ist entscheidend. Es ist erforderlich, das Menü sorgfältig zu planen, den Überfluss an posten Kohlenhydraten (Brot, Kartoffeln, Nudeln) zu vermeiden, den Fokus auf Gemüse mit niedrigem glykämischen Index und pflanzliche Proteine zu legen und den häufigen Überwachung des Blutzuckerspiegels.
Anämie und Mangelszustände: Bei Eisenmangelanämie und B12-Mangelanämie ist ein strenges Fasten kontraindiziert, da es das Zustand verschlimmern kann. Es ist erforderlich, Produkte zu enthalten, die Häm-Eisen und Vitamin B12 enthalten.
Onkologische Erkrankungen und Rekonvaleszenzzeit: Der Bedarf an hochproteinhaltiger Ernährung zur Aufrechterhaltung des Körpergewichts und zur Wiederherstellung von Geweben ist sehr hoch. Jegliche Beschränkung muss mit dem Onkologen und dem Ernährungsberater abgestimmt werden.
Die Praxis des Fastens bei Krankheit hat tiefwurzelnde historische Wurzeln. In der Antike war das Fasten oft eine zwangsweise Maßnahme während des winterlichen Produktmangels. Die Kirche, indem sie postische Perioden einführt, hat diese saisonale Rhythmik teilweise kanonisiert. Der Vergleich mit anderen Traditionen (z.B. der muslimische Ramadan, der den vollen Verzicht auf Essen und Trinken im hellen Zeitraum vorschreibt) zeigt, dass in allen abrahamischen Religionen klare Ausnahmen für Kranke bestehen.
Interessanter Fakt: Studien, die auf der griechischen Insel Kreta (wo orthodoxe Fasten traditionell streng beobachtet werden), haben gezeigt, dass bei den Einwohnern, die regelmäßig fasten, seltener Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten. Der Schlüsselfaktor war jedoch nicht die Askese selbst, sondern der Typ der posten Diät — der Überfluss an Olivenöl, Gemüse, Bohnen und Fisch in den erlaubten Tagen, d.h. faktisch die mediterrane Diät.
Die Interaktion zwischen dem Philippov-Fasten und der Krankheit ist ein Bereich, wo sich spirituelle Praktiken und biologische Imperative begegnen. Aus wissenschaftlicher Sicht birgt ein langes qualitatives Nahrungsbeschränkung für einen unvorbereiteten, geschwächten kranken Organismus Risiken eines Mangels an Nährstoffen und einer Verlangsamung der Genesung.
Diese Risiken können jedoch neutralisiert werden, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:
Der Gesundheitsvorrang: Die Anerkennung der Krankheit als rechtmäßige Grundlage für die Milderung des Fastens, entsprechend den kirchlichen Kanonen sowie der medizinischen Logik.
Verstandiges Planen der Ernährung: Das Fastenmenü während der Krankheit (wenn es keine absoluten Kontraindikationen gibt) muss besonders sorgfältig ausgewogen sein, was Proteine (durch pflanzliche Kombinationen, Sojaprodukte, Nüsse) betrifft, Mikroelementen und Vitaminen, möglicherweise mit Hilfe von angereicherten Produkten oder Ergänzungen (z.B. B12).
Individueller Ansatz: Die obligatorische Beratung mit dem behandelnden Arzt und, wenn gewünscht, mit dem Priester zur Entwicklung eines persönlichen Regimes, bei dem die spirituelle Praxis nicht in Konflikt mit den physiologischen Bedürfnissen des Körpers, die auf die Heilung gerichtet sind, gerät, ist obligatorisch.
Somit kann das Fasten während der Krankheit aus einer potenziell schädlichen Beschränkung in eine bewusste, angepasste Praxis transformiert werden, bei der der Fokus von der formellen Ablehnung des Festmahls auf eine sorgfältige, besonnene Haltung gegenüber dem eigenen Körper als einem Geschenk, das Sorgfalt und Respekt auch in der Askese erfordert, verschoben wird. Schließlich stimmen Medizin und Theologie in der Hauptsache überein: die Behandlung von Krankheiten und die Erhaltung der Gesundheit sind eine wichtige Aufgabe, und der extreme Rigorismus, der dem Körper schadet, kann nicht spirituell fruchtbar sein.
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