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Die Ziege als Symbol des Festes: Von der neolithischen Kult bis zur Weihnachtsverkleidung

Einführung: Der ambivalente Archetyp der Fruchtbarkeit und der Unreinheit

Die Ziege als festlicher Symbol repräsentiert einen der am stärksten und vielschichtigsten Archetypen in der Mythologie und der Ritualkultur der indogermanischen Völker. Ihr Bild durchzieht die Kalenderrituale von den Winterheiligen bis zu den Frühlingsfeste, kombiniert scheinbar gegensätzliche Werte: Fruchtbarkeit, Lebenskraft, Opferbereitschaft sowie die Verbindung mit dem chthonischen (unterirdischen) Welt und der Unreinheit. Eine wissenschaftliche Analyse dieses Phänomens erfordert den Rückgriff auf die Zooarchäologie, die vergleichende Mythologie und die Ethnologie.

Mythologische Wurzeln: Heiliges Tier und Opfertier

In der tiefsten Antike war die Ziege eines der ersten domestizierten Tiere (etwa vor 10.000 Jahren) und wurde ein wichtiger Ressource (Milch, Fleisch, Haut, Wolle). Dies veranlasste ihren sakralen Status.

  • Symbol der Fruchtbarkeit und der Lebenskraft: Die hohe Fruchtbarkeit und die Ausdauer der Ziege machten sie zu einem natürlichen Symbol der vitalen Kraft, des Reichtums und der Fortpflanzung des Geschlechts. In der antiken Tradition ernährte die Ziege Amalthea Zeus, und ihr Horn wurde zum Cornucopia.

  • Attribute der Götter und Geister: Die Ziege war das heilige Tier vieler Gottheiten: des griechischen Pans (Gott der wilden Natur) und des Dionysos (in seinem chthonischen Aspekt), des skandinavischen Thors, whose Wagen von den Eseln Thangrihnir und Thangnystir gezogen wird, die er töten und wieder auferwecken konnte. Hier zeigt sich die Ambivalenz: Die Ziege ist mit kreativen, aber unkontrollierbaren Naturkräften verbunden.

  • Opfertier: Aufgrund ihres Wertes diente die Ziege oft als ausgleichende Opfer in Ritualen. In der slawischen Tradition bestand die Tradition des «Kozlienen Entlassens» — der Vertreibung in den Wald oder der symbolischen Ermordung der Ziege-«Trägerin» der Böden und Krankheiten des abgelaufenen Jahres.

Die Ziege in den Winterritualen: Das «Führen der Ziege» zu den Heiligen Drei Königen

Das einprägsamste Erscheinungsbild der Ziege als festlicher Symbol bei den östlichen Slawen ist der Ritus des «Führens der Ziege» während der Heiligen Drei Könige (der Zeitraum von Weihnachten bis zur Taufe). Dies war ein komplexer Ritualtheater.

  1. Charakter und Attribute: «Die Ziege» wurde von einem Kostümierten dargestellt — häufig ein Mann, der einen umgedrehten Wolle nach außen gerichteten Mantel trug, eine aus Holz oder aus Textilien gefertigte Kopfbedeckung mit Hörnern und einer beweglichen Kiefer, an der eine Leine aus Leinen befestigt war, und eine aus Leinen gefertigte Behaarung. Die Ziege wurde von einer «Schwärze» begleitet: Kostümierter, Musiker, «Opa», «Zigeuner».

  2. Sujet des Rituals: Das Handeln wurde in jedem Haus aufgeführt. Die Ziege tanzte, kniete sich, «hieb» die Hauseigentümer, imitierte die Lebenskraft. Der Höhepunkt war das rituelle «Sterben» und «Auferstehen» der Ziege. Sie fiel um, und einer der Teilnehmer («Opa» oder «Arzt») begann, sie mit Puppeninstrumenten oder Zaubersprüchen zu «heilen», nach dem sie aufstand und mit neuer Kraft tanzte.

  3. Sinn und Funktionen:

    • Agrarische Magie: Das Ritual war ein produzierender Ritual. Das «Sterben» und «Auferstehen» der Ziege symbolisierte das Sterben und das Wiederaufleben der Natur, das die Fruchtbarkeit der Felder und den Bestand des Viehs im neuen Jahr gewährleisten sollte.

    • Wunsch nach Glück: Die Lieder-Weihnachtslieder, die während des Akts gesungen wurden, verbanden die Ziege direkt mit dem Glück des Hauses: «Wo die Ziege geht, da wächst Getreide, wo die Ziege den Schwanz schlägt, da wächst Getreide wie Busch».

    • Abwehrmagie: Der groteske Bild und das laute Begleitende könnten auch die Funktion des Vertreibens der Unreinheit erfüllen, die im «Grenzbereich» des heiligen Drei-Könige-Zeitraums aktiviert wurde.

Die Ziege im europäischen Kontext: Von den Saturnalien bis zum Knecht Ruprecht

  • Römische Saturnalien: Im römischen Zeitraum bestand die Tradition, einen «Scherz-König» für den Festtag auszuwählen, der gekleidet und nach einigen Angaben mit der Ziegen-Symbolik verbunden sein könnte (der Ziegenkopf als Attribut der Favnen und Satyren, der Teilnehmer der orgiastischen Festlichkeiten).

  • Deutsche-österreichischer Perchtenlauf: Im alpinen Raum erscheinen während der Heiligen Drei Könige verkleidete in schreckliche Masken Perchten — Wintergeister. Unter ihnen ist oft eine ziegenähnliche Figur (Verbindung mit dem démonischen). Später beeinflusste diese Figur in Teilwiese das Bild des Begleiters des heiligen Nikolaus — des Knecht Ruprecht oder Krampe, der, obwohl er nicht direkt ein Ziege ist, die räuberische, schreckliche Attributik erbt.

Die Ziege in den Frühlingsritualen: Maslenitsa und der Empfang des Frühlings

Die Symbolik der Ziege als Träger der Lebenskraft ist auch für den Frühlingszyklus relevant. In einigen Regionen Russlands wurde auf der Maslenitsa nicht nur das Bild des Winters, sondern auch eine verkleidete lebende Ziege oder ein Kostümierte als «Ziege» in den Wagen gefahren. Dies war ein Ritual des Aufrufens des sonnigen Wärmes und der Fruchtbarkeit, bei dem die Ziege als Vermittler zwischen dem abgelaufenen Winter und dem bevorstehenden Frühling auftrat.

Entwicklung und moderne Inkarnationen

  • Theatralisierung und Folklorisierung: Im 20. und 21. Jahrhundert hat sich das «Führen der Ziege» vom magischen Ritual in ein folkloristisches Nummer verwandelt, ein Element von Konzerten und Festveranstaltungen. Der magische Sinn ist verloren gegangen, geblieben ist die Ästhetik und die spielerische Komponente.

  • Winter- und Neujahrskunst: In skandinavischen Ländern (insbesondere in Schweden und Norwegen) ist der aus Stroh gefertigte Weihnachtskäfig Julebukk weit verbreitet. Ursprünglich könnte dies ein Kostümierte sein, der um eine Belohnung gebeten hat (ähnlich dem Klingen), jetzt ein beliebtes Dekor aus Stroh. Ein interessanter Fakt: Die Stadt Örle in Schweden ist bekannt für die gigantische Strohfigur eines Ziegen, die regelmäßig von Vandalen angezündet wird — dies ist eine seltsame Fortsetzung der alten Symbolik des Opfersverbrennens.

  • Popularisierung des Knecht Ruprecht: In den letzten Jahrzehnten hat es in der globalen Kultur einen Anstieg der Popularität des Knecht Ruprecht gegeben — des räuberischen und behaarten Begleiters/Antipoden von Santa Claus, der unbotmäßigen Kindern Strafe androht. Dieses Bild geht direkt auf den alpinen démonischen kozligeschen Geist zurück und belebt die «dunkle», chthonische Seite der Ziegen-Symbolik.

Schluss: Die Ziege als Konzentrat archaischer Bedeutungen

Die Ziege als festlicher Symbol ist ein beeindruckendes Beispiel für den rituellen Konservatismus. Von der sakralen Opfertier des Neolithikums bis zum Kostümierten der Weihnachtsveranstaltungen und des modernen Souvenirs hat sie das Kern ihrer Semantik behalten: die unzerstörbare Lebenskraft, die Fruchtbarkeit und die Verbindung mit anderen Welten. Ihre Ambivalenz (Lebensschöpferin / chthonischer Geist) entspricht perfekt dem Geist der Kalenderfeste, insbesondere der Winterfeste, die selbst ein Zeitraum des Übergangs, des Mischens von Grenzen, des Todes des Alten und der Geburt des Neuen sind. In der tanzenden, «tötenden» und «auferstandenen» Ziege sahen unsere Vorfahren ein Modell der Welt, die, despite the winter death, unbedingt wiedergeboren werden würde. Somit erwies sich dieser, scheinbar einfache ländliche Bild als einer der ältesten und tiefsten Symbole der Hoffnung des Menschengeschlechts auf das zyklische Update des Lebens.


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