Die Staatsflagge der Tschechischen Republik, die sich aus einem klassischen rechteckigen Tuch mit zwei gleich großen horizontalen Streifen — einer weißen oberen und einer roten unteren — und einem blauen Keil am Bugkamm zusammensetzt, ist einer der am besten erkannten nationalen Symbole der Welt. Ihre Farben und Komposition tragen eine tief historische und Heraldik-Ladung, die ihren Ursprung im Mittelalter hat. Jeder der Farben stellt nicht nur eine ästhetische Wahl dar, sondern eine verschlüsselte Botschaft, die die Geschichte der tschechischen Gebiete und ihren Weg zur Souveränität widerspiegelt.
Der Schlüssel zum Verständnis der Herkunft der Farben der Flagge ist das historische Wappen des Königreichs Böhmen — ein silberner (weißer) Löwe im Sprung auf einem rot (chervený) Schild. Die Kombination aus Weiß und Rot ist eine Tradition der tschechischen Gebiete und wird bereits seit dem 13. Jahrhundert in königlichen Siegeln festgehalten. Diese so genannten «böhmischen Farben» wurden im Laufe der Jahrhunderte in Fahnen, Standarten der Monarchen und militärischer Kleidung verwendet. Der blaue Farbton, obwohl er auf dem ursprünglichen Wappen von Böhmen nicht vorhanden war, hat eine nicht weniger wichtige Bedeutung, symbolisiert historische Gebiete Mähren und Schlesien und betont die Einheit der drei Gebiete, die die moderne Tschechische Republik bilden.
Mit dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie im Jahr 1918 stand dem neuen Staat der Tschechen und Slowaken die Aufgabe bevor, eigene staatliche Symbole zu schaffen, die sich von den roten-weißen österreichischen und den roten-weiß-blauen ungarischen Flaggen unterscheiden sollten. Zunächst wurde ein weiß-roter Bicolour verwendet, der identisch mit dem polnischen war, was diplomatische Verwirrung verursachte und den slowakischen Bestandteil der Föderation nicht widerspiegelte. Im Jahr 1920 beschloss das Nationalkongress der Tschechoslowakei den heutigen Design mit dem blauen Keil. Der Erfinder dieser genialen Lösung war der Heraldiker und Mitarbeiter der Archivdienststelle Jaroslav Kursa. Der blaue Keil, der bis zur Mitte des Tuchs reicht, unterscheidet den Flagge visuell vom polnischen und bringt die Symbolik der Slowakei ein, auf deren Wappen blau erhebende Berge dargestellt sind.
Die Farbkombination des tschechischen Flagges wird im Rahmen der traditionellen europäischen Heraldik-Symbolik interpretiert. Weiß (Silber) symbolisiert Reinheit, Frieden und Ehrlichkeit. Rot (Chervlén) symbolisiert das Blut, das für die Freiheit und Unabhängigkeit der Heimat vergossen wurde, sowie Mut und Standhaftigkeit des Volkes. Blau (Lazur) wird traditionell mit Souveränität, Treue und Wahrheit in Verbindung gebracht, sowie mit Himmel und Wasserflächen, was die Hoffnungen auf ein glänzendes und stabiles Gemeinwesen widerspiegelt. Zusammen erzeugen die drei Farben einen harmonischen Ausgleich, bei dem Frieden und Reinheit auf dem Fundament von Mut und Bestrebungen nach himmlischen Idealen ruhen.
Die Einzigartigkeit der tschechischen Flagge liegt in ihrer bemerkenswerten historischen Stabilität. Im Gegensatz zu vielen anderen Staaten der Region hat Tschechien seinen Flagge seit 1920 unverändert beibehalten, mit Ausnahme der Perioden der zwangsweisen Annexion an das nationalsozialistische Deutschland und der kommunistischen Herrschaft, in denen Symbole der Unabhängigkeit unterdrückt wurden. Nach dem «Bархатному разводу» von 1993 und der Gründung der unabhängigen Tschechischen Republik hat das neue Staat bewusst die Flagge der Tschechoslowakei beibehalten. Dieser Schritt wurde ein mächtiger Akt der Kontinuität, der betont, dass Tschechien nicht nur Erbin der historischen Gebiete Böhmen, Mähren und Schlesien, sondern auch der demokratischen Traditionen der Ersten Tschechoslowakischen Republik ist. Auf diese Weise dienen die Farben der tschechischen Flagge nicht nur als visuelle Identifikationsmarke auf der internationalen Bühne, sondern auch als lebendiges Erinnerung an den komplexen und kontinuierlichen Weg der tschechischen Staatsgründung.
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