Der LEGO-Baukasten, 1932 in Dänemark entwickelt, ist längst mehr als nur ein Kinderspielzeug. Aus Sicht der Neurowissenschaften, Entwicklungspsychologie und Pädagogik ist er eine hochstrukturierte, multimodale Umgebung zur Entwicklung und Schulung des Gehirns. Seine Einzigartigkeit liegt in der Kombination von taktiler Interaktion, räumlichem Denken und kreativer Freiheit. Der Nutzen des Spiels mit LEGO ist altersunabhängig, wobei sich die konkreten Ausprägungen und Ziele bei Kindern und Erwachsenen unterscheiden.
Der Umgang mit kleinen Bauteilen erfordert eine präzise Koordination von Auge und Hand, eine koordinierte Fingerarbeit (Pinzettengriff) und die Regulierung der Muskelkraft. Dies stimuliert entsprechende Bereiche der motorischen Hirnrinde und des Kleinhirns. Für Kinder mit Entwicklungsbesonderheiten (z. B. ASS) ist LEGO-Therapie eine evidenzbasierte Methode zur Förderung der sensorischen Integration und kommunikativen Fähigkeiten durch gemeinsames strukturiertes Bauen.
Das Bauen nach Anleitung oder das Erschaffen eigener Modelle erfordert:
Räumliche Vorstellungskraft: Mentales Drehen der Teile, Verständnis ihrer gegenseitigen Anordnung im 3D-Raum.
Proportionen und Symmetrie: Aneignung grundlegender geometrischer und ingenieurmäßiger Prinzipien.
Zählen und Klassifizieren: Notwendigkeit, Teile zu zählen und nach Farbe, Form, Größe zu sortieren.
Wissenschaftliche Erkenntnis: Studien der Boston University zeigten, dass Kinder, die regelmäßig mit Baukästen (einschließlich LEGO) spielen, höhere Ergebnisse in Tests zum räumlichen Denken erzielen, was ein starker Prädiktor für zukünftige Erfolge in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) ist.
Dies sind die „Management“-Fähigkeiten des Gehirns, entscheidend für Erfolg in Schule und Leben. LEGO trainiert sie umfassend:
Arbeitsgedächtnis: Das Behalten von Anleitungen oder eigenen Bauplänen im Kopf.
Kognitive Flexibilität: Die Fähigkeit, zwischen verschiedenen Aufgaben zu wechseln (Teil finden, anbringen, mit dem Plan abgleichen) und den Plan zu ändern, wenn etwas nicht klappt.
Selbstkontrolle und Planung: Die Notwendigkeit, Schrittfolgen einzuhalten und den sofortigen Erfolg (einen Turm bauen) zugunsten eines komplexeren Ziels (eine Burg bauen) aufzuschieben.
Freies Konstruieren ist reine Kreativität. Das Kind begegnet Problemen („Wie mache ich das Dach stabil?“, „Wie verbinde ich diese Teile?“) und sucht unkonventionelle Lösungen, experimentiert, erlebt Misserfolge und versucht es erneut. Dies fördert eine Growth Mindset – die Haltung des Wachstums, den Glauben daran, dass Anstrengung und Ausdauer zu besseren Ergebnissen führen.
Gemeinsames Spielen mit LEGO lehrt:
Teamarbeit und Aufgabenverteilung.
Kommunikation: Ideen diskutieren, argumentieren, verhandeln („Ich baue die Garage, du das Auto“).
Konfliktlösung bei begrenzten Ressourcen (die coolsten Teile).
Interessante Tatsache: LEGO Serious Play (LSP) ist eine offizielle Methode, entwickelt von der Firma LEGO zur Förderung von Kreativität und Lösung von Geschäftsproblemen in Unternehmen. Ihre Wurzeln liegen in Beobachtungen, wie Kinder und Erwachsene unterschiedlich denken und kommunizieren, indem sie die Steine als „dreidimensionale Sprache“ nutzen.
Für das erwachsene Gehirn erfüllt LEGO andere, aber nicht weniger wichtige Funktionen.
Der monotone, aber leichte Konzentration erfordernde Prozess des Sortierens der Teile und Bauens nach Anleitung versetzt in einen Zustand, der Meditation oder Flow (nach Mihaly Csikszentmihalyi) ähnelt.
Senkung von Cortisol: Routinemäßige, sich wiederholende Handlungen beruhigen das limbische System und reduzieren das Stresshormon.
Fokus auf das Hier und Jetzt: Ablenkung von ängstlichen Gedanken über Vergangenheit oder Zukunft, Konzentration auf taktile Empfindungen und die konkrete Aufgabe „hier und jetzt“.
Für Erwachsene, deren berufliche Tätigkeit oft nur begrenzte neuronale Verbindungen beansprucht, ist LEGO eine neurobische Übung.
Selten genutzte Bereiche, zuständig für Feinmotorik und räumliches Denken, werden aktiviert.
Das Erschaffen neuer, unkonventioneller Modelle fördert divergentes Denken (Suche nach vielen Lösungen), das mit dem Alter oft nachlässt.
Dies kann der Prävention altersbedingter neurodegenerativer Veränderungen dienen und die Plastizität des Gehirns erhalten.
Im professionellen Umfeld (Architektur, Design, Ingenieurwesen, Projektmanagement) wird LEGO verwendet für:
Schnelles Erstellen von Prototypen für Ideen und Konzepte.
Visualisierung komplexer Prozesse oder organisatorischer Strukturen (im Rahmen von Methoden wie LEGO Serious Play).
Durchführung von Brainstormings, bei denen taktile Interaktion hilft, kreative Blockaden zu überwinden.
Beispiel: Google und NASA nutzen LEGO zur Modellierung von Ideen und Durchführung innovativer Workshops mit Mitarbeitern. In medizinischen Fakultäten werden damit Modelle von DNA-Molekülen oder anatomischen Strukturen gebaut.
Das gemeinsame Spielen von Erwachsenen und Kindern mit LEGO schafft einen einzigartigen Raum gleichberechtigter Partnerschaft ohne Druck elterlicher Autorität. Für Erwachsene ist es auch eine Reise in die Kindheit (Nostalgie), die, wie Studien zeigen, die emotionale Widerstandsfähigkeit und das Gefühl von Lebenszusammenhang stärken kann.
Taktilität + Visuelles: Aktiviert mehrere Wahrnehmungskanäle gleichzeitig, was neuronale Verbindungen stärkt.
Struktur + Freiheit: Balance zwischen klaren Regeln (Form der Teile, Verbindungsarten) und grenzenloser kreativer Freiheit. Das ist die ideale Lernumgebung.
Greifbares Ergebnis: Sofortiges Feedback und ein konkretes, mit den eigenen Händen geschaffenes Produkt vermitteln Kompetenzgefühl und Zufriedenheit in jedem Alter.
Skalierbare Komplexität: Von einfachen Türmen für Zweijährige bis zu tausendteiligen Technik-Sets für Erwachsene – das System wächst mit dem Nutzer mit.
Der Nutzen von LEGO geht weit über das Spiel hinaus. Für Kinder sind es Baugerüste für das sich entwickelnde Gehirn, ein Werkzeug zum Erlernen physikalischer Gesetze, sozialer Normen und des eigenen kreativen Potenzials. Für Erwachsene ist es ein therapeutisches Werkzeug, ein Trainingsgerät für kognitive Flexibilität und eine Brücke zum kindlichen Teil des Selbst.
In einer Welt, die von flachen Bildschirmen und abstrakten Informationen dominiert wird, bringt LEGO uns zurück zu fundamentalen, evolutionär vertrauten Formen des Erkennens: durch Hände, durch Raum, durch Schaffen. Es erinnert daran, dass der effektivste Weg, Komplexes zu verstehen, oft darin besteht, es buchstäblich Stein für Stein zusammenzusetzen – sei es eine Burg aus kindlicher Fantasie oder eine neue Geschäftsstrategie. In diesem Sinne wird der LEGO-Stein nicht nur zum Spielzeug, sondern zur Einheit des Denkens, einem universellen Vermittler zwischen der inneren Welt der Idee und der äußeren Welt der realisierten Form.
New publications: |
Popular with readers: |
News from other countries: |
![]() |
Editorial Contacts |
About · News · For Advertisers |
Digital Library of Kazakhstan ® All rights reserved.
2017-2026, BIBLIO.KZ is a part of Libmonster, international library network (open map) Keeping the heritage of Kazakhstan |
US-Great Britain
Sweden
Serbia
Russia
Belarus
Ukraine
Kazakhstan
Moldova
Tajikistan
Estonia
Russia-2
Belarus-2