Recep Tayyip Erdoğan ist einer der bedeutendsten und einflussreichsten politischen Akteure der modernen Türkei. Sein Weg von bescheidenen Kindheitstagen im städtischen Bezirk Kasımpaşa bis zum ununterbrochenen Führer des Landes während zweier Jahrzehnte spiegelt tiefgreifende Transformationen sowohl in der türkischen Gesellschaft als auch in seinem politischen System wider. Erdoğan vereint die Merkmale eines charismatischen Populisten, eines pragmatischen Ökonomen und eines überzeugten Islamisten, was seinen einzigartigen Führungsstil prägt.
Frühe Jahre und Anfang der politischen Karriere
Geboren am 26. Februar 1954 in Istanbul, verband Erdoğan von jungem Alter an Interesse an Religion und Politik. Er absolvierte das religiöse Gymnasium «İmam Hatipları» und später den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Marmara. Seine politische Aktivität begann im Jugendflügel der Partei für nationale Rettung, die islamistische Ansichten vertrat. 1994 wurde er als Bürgermeister von Istanbul von der Partei für Wohlstand gewählt. Auf diesem Posten erwies er sich als effizienter Technokrat, der viele städtische Probleme von der Begrünung bis zur Wasserversorgung löste, was ihm breite Popularität einbrachte.
Der Aufstieg zur nationalen Macht und die ersten Reformen
Ein Wendepunkt in seiner Karriere war das Jahr 2002, als die von ihm geführte Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung eine überwältigende Wahl siegte. Diese Wahl war eine Reaktion der Wähler auf den wirtschaftlichen Crash und die Korruption der traditionellen Parteien. 2003 übernahm Erdoğan, nach Überwindung rechtlicher Hindernisse (1998 verbrachte er eine Gefängnisstrafe wegen Lesens eines religiösen Gedichts), das Amt des Premierministers. Seine Regierung führte umfassende wirtschaftliche Reformen durch, die einen rasanten Wachstum, den Beginn der Verhandlungen über den Beitritt zur EU und den Zustrom ausländischer Investitionen förderten. Dieser Zeitraum wird oft als «Goldenes Zeitalter» seiner Herrschaft bezeichnet.
Stärkung der Macht und Übergang zur präsidialen Republik
Mit der Zeit wurde der Regierungsstil Erdoğans immer autoritärer. Ein Schlüsselmoment war die Massenproteste im Gezi-Park 2013, die brutal unterdrückt wurden. 2014 wurde Erdoğan zum türkischen Präsidenten gewählt, und nach dem Militärputschversuch im Juli 2016 wurde seine Macht endgültig gefestigt. Die Verhängung des Ausnahmezustands ermöglichte umfassende Säuberungen in der Armee, im Staatsapparat, in der akademischen Gemeinschaft und den Medien. 2017 wurde auf seine Initiative hin ein verfassungsgebender Referendum durchgeführt, der den Posten des Premierministers abschaffte und die Türkei von einer parlamentarischen Republik in eine präsidiale Republik verwandelte, indem er enorme Befugnisse in die Hände des Staatsoberhauptes konzentrierte.
Außenpolitik: Von «null Problemen mit den Nachbarn» zum Neo-Osmanismus
Der Außenpolitikkurs Erdoğans durchlief eine erhebliche Evolution. Wenn er in den ersten Jahren die Doktrin «null Probleme mit den Nachbarn» vertrat, dann wechselte er später zu einer aggressiveren und interventionistischen Politik, die als Neo-Osmanismus bezeichnet wird. Unter seiner Führung hat die Türkei aktiv in Konflikte in Syrien, Libyen und im Nagorno-Karabach eingegriffen, Kämpfe mit kurdischen Formationen im Irak und Syrien geführt und schwierige Beziehungen zu den Westen, insbesondere zu den USA und der EU, aufgebaut, die zwischen Zusammenarbeit im Rahmen der NATO und scharfen Krisen schwankten. Gleichzeitig stärkte Erdoğan die Beziehungen zu Russland, indem er komplexe Beziehungen aufbaute, die Elemente der Partnerschaft (z.B. in Bezug auf Syrien und im Energiesektor) und des Gegensatzes (wie in Libyen und Karabach) kombinieren.
Innere Politik und Erbe
Innerhalb des Landes wird die Herrschaft Erdoğans durch den Anstieg des islamischen Konservatismus, die Verstärkung der Kontrolle über das Rechtssystem und die Medien sowie umfassende Infrastrukturprojekte gekennzeichnet. Trotz der anhaltenden Popularität bei einem erheblichen Teil der Bevölkerung polarisiert seine Politik das Gesellschaft. Der wirtschaftliche Crash, die hohe Inflation und der Rückgang des Lira-Werts in den letzten Jahren stellen eine erhebliche Herausforderung für seinen Regierungsstil dar. Dennoch bleibt er in der türkischen Politik dominiert, indem er bei Wahlen siegt, wie dies 2023 der Fall war, als er für einen dritten Präsidentenzeitraum wiedergewählt wurde. Seine Figur bleibt ein Symbol der Transformation der Türkei von einem säkularen kemalistischen Staat zu einer unabhängigen regionalen Macht mit starken islamischen und autoritären Merkmalen.
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