Die Frage, wer genau als erster dem neugeborenen Christus gedient hat, berührt tiefere Schichten der exegetischen Exegese, des historischen Kontexts und der nachfolgenden Rezeption. Verschiedene Traditionen — die Anbetung der Hirten (Lk. 2:8-20) und die Anbetung der Weisen (Mt. 2:1-12) — existieren nicht nur im Kanon nebeneinander, sondern haben auch eine komplexe symbolische Evolution durchlaufen, in deren Verlauf die Magier aus dem Osten im Bewusstsein der Gläubigen allmählich in Könige transformiert wurden.
Hirten (Evangelium nach Lukas).
Kontext: Eine sozial mariginalisierte Gruppe, aber innerhalb der jüdischen Tradition. Ihre Berufung, obwohl nicht ehrenwert, war mit kultischer Praxis verbunden (Haltung von Opfertieren für den jerusalemischen Tempel). Das himmlische Evangelium ("sehet, ich verkündige euch eine große Freude") ist ihnen direkt adressiert.
Symbolik: Sie verkörpern den israelitischen Volk, insbesondere seine armen und einfachen Schichten, die die Gute Botschaft als Erste annahmen. Ihr Gedenken ist schnell, direkt, durch das himmlische Zeichen hervorgerufen.
Wolhwen (Evangelium nach Matthäus).
Termin: Das griechische μάγοι (μάγой) bezeichnete persische oder babylonische Priester-Astronomen, Träumerdeuter, Weisen, nicht Könige. Im antiken Welt war man oft mit geheimem Wissen verbunden.
Kontext: Heiden aus dem Osten (vermutlich aus der Partherreich), die einem astronomischen Phänomen (Stern) folgen. Ihr Weg ist lang, ein bewusster Suchprozess nach Wahrheit.
Symbolik: Sie repräsentieren die Welt der Heiden, die dem Messias dienen, das universale Ausmaß des Ereignisses öffnend. Ihre Gaben (Gold — dem König, Weihrauch — Gott, Myrrhe — dem Toten) haben prophetische Bedeutung.
Die Transformation der Weisen in Könige ist das Ergebnis einer langen theologischen und kulturellen Interpretation.
Prophetische Grundlagen: Kirchliche Schriftsteller (beginnend mit Tertullian, ca. 200 n. Chr.) sahen in diesem Ereignis die Erfüllung der alttestamentlichen Prophezeiungen, z. B. Psalm 71:10-11 ("Die Könige von Persien und den Inseln bringen ihm Tribut; die Könige von Arabien und Seba bringen ihm Gaben; und sie werden ihm dienen") und die Prophezeiungen Isaiahs (60:3, 6). Dies gab den Grund für die "Neuidentifikation" der Magier als Könige.
Stabile Zahl "Dreifaltigkeit": Obwohl das Evangelium ihre Zahl nicht nennt, etablierte sich auf Grundlage der drei Gaben bis zum 3.-4. Jahrhundert die Tradition von drei Charakteren. Diese Zahl erhielt ein reichhaltiges symbolisches Deutung: drei Teile der Welt (späterer Konzept), drei menschliche Rassen (nach Isidor von Sevilla), drei Altersgruppen des Menschen.
Entstehung von Namen und königlichen Attributen: In der westlichen Tradition, beginnend mit dem frühen Mittelalter, werden ihnen Namen — Kaspar (oder Gaspard), Melchior und Balthasar — zugeschrieben. In der Kunst werden sie in königlichen Kleidern und Kronen dargestellt, und seit dem 12. Jahrhundert wird Balthasar oft als dunkelhäutiger König dargestellt, der Afrika symbolisiert. Dies spiegelt die Idee wider, dass der gesamte Weltordnung (die drei damals bekannten Weltteile und die drei Rassen) die Herrschaft Christi anerkennt.
Beide Anbetungen sind komplementär und erfüllen verschiedene theologische Funktionen:
Aspekt Hirten (Lukas) Wolhwen/Zaren (Matthäus)
Sozialer Status Niedriger, marginalisierter Höherer, elitär (in der Interpretation)
Ethnische Zugehörigkeit Jude Christen (nicht-Juden)
Weg zur Glaube Durch direkte göttliche Offenbarung (Engel) Durch Beobachtung der Natur und wissenschaftlichen Kenntnissen (Stern)
Zeit Unmittelbar nach der Geburt (in der Krippe) Später (im Haus, Mt. 2:11) — Fest der Erscheinung des Herrn
Symbolik Inneres, "heimliches" Bekenntnis des Messias von Israel Außenstehendes, universelles Bekenntnis des Königs von allen Völkern
Interessanter Fakt: In der frühchristlichen Kunst (Katakomben, Sarkophage) tritt die Szene der Anbetung der Weisen früher als die Szene der Anbetung der Hirten (bereits im 2.-3. Jahrhundert) auf, was die Bedeutung des Themas der Offenbarung an die Heiden für die Apologeten der Kirche betont.
Das Orthodoxie behält den Begriff "Weisen" bei, betont sie als Weisen und feiert ihre Anbetung am Epiphanias (6/19. Januar) als Teil der allgemeinen Offenbarung an die Welt.
Die Katholizität und der Protestantismus, insbesondere nach dem Mittelalter, sprechen häufiger von "Drei Königen". In der westlichen Liturgischen Kalender ist ihr Fest (Epiphanias, 6. Januar) auch dem Erscheinen Christi an den Heiden gewidmet.
Somit stellt die Frage "Weisen, Hirten oder Könige?" keine Wahl eines einzigen Modells dar. Hirten — historische und soziale Konkretisierung, die das Erfüllen der Versprechen innerhalb Israels symbolisiert. Weisen — historische Personen, deren Bild theologisch vertieft wurde bis zum Symbol des universellen Bekenntnisses des Messias. Ihre spätere Transformation in Könige ist nicht ein Fehler, sondern das Produkt eines liturgischen und künstlerischen Verständnisses, eine visuelle Ausdrucksform der Idee, dass Christus der König aller Könige ist. Beide Gruppen, dargestellt in verschiedenen Evangelien, bilden eine einheitliche Bild: Die Rettung in Christus ist bestimmt für einfache und reinherzige (Hirten), für kluge und mächtige der Welt (Weisen-Könige), für Juden und Heiden. Ihr gemeinsames Auftreten im Weihnachtsnarrativ betont den universellen, katholischen Charakter des christlichen Evangeliums.
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