Internationale Raumstation (ISS) — der größte Ingenieurprojekt der Menschheit. Aber sie wird alt. Ihr erster Modul «Zarya» wurde 1998 ins All geschickt. Bis 2030 wird die ISS wahrscheinlich im Pazifik versenkt. Was weiter? Die Menschheit kann den Weltraum nicht aufgeben. Neue Stationen werden folgen — kommerzielle, nationale, internationale und später auch Mondstationen. Wie werden sie aussehen? Wer wird sie bauen? Und wofür brauchen wir sie?
Die ISS ist ein Wunder der Ingenieurkunst, aber sie verschleißt. Risse, Luftlecks, Metallermüdung. Der Betrieb wird immer teurer (etwa 4 Milliarden Dollar pro Jahr). 2022 bestätigte NASA Pläne, die Station nach 2030 zu versenken. Roskosmos stimmte auch zu (mit Vorbehalten). Russland plant, den ISS-Projekt nach 2028 zu verlassen. China hat seine eigene Station «Tiangong». Die USA möchten zu kommerziellen Stationen übergehen. So nähert sich die Ära der ISS ihrem Ende. Aber neue Stationen sind nicht weit entfernt.
ROSS ist ein Projekt für eine neue russische Station. Sie soll auf eine hochgelegene Umlaufbahn (Neigung 96-98 Grad) gebracht werden, um ganz Russland, einschließlich des Nordwestpazifiks, zu überblicken. Das gibt es auf der ISS nicht. Es wird zwei Phasen geben: Zuerst das Modul «Nauka-2» (früher «Nauka»), dann noch vier weitere. Die Station wird besucht, aber nicht ständig bewohnt (Ressourcensparen). Der Start des ersten Moduls ist für etwa 2028 geplant. ROSS soll bis in die 2040er Jahre bestehen. China und Indien könnten daran teilnehmen, aber bisher ist der Projekt russisch.
«Tiangong» (Himmelstempel) arbeitet bereits. Seit 2022 ist sie mit drei Modulen in Umlauf. China plant, die Station zu erweitern, indem sie weitere Module hinzufügt, einschließlich eines Teleskops. Die Station ist für internationales Kooperationsprojekte geöffnet: Es gibt bereits Experimente aus Europa, Pakistan und Kenia. China erwägt auch die Möglichkeit, eine «internationale Mondstation» (ILRS) zusammen mit Russland zu schaffen. «Tiangong» wird mindestens 10 Jahre dienen.
Die USA setzen auf den Geschäft. Das Unternehmen Axiom Space plant, seine Station zu bauen, indem sie die ersten Module an die ISS andocken und dann abdocken. Der erste Modul von Axiom soll 2026 ins All geschickt werden. Die Station wird für Touristen, Forschung und Produktion (in der Schwerelosigkeit werden Medikamente und Fasern hergestellt) bestimmt. Blue Origin (Jeff Bezos) entwickelt die Station «Orbital Reef» gemeinsam mit Sierra Space. Lockheed Martin bietet «Starlab» an. Ziel ist es, die ISS bis 2030 zu ersetzen. Dies wird ein Markt und nicht ein staatliches Projekt sein.
Indien will nicht zurückbleiben. 2025 plant ISRO (Indisches Raumfahrtamt) den Start des ersten Moduls der nationalen Station (Bharatiya Antariksha Station). Die Station wird klein sein, für 2-3 Astronauten. Bisher ohne Anschlussschächte für andere Länder, aber in der Zukunft ja. Indien entwickelt aktiv seinen bemannten Raumschiff «Gaganyaan». Bis 2035 könnte die Station erweitert werden.
Lunar Orbital Platform-Gateway (LOP-G) ist keine Station um die Erde, sondern um den Mond. Ein gemeinsames Projekt von NASA, Roskosmos (teilnahme in Frage gestellt wegen der Politik), Europa, Japan und Kanada. Die ersten Module werden 2027-2028 ins All geschickt. Der «Gatesway» wird als Zwischenstation für Mondlandungen und für lange Flüge dienen. Sie wird klein (Besatzung 4 Personen für kurze Missionen) und auf einer elliptischen Umlaufbahn sein. Dies ist ein Schritt zum Mars.
Zukünftige Stationen könnten rotierende Abschnitte haben, um künstliche Schwerkraft zu erzeugen (Projekt NASA Nautilus-X). Dies wird die Gesundheitsprobleme der Astronauten lösen. Der 3D-Druck von Teilen auf der Station wird die Abhängigkeit von der Erde verringern. Künstliche Intelligenz wird die Lebenserhaltungssysteme und die Reparaturen durch Roboter steuern. Textil-Blasenmodule (Bigelow) wurden bereits getestet, sie sind leichter und billiger als metallische. Künftige Raumstationen werden modulärer, flexibler und intelligenter sein.
Gründe: wissenschaftliche Forschung (Biologie, Physik, Astronomie), Industrie (Medikamente, Materialien), Tourismus (SpaceX bringt bereits Touristen zur ISS), militärisliche Präsenz (noch illegal, aber Länder denken darüber nach), Tore zum Mond und Mars, Kosteneinsparungen bei Starts (man kann Raumschiffe in der Umlaufbahn zusammenbauen). Ohne Stationen hat bemannte Raumfahrt keinen Sinn. Das sind unsere Verteidigungslinien.
Internationale Raumstationen in der Zukunft sind nicht nur Konkurrenz, sondern auch Zusammenarbeit. Bereits heute einigen sich China und Russland über eine Mondstation, die USA und Europa bauen den «Gatesway». Die neue Ära wird fragmentierter, aber auch lebhafter sein. Kommerzielle Stationen öffnen den Weltraum für Privatpersonen. Vielleicht fliegen wir in 20 Jahren wie auf Urlaub in den Weltraum. Wichtig ist, nicht zu vergessen, dass Stationen ein Zuhause und nicht nur eine Maschine sind.
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