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Die Inkarnation des Gottes in Christentum und Islam: zwei radikal verschiedene Verständnisse einer biografischen Rahmenhandlung

Das Ereignis der Inkarnation, d.h. die Verkörperung Gottes in menschlicher Gestalt, ist ein zentraler Dogmat des Christentums und eine für den Islam absolut inakzeptable Idee. Dieses grundlegende Unterschied, der Bruch zwischen den beiden abrahamischen Religionen, geht auf ihr kernes Verständnis der Natur Gottes und seiner Verbindung mit der Welt zurück. Diese Thema muss systematisch betrachtet werden, indem theologische Grundlagen, die Interpretation derselben historischen Figuren (Jesus/Iesa und Maria/Maryam) und die Konsequenzen für die religiöse Praxis analysiert werden.

1. Christentum: Die Inkarnation als Mittelpunkt der Geschichte des Heils

In der christlichen Religion ist die Inkarnation nicht nur ein Wunder, sondern ein zentrales Ereignis der Weltgeschichte, eine ewige Entscheidung Gottes, das Menschengeschlecht zu retten.

  • Dogmatische Substanz: Das Wort Gottes (Logos), das zweite Glied der heiligen Dreifaltigkeit, wird von Vater ungeboren, nimmt die menschliche Natur an, verbindet sie unauflöslich und unteilbar mit der göttlichen in der Person Jesu Christi (Ihre Person). Dies wird in den Dogmaten des Chalkedonischen Konzils (451 n.Chr.) formuliert. Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch in einer Person.

  • Ziel und Sinn: Das Ziel der Inkarnation ist das Vergebung. Gott wird Mensch, um durch Seine freiwillige Tod und Auferstehung die Sünde und den Tod zu besiegen, das gefallene Menschengeschlecht mit sich zu versöhnen und ihm die Möglichkeit des Göttlichen (Theosis) zu geben. «Gott wurde Mensch, damit der Mensch Gott werden könne» (Heiliger Athanasius der Große).

  • Bedeutung der Jungfrau Maria: Maria ist nicht nur die Mutter des Propheten, sondern die Godmutter (Theotokos). Ihr Einverständnis («Sei es mir geschehen») ist die notwendige Bedingung für die Inkarnation. Ihre Jungfräulichkeit vor, während und nach der Geburt betont den übersinnlichen Charakter des Ereignisses. Der Dogma der Unschuld (1854) im Katholizismus behauptet, dass sie ohne ersten Sündenfall gezeugt wurde, um ein würdiger Vorrat für Gott zu sein.

Für den Christen dreht sich alles Theologie, Ethik und liturgisches Leben um den Fakt der Inkarnation. Die Eucharistie ist die Fortsetzung des inkarnierten Präsenz Christi, der Kreuz ist sein rettende Abschluss, und die Ikone ist sein visuelles Zeugnis.

2. Islam: kategorisches Nein und eine alternative Paradigma

Der Islam basiert auf dem Prinzip der absoluten Transzendenz und des Monotheismus (tauhid). Jegliche Idee der Verbindung Gottes mit der geschaffenen Welt, und insbesondere mit dem Menschen, wird als schwerster Verstoß gegen die Sünde shihr (Polytheismus, Zuweisung Allah gewisser Mitgeschöpfe) betrachtet.

  • Dogmatische Position: Allah ist absolut unersichtlich, hat kein Bild, wird nicht geboren und nicht geboren. Jesus (arab. Isa ibn Maryam) ist einer der greatest Propheten (rasul) und Botschafter Allahs, aber nur ein Mensch. Der Koran lehnt die Inkarnation klar ab: «Diejenigen, die sagen: «Allah ist der Messias, der Sohn Mariams»... Diejenigen, die sagen: «Allah ist der dritte von drei»» (5:72-73).

  • Interpretation der Geburt: Die Geschichte der Geburt Jesu wird im Koran (Sure 19) als großartiges Wunder beschrieben, das die Allmacht Allahs bestätigt, aber nicht seine Verkörperung. Isa wird von Maria geboren durch das Wort Allahs («Sei es geschehen»), ähnlich wie Adam ohne Vater und Mutter geschaffen wurde. Dies ist ein Wunder der Schöpfung, nicht der Naturverbindung. Der Koran sagt direkt, dass Isa «nicht mehr als ein Sklave» ist, dem Allah Gnade gab (43:59).

  • Bedeutung von Maria (Maryam): Maria im Islam ist die greatest von den Frauen, ein Vorbild der Reinheit, der Frömmigkeit und der Unterordnung. Sie wurde von Allah gewählt, aber ist ein Geschöpf. Ihre Jungfräulichkeit bei der Geburt Jesu betont die Exklusivität dieses prophetischen Zeugnisses (ayat), nicht ihre Rolle als Gottesmutter. Der Begriff «Gottesmutter» für Muslime ist profan.

Für den Muselman ist die Geschichte Jesu eine Erzählung über die Allmacht und die Güte Allahs, der einen weiteren Propheten mit einer Warnung und einer Führung schickt. Das Heil wird nicht durch die opfernde Opferung des Göttlichen Menschen erreicht, sondern durch das Befolgen des klaren Rufs Allahs, der in den Koran niedergegangen ist und durch die Propheten, deren Höhepunkt Muhammad ist.

Comparative Tabelle der Schlüsselaspekte

AspektChristentumIslam
Wesen von Jesus/Iesa Einziggeborener Sohn Gottes, das zweite Glied der Dreifaltigkeit, Göttlich-Mensch. Größter Prophet und Botschafter Allahs, nur Mensch, «Sklave Allahs».
Ereignis der Geburt Die Inkarnation: Die Verkörperung des ewigen Logos in die menschliche Natur. Wunder der Schöpfung: Die Schöpfung des Propheten ohne Vater als Zeichen der Allmacht Allahs.
Rolle von Maria/Maryam Godmutter (Theotokos). Ihr persönliches Einverständnis — Bedingung für die Inkarnation. Mutter des Propheten, greatest von den Frauen, Symbol der Reinheit und der Unterordnung.
Theologischer Kontext Trinitarisch: Gott ist ein in drei Personen (Vater, Sohn, Geist). Die Inkarnation ist ein Akt des Sohnes. Strikter Monotheismus (tauhid): Gott ist absolut einzig und hat keine «Gegenspieler».
Ziel der Mission von Jesus/Iesa Die Vergebung der Sünden des gesamten Menschengeschlechts durch den opfernden Tod und die Auferstehung. Bestätigung der vorherigen Offenbarungen (Tora), Predigt des Monotheismus und Warnung vor dem Jüngsten Tag.
Ende des irdischen Lebens Freiwillige Kreuzigung und körperliche Auferstehung — Grundlage des Glaubens. Erhöhung in den Himmel ohne Tod am Kreuz (er wurde ein anderer gekreuzigt). Er wird vor dem Ende der Welt als gerechter Richter zurückkehren.

Schlussfolgerung: Inkompatible Paradigmen

In dem Christentum tritt Gott opfernd in die Welt ein, um sie von innen zu heilen, indem er die Leiden des Menschen bis zum Tod teilt.

  • Versuche, diese Positionen auf theologischer Ebene zu annähern, sind zum Scheitern verurteilt, da sie die kernmäßigen Doktrinen voneinander verneinen. Dennoch ist das Verständnis dieser radikalen Unterschiede die Grundlage für einen respektvollen Dialog. Wenn man weiß, dass die Anerkennung Jesu als Gott für den Muselman eine schwerste Sünde ist und für den Christen die Verneinung seiner Göttlichkeit die Verneinung des Heils selbst ist, können die Seiten den aussichtslosen Streit vermeiden und sich auf gemeinsame ethische Werte und soziales Zusammenwirken konzentrieren, indem sie die Tiefe und die innere Logik des Glaubens voneinander respektieren.


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