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Die Anzahl der Kontinente auf der Erde im Lichte der modernen wissenschaftlichen Diskussionen


Einleitung: Der Mythos der universellen Modell


Die Frage «Wie viele Kontinente gibt es auf der Erde?» scheint auf den ersten Blick einfach zu sein. Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung gibt es kein einheitliches «wissenschaftliches» oder «offizielles» Zahl. Die Antwort variiert von vier bis sieben und mehr, abhängig von den verwendeten Kriterien — geografischen, geologischen, kulturellen und historischen. Moderne wissenschaftliche Diskussionen offenbaren, dass das Konzept «Kontinent» weniger ein natürlicher Phänomen als ein kulturhistorischer Konstrukt ist, der mit der Wissenschaft evolviert.

Wesentliche Kriterien für die Abgrenzung von Kontinenten

Die Diskussionen basieren auf einem Konflikt zwischen mehreren Ansätzen:

Geografischer (physikalisch-geografischer): Kontinent ist ein großer Landmassiv, das von anderen durch wasserbezogene Räume getrennt ist. Dies scheint einfach, aber sofort treten Widersprüche auf. Zum Beispiel sind Nord- und Südamerika durch den Isthmus von Panama verbunden, und Eurasien und Afrika durch den Sueskanal. Warum werden sie unterschiedliche Kontinente betrachtet? Hier hilft anderen Kriterien.

Geologischer (tektonischer): Kontinent ist ein großer Abschnitt der kontinentalen Erdkruste (25-70 km dick), der auf einer separaten Lithosphärenplatte liegt und eine gemeinsame geologische Geschichte hat. Dieser Ansatz, der in der modernen Wissenschaft dominiert, verändert die Landschaft radikal.

Historisch-kulturell: Kontinent wird als großer Raum mit einer gemeinsamen Geschichte, Kultur und politischem Verständnis betrachtet. Genau dieser Ansatz erklärt, warum Europa und Asien, die auf einer einzigen eurasischen Platte liegen, traditionell unterschiedliche Kontinente sind.

Grundlegende Modelle und ihre Begründung

Modell 1: 4 Kontinente (Afroeuropa, Amerika, Antarktis, Australien).
Dies ist die strengste physikalisch-geografische Modell. Es vereinigt alle verbundenen Landbrücken:

Afroeuropa: Eurasien + Afrika (Verbindung durch den Sinai-Halbinsel).

Amerika: Nordamerika + Südamerika (Verbindung durch Panama).
Dieses Modell wird selten verwendet, hauptsächlich in einigen geografischen Übersichten.

Modell 2: 6 Kontinente (mit Varianten).
Hier tritt ein entscheidendes kulturelles Unterschied auf:

Modell, populär in den Ländern der СНГ, Osteuropa, Japan: Eurasien als einheitlicher Kontinent. Insgesamt: Eurasien, Afrika, Nordamerika, Südamerika, Antarktis, Australien. Dies ist ein Kompromiss zwischen Geographie und Geologie.

Modell, angenommen in Lateinamerika, Spanien, Griechenland: Vereinigte Amerika. Insgesamt: Amerika, Europa, Asien, Afrika, Antarktis, Australien/Ozeanien. Grundlage ist das historische Verständnis des «Neuen Welt» als einheitliches Ganzes.

Modell 3: 7 Kontinente (internationale anglo-sächsische Modell).
Die am weitesten verbreitete Modell in der Welt (USA, Großbritannien, China, Indien, Pakistan u.v.m.) umfasst: Europa, Asien, Afrika, Nordamerika, Südamerika, Antarktis, Australien. Es berücksichtigt das historisch-kulturelle Delimitation so stark, dass es es in den Rang der Geographie hebt.

Modell 4: 8 und mehr Kontinente (moderne geologische Modell).
Mit der Entwicklung der Plattentektonik wird die Klassifizierung noch komplexer:

Neuseeland: Im Jahr 2017 präsentierte eine Gruppe von Geologen Beweise, dass Neuseeland und Neukaledonien nicht Inseln, sondern überwassergelegene Teile eines separaten kontinentalen Krustengesteinsmassivs von 4,9 Millionen Quadratkilometern Fläche sind, von 94% unter Wasser versteckt. Neuseeland brach vor etwa 85 Millionen Jahren von Gondwana ab.

Das Kerguelenplateau, ein großes subozeanisches Plateau im Indischen Ozean, wird manchmal auch als potenzieller «Mikrokontinent» oder Fragment der kontinentalen Kruste betrachtet.

Einige Wissenschaftler schlagen vor, Arabien (der arabische Halbinsel auf einer separaten tektonischen Platte) und Indien als selbstständige Kontinente in der geologischen Vergangenheit und teilweise in der Gegenwart zu betrachten.

Interessante Fakten und Beispiele, die die Diskussion illustrieren

Die geologische Geschichte von Europa und Asien: Die Uralberge, die als Grenze zwischen Europa und Asien betrachtet werden, sind ein alter und inaktiver tektonischer Riss. Aus der Sicht der modernen Tektonik ist dies nicht die Grenze der Platten, sondern die innere Teil der eurasischen Platte. Somit wird die Grenze Europa-Asien nach historischer, nicht natürlicher Konvention gezogen.

Beispiel der «Verschwindenden» Grenze: Der Sueskanal — eine moderne künstliche Grenze zwischen Afrika und Asien. Bis zu seiner Errichtung (1869) bestand eine trockene Verbindung. Wenn man streng geografische Prinzipien befolgt, sind Afrika und Eurasien ein einziger Massiv.

Politischer Kontext: Die Anzahl der Kontinente, die in Schulen verschiedener Länder unterrichtet wird, spiegelt oft die kulturpolitische Weltkarte wider. Das Modell mit einem separaten Europa betont ihre historische und kulturelle Differenz zu Asien. Das Modell mit einer einheitlichen Amerika in lateinamerikanischen Ländern symbolisiert die Idee der kontinentalen Solidarität.

Kontinent unter dem Eis: Antarktis — der eindeutigste Kontinent aus jeder Perspektive. Sie hat eine separate kontinentale Kruste, ist vom Ozean isoliert und liegt auf ihrer eigenen tektonischen Platte. Interessant ist, dass ihr Eiskappen so massiv ist, dass er die Erdkruste unter sich verformt.

Schluss: Die Evolution des Begriffs im 21. Jahrhundert

Die moderne Wissenschaft neigt dazu, die Meinung zu teilen, dass das Konzept «Kontinent» polysemisch ist — d.h. die Objekte, die durch diesen Begriff zusammengefasst werden, entsprechen nicht unbedingt einem einheitlichen Satz von Merkmalen, sondern sind durch «Familienähnlichkeit» verbunden. Es wird immer produktiver, nicht die Anzahl der Kontinente zu zählen, sondern eine mehrstufige Klassifizierung:

Kontinentalplatten (Kratone) — die ältesten geologischen Kerne.

Kontinentalmassive (Matte) in der physikalischen Geographie.

Historisch-kulturelle Welten (wie Europa oder Südostasien).

Die Entdeckung Neuseelands ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie die Wissenschaft, die anscheinend etablierten Kategorien ändert. In Zukunft, mit der Entwicklung der Technologien zur Untersuchung des Meeresbodens, könnte die Liste der «Kontinente» zugunsten komplexerer geologischer Modelle überarbeitet werden. Somit ist die Anzahl der Kontinente nicht eine Zahl, die man sich merken muss, sondern eine lebendige Diskussion am Übergang zwischen Erdwissenschaften, Geschichte und Kultur, die zeigt, wie unsere Vorstellungen von der Erde ständig komplexer werden.


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